Noch machen elektrisch betriebene Fahrzeuge nur einen Bruchteil der mehr als 4,5 Millionen Fahrzeuge auf Schweizer Strassen aus. Doch die Anzahl angemeldeter Elektroautos nimmt jährlich zu: Letztes Jahr waren 14'539 reine Elektroautos in der Schweiz immatrikuliert – fast doppelt so viele wie noch 2015. Glaubt man Prognosen des Bundesamts für Energie, könnten E-Fahrzeuge in drei Jahrzehnten sogar in der Überzahl sein gegenüber Benzinern.

Dietikon will den Anschluss nicht verpassen und Elektromobilität fördern. Die Stadt zeigt sich offen für einen möglichen Ausbau der bestehenden Ladestationen auf Stadtgebiet. Allerdings nicht, ohne die eventuelle Nachfrage vorher mit einer Analyse abzuklären. Zusätzliche Ladestationen sollten auf jeden Fall nicht markenspezifisch sein, sondern möglichst vielen Nutzern zur Verfügung stehen. Deshalb sieht der Stadtrat keinen Bedarf für einen Tesla-Supercharger, eine Schnell-Ladestation für Fahrzeuge des amerikanischen Elektroautoherstellers.

Bereits mehrere Ladestationen

«Es ist nicht Sache der Öffentlichkeit, markenspezifische Förderung zu betreiben», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von Michael Segrada und zehn Mitunterzeichnenden. Der FDP-Gemeinderat bat darin die Exekutive, abzuklären, ob Dietikon für eine Schnell-Ladestation infrage komme. Als Argument führte er die stetig wachsende Anzahl Elektroautos ins Feld – Tesla lege als Marktführer besonders schnell zu.

Zunächst hält der Stadtrat fest, dass Dietikon bereits über mehrere Ladestationen verfügt. Die Stadt selbst betreibt eine Station für zwei Elektroautos beim Parkplatz Zentralschulhaus. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich betreiben auf dem Werkareal an der Überlandstrasse sowie beim Coop in der Silbern je eine Ladestation – beide werden gemäss Stadtratsantwort bald modernisiert. Im Industriegebiet nahe der Autobahn existieren zudem zwei weitere Stationen.

Aufladen beim Einkauf

Gemäss Studien werden Elektroautos im Alltagsgebrauch vor allem zu Hause und am Arbeitsplatz aufgeladen, schreibt der Stadtrat. Und die Reichweiten der Fahrzeuge würden zunehmen, sodass weniger Ladestopps nötig sind. Schnell-Ladestationen wie der Supercharger «werden vorwiegend bei langen Fahrten benötigt und richten sich an Autofahrer auf der Durchreise», heisst es weiter. Deshalb entsprächen die langsameren Ladestationen, die in einer Stunde bis zu 100 Kilometer Reichweite liefern, eher dem Bedürfnis der lokalen Bevölkerung. Sie würden etwa genutzt, um die Batterien während des Einkaufs nachzuladen.

Bestehe in Dietikon Bedarf für weitere Ladestationen, wäre zuerst zu evaluieren, ob eine normale Ladestation oder «Smart-City-Lösungen» (zum Beispiel Kandelaber mit integrierter Ladestation) nicht sinnvoller wären als eine Schnell-Ladestation. Der Stadtrat bietet in seiner Antwort an, bei Bedürfnisabklärungen und der Bewertung geeigneter Lösungen koordinierend mitzuwirken. Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur «ist eine komplexe und kostenintensive Investition mit langem Nutzungs- und Amortisationshorizont». Deshalb sollte er vorher gründlich evaluiert werden.