Dietikon
Stadtpräsident Müller: «Bei mir ist eher Fingerschnippen angesagt»

Seit es das Big Band Festival gibt, hört der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller öfters Swing im Auto. Im Sonntagsgespräch spricht er über sein persönliches Verhältnis zur Musik und über die Zukunft des Festivals.

Bettina Hamilton-IRvine
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Herr Müller, das Dietiker Big Band Festival steht vor der Tür. Sind Sie schon im Swing-Fieber?

Otto Müller: Ja, das kann man sagen. Wir sind mit den Vorbereitungen voll auf Kurs und ich freue mich, weil wir wieder ein sehr vielseitiges Programm auf höchstem Niveau bieten können.

Wird man Sie am Festival auch das Tanzbein schwingen sehen oder schnippen Sie bloss ein bisschen mit dem Finger?

Bei mir ist eher Fingerschnippen angesagt (lacht). Doch ich habe diese Musik richtig gern bekommen und höre vor allem im Auto sehr viel Swing.

Hat sich Ihre Liebe zum Swing erst mit dem Festival entwickelt?

Die Liebe zum Swing hat sich massiv verstärkt, seit es das Festival gibt. Früher hatte ich vor allem Freude an ganz bekannten Musikern wie Glenn Miller. Heute hat sich mein Interesse am Swing vertieft und ich schätze das ganze Repertoire an Stilrichtungen im Swing.

Nach dem letzten Big Band Festival haben Sie angekündigt, man wolle mutig bleiben und sei offen für Neues. Was gibt es Neues dieses Jahr?

Neu ist dieses Jahr, dass die Jugend-Big-Band, die letztes Jahr gewonnen hat, als Vorband des Hauptacts am Abend auftreten darf. Wir wollen den Nachwuchsmusikern damit eine noch bessere Plattform bieten. Zudem sind wir mit fast 300 Musikern aus zig Nationen so international wie noch nie. Was sich aber sehr bewährt hat, ist, dass wir nun mit dem Festival zu den Leuten auf den Kirchplatz gehen.

Der Entscheid, einen Teil des Festivals ins Zentrum zu bringen, kam bei der Bevölkerung gut an. Nicht alle verstanden hingegen, wieso man die Dauer des Events bereits nach nur drei Ausgaben auf einen Tag reduzierte. Stehen Sie nach wie vor hinter diesem Entscheid?

Absolut. Der Entscheid war meiner Meinung nach auf jeden Fall richtig: lieber ein Feuerwerk an einem Tag statt ein auf zwei Tage verteilter Anlass.

Ging es dabei nicht vor allem darum, den administrativen und finanziellen Aufwand zu reduzieren?

Da wir das Festival selber organisieren, sind wir tatsächlich langsam an die Grenzen der eigenen personellen Mittel gekommen. Doch muss ich auch betonen, dass das Festival zwar komprimierter ist, die Organisation und Logistik aber nach wie vor sehr anspruchsvoll ist. Es ist für uns nicht einfacher, das Festival an einem Tag durchzuführen – insbesondere jetzt, wo wir sogar noch eine neue Probebühne im Stadthaus haben.

Sie haben dieses Jahr einen neuen Sponsor, mit dem Sie eine mehrjährige Kooperation eingehen konnten. Sind damit die finanziellen Probleme des Festivals gelöst?

Es ist sehr schön, dass wir als Hauptsponsor die Dietiker Firma Graphax AG gewinnen konnten, die sich für das Festival engagiert. Das schätzen wir sehr und die Unterstützung können wir brauchen. Doch finanziell bleibt es nach wie vor eng.

Dann sind damit die finanziellen Sorgen nicht vom Tisch?

Nein.

Es wurde auch schon bemängelt, dass die Dietiker Steuerzahler das jährliche Defizit des Big Band Festivals tragen müssen. Wann wird der Anlass aus den roten Zahlen herauskommen?

Das ist heute schwierig zu sagen. Ein solcher Anlass braucht einige Jahre Aufbauarbeit, bis er sich etabliert hat. Aber wir sind natürlich stolz, dass wir das Festival schon zum fünften Mal durchführen können. Das letzte Jahr war das Defizit denn auch wesentlich geringer als im Jahr zuvor. Entscheidend ist letztlich der Ticketverkauf.

Es wurde schon gefordert, das Festival abzuschaffen und das Geld zugunsten lokalen Schaffens einzusetzen.

Wir machen beides. Wir setzen uns mit unserer Kulturförderung generell für das Lokale ein. Doch wir haben uns auch auf die Fahne geschrieben, dass wir ein Festival auf die Beine stellen wollen, das den Namen Dietikon in die ganze Schweiz hinausträgt. Wir wollten eine nationale Ausstrahlung erreichen, und das ist uns gelungen. Trotzdem betonen wir mit dem Festival auch die lokale Verwurzelung. So ist zum Beispiel auch die Big Band unserer Stadtmusik dabei und viele Dietiker engagieren sich für das Festival.

Funktioniert denn das Festival als Marketinginstrument für Dietikon und das Limmattal?

Wir werben via Radio, mit Inseraten, Plakaten und im Internet. Wir haben noch nie so viel gemacht im Bereich Werbung. Aber der Effekt von Marketingmassnahmen ist immer sehr schwer zu messen. Der Erfolg lässt sich nur langfristig erkennen.

Doch Sie sehen das Festival als richtiges Aushängeschild für Dietikon?

Auf jeden Fall. Zwar haben wir uns mit dem Thema Big Band für ein Nischenprodukt entschieden. Doch das hat auch seinen Reiz, denn es ist heute im kulturellen Bereich generell schwierig, überhaupt noch eine Nische zu besetzen. Wir sind zufrieden mit dem Entscheid, auf dieses Thema zu setzen. Vor allem in Musikerkreisen hat sich das Big Band Festival einen Namen gemacht.

Das Festival gibt es seit fünf Jahren – es kann dieses Jahr also ein kleines Jubiläum feiern. Was war Ihr Highlight in den letzten fünf Jahren?

Einerseits sicher die Begeisterung der Jugendbands, die am Wettbewerb wetteifern. Dann aber auch die Abendkonzerte mit Grössen wie der Swiss Army Big Band, dem Glenn Miller Orchestra, Hugo Strasser oder Paul Kuhn. Doch auch die Freude der Besucher ist für mich immer wunderschön zu sehen.

Was war die grösste Herausforderung?

Mit der eigenen Organisation ein Festival auf die Beine zu stellen, nebst allem anderen, das die Leute auf der Verwaltung bereits tun. Zum Glück haben wir ein OK, das sehr gut zusammenarbeitet.

Doch der administrative Aufwand bleibt eine Herausforderung.

Wir stossen tatsächlich an Grenzen. Gleichzeitig ist das Team aber auch eingespielt. Dennoch: Das Festival soll nicht zur Routine werden.

Worauf freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

Auf alles. Ich freue mich auf die Atmosphäre auf dem Kirchplatz, den Wettbewerb der Jugend-Big-Bands und natürlich auch auf die erstklassige Musik am Abend. Mit dabei sein werden nebst Stargast Bill Ramsey auch internationale Überraschungsgäste. Und natürlich freue ich mich auf Dani Felber, den neuen Stern am Schweizer Jazz-Himmel. Er bringt 18 Spitzenmusiker aus zehn Nationen mit – eine ganz tolle Band.

Gibt es kein Highlight für Sie?

Das grosse Highlight wird sicher der Sieger des Jugendwettbewerbs sein, der als Preis den Wanderpokal in Form eines Tukans bekommt. Nachwuchsförderung ist uns enorm wichtig. Es soll das Ziel jedes Jugendlichen sein, der in einer Big Band spielt, einmal diesen Tukan zu gewinnen.

Welche Musiker stehen für die nächsten Jahre auf Ihrer Wunschliste?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir einen jungen, ganz bekannten Schweizer Star engagieren, der nicht aus dieser Sparte kommt und mit einer Big Band auftritt.

Zum Beispiel?

Schön wäre Marc Sway oder Stress, in Kombination mit einer Big Band.

Haben Sie zum Programm überhaupt etwas zu sagen?

Wir haben ein aus Spezialisten zusammengesetztes Musikteam, das letztlich entscheidet. Aber natürlich diskutieren wir im OK die Möglichkeiten. Dabei geht es auch darum, wie weit man an die Grenzen der Big-Band-Musik gehen kann oder ob man sie gar überschreiten darf. Ich könnte mir da einige ganz interessante Kombinationen vorstellen.

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