Dietikon
Stadt will kein Puff im Altbergquartier

Ein zonenwidriger Sexklub an der Altbergstrasse - direkt gegenüber einem Kindergarten - muss geschlossen werden. Das Verwaltungsgericht stützt den Entscheid der Stadtverwaltung.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Haus an der Altbergstrasse.

Das Haus an der Altbergstrasse.

Kob

Dass an der Altbergstrasse 24 keine Augenbrauen mehr gezupft und Wimpern gefärbt werden, ist der Stadt Dietikon lange Zeit gar nicht aufgefallen. Denn ursprünglich bewilligt wurde für die Liegenschaft gleich hinter dem Bahnhof im Jahr 1993 ein Kosmetikstudio.

Erst als vor zwei Jahren mehrere Beschwerden eingingen, wurde die Stadt darauf aufmerksam, dass in der hübschen Liegenschaft mit den blauen Fensterläden ein Sexklub betrieben wurde. «Wir bemerkten zudem», sagt Hochbauvorsteherin Esther Tonini, «dass wir nie eine Bewilligung für die Umnutzung erteilt hatten.»

Im November 2010 schickte die Stadtverwaltung dem Inhaber des Klubs Relax4you eine Aufforderung, ein Umnutzungsgesuch zu stellen – was dieser auch tat. Bewilligt wurde es aber nicht, wie Tonini sagt: «Das Altbergquartier ist eine reine Wohnzone. Wir dürfen dort gar kein Rotlichtetablissement zulassen.»

Valentin Landmann als Verteidiger

Der Inhaber sah dies anders und zog den Fall weiter ans Rekursgericht – und als auch dieses der Stadt Recht gab, noch eine Instanz weiter ans Verwaltungsgericht Zürich.

Unterdessen hatte sich der Studiobetreiber zur Unterstützung Valentin Landmann als Anwalt genommen. Doch auch der berühmte Zürcher Milieuanwalt konnte ihm nicht zum Erfolg verhelfen: Im Mai wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde zurück.

Für Tonini ist der Fall klar: Die Nutzung der Liegenschaft für Sexgewerbe ist zonenwidrig. «Wir tolerieren die Umnutzung nicht.» Zudem befinde sich die Altbergstrasse mitten in einem Familienquartier und direkt gegenüber von einem Kindergarten. Man wolle da kein Sexgewerbe, sagt Tonini. Man sei ausserdem verpflichtet, zu reagieren, wenn sich Anwohner beschwerten.

Beide Instanzen bestätigen, dass das Studio die Umgebung mit «ideellen Immissionen» belaste. Das sind offiziell «Einwirkungen, die das seelische Empfinden verletzen». Konkret: Freier, die zur Liegenschaft hin und wieder zurückfahren.

Inhaber hat 60 Tage Frist

Tonini ist zuversichtlich, dass sich dies bald ändern wird. Schliesslich sei die Stadt eindeutig im Recht. «Ich habe ein gutes Gefühl.» Ob der Fall ans Bundesgericht weitergezogen wird, ist noch nicht klar. Anwalt Valentin Landmann war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wird der Fall nicht weitergezogen, so hat der Inhaber laut Tonini 60 Tage Zeit, «um die ohne Bewilligung erstellten Umbauten und Umnutzungen zu beseitigen, beziehungsweise rückgängig zu machen und den rechtmässigen Zustand wieder herzustellen».