Schlieren
Spital Limmattal setzt Leo Boos ab

Nun doch: Nachdem der Widerstand gegen die geplante Teilprivatisierung des Spitals Limmattal immer grösser wurde, wendet sich der Verwaltungsrat jetzt vom eingeschlagenen Weg ab. Der Vertrag mit HServices wurde beendet.

Bettina Hamilton-Irvine
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Limmattaler Zeitung

Grosse Kehrtwende für das Spital Limmattal: Der Verwaltungsrat informierte gestern Morgen, dass der Vertrag mit HServices mit sofortiger Wirkung aufgelöst und der interimistische Spitaldirektor Leo Boos, Verwaltungsrat von HServices, abgesetzt wird.

Damit ist die geplante Auslagerung der operativen Spitalleitung an eine Managementfirma, welche mit einem Vertrag mit HServices bis Ende 2011 de facto bereits umgesetzt worden ist, definitiv gescheitert. Die weiteren Aspekte der geplanten Teilprivatisierung – ein privates Ambulatorium und ein von Investoren finanzierter Neubau – sind vorerst auf Eis gelegt.

«Der letzte Puzzlestein»

Während sich Leo Boos und HServices definitiv zurückziehen, muss die Delegiertenversammlung des Spitals am 29.September erst noch über den Antrag des Verwaltungsrats auf einen Marschhalt in Sachen Teilprivatisierung befinden.

Danach wird die Suche nach einer neuen Spitaldirektorin oder einem Spitaldirektor angegangen. Fest steht jedoch, dass Pflegedirektorin Heidi Kropf-Walter bis auf weiteres die Spitalleitung übernehmen wird – unterstützt vom ärztlichen Direktor Othmar Schoeb und vom Chefarzt Medizin, Basil Caduff.

Den Ausschlag für die plötzliche Abwendung von der bisher verfolgten Strategie gegeben habe eine Kombination von Faktoren, erklärte Verwaltungsratspräsident Thomas Hächler gestern.

Die Tatsache, dass die Gesundheitsdirektion und das Gemeindeamt des Kantons die Auslagerung der operativen Spitalführung an eine private Unternehmung für widerrechtlich hielten, sei dabei bloss noch «der letzte Puzzlestein» gewesen, so Hächler.

Auch beim Verfolgen der Diskussionen in den Schlieremer und Dietiker Parlamenten habe man feststellen müssen, dass der politische Widerstand immer stärker geworden sei. «Und dies nicht nur von einer Seite», so Hächler, «sondern querbeet durch alle Parteien.»

Enormer interner Druck

Wie der Spitalpräsident ausführt, hätten ausserdem die immer deutlicheren Zeichen aus der Bevölkerung sowie die Stellungnahme des Regierungsrats unmissverständlich gezeigt, dass man einen steinigen Weg vor sich habe.

«Der wichtigste Faktor war jedoch der interne Druck, der unheimlich gross wurde», sagt Hächler. Vonseiten der Ärzteschaft und des Personals habe man signalisiert bekommen, dass die Situation nahezu unerträglich geworden sei. «Es hat das Spital fast zerrissen.»

So überzeugt man auch nach wie vor vom eingeschlagenen Weg sei, habe man sich schliesslich schweren Herzens eingestehen müssen, dass es nicht die richtige Zeit sei und ein aufreibender Kraftakt dem Spital bloss schaden würde, so Hächler. Logischerweise mache unter diesen Umständen auch eine weitere Führung durch Leo Boos keinen Sinn mehr.

Der Verwaltungsrat habe die Legitimation, diese Entscheidung zu treffen, und man akzeptiere diese, sagt Michael Dieckmann, Sprecher von HServices. Es sei schade, dass die Strategie nicht weitergeführt werde, denn die diversen Machbarkeitsstudien hätten gezeigt, dass der Weg möglich sei, so Dieckmann: «Wir hätten die Lösung gehabt.»

Auf die neuste Entwicklung sei man nach Gesprächen mit dem Verwaltungsrat vorbereitet gewesen. Dennoch: «Klar sind wir enttäuscht in einer gewissen Weise, aber ohne Groll.» Nun werde sich HServices aus allen Ämtern zurückziehen, sagt Dieckmann. Das Spital müsse «allein klarkommen» und eine neue Lösung finden.

«Auch wenn es wehtut»

Wie Spitalpräsident Hächler betont, müsse diese Zukunftslösung nun in den Verbandsgemeinden mehrheitsfähig sein, von den Aufsichtsbehörden abgestützt und vor allem die Verunsicherung des Personals beenden.

An dieser Lösung wird er selber jedoch nicht mehr allzu lange beteiligt sein: Hächler wird, wenn möglich per Ende Jahr, seinen Rücktritt als Spitalpräsident einreichen.

Er habe einerseits den Zeitaufwand von bis zu 30Stunden pro Woche nicht mehr mit seinem Beruf vereinbaren können, erklärt Hächler den Entscheid. Andererseits habe er sich sehr stark mit dem angestrebten Modell identifiziert. «Hier muss ich nun die Konsequenzen ziehen, auch wenn es wehtut.»

Wenn die Teilrevision der Statuten des Spitalverbands am 26.September in den Urnenabstimmungen in Schlieren und Dietikon angenommen wird, könnte es Ende Jahr zu einer Neuwahl des Verwaltungsrats kommen.