Urdorf
Spezielle Projekte statt Finanzspritze: So setzt die Gemeinde die ZKB-Jubiläumsdividende ein

Die Gemeinde Urdorf will mit den 300'000 Franken einen virtuellen Dorfrundgang, neue Grillstellen und hilfreiche Web-Plattformen für die Bevölkerung schaffen.

Sibylle Egloff
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Hilfe beim Rasenmähen: Die Gemeinde lanciert eine Dienstleistungs-Plattform für die Urdorfer Bevölkerung.

Hilfe beim Rasenmähen: Die Gemeinde lanciert eine Dienstleistungs-Plattform für die Urdorfer Bevölkerung.

Anina Gepp

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wird im Jahr 2020 zu ihrem 150-jährigen Bestehen eine Jubiläumsdividende von 150 Millionen Franken an die Zürcher Bevölkerung ausrichten. Davon wurden der Gemeinde Urdorf rund 300'000 Franken in Aussicht gestellt. Der Gemeinderat hat im Budget 2020, das Finanzvorstand Thomas Hächler (FDP) am Montag präsentierte, nun festgelegt, für welche Projekte er das Geld einsetzen will. «Wir orientieren uns am Wunsch der ZKB, dass die Dividende für etwas Besonderes zugunsten der Bevölkerung verwendet wird», sagte Hächler. Einige Gemeinden würden mit dem Geld ihr Budget aufbessern, doch das sei nicht im Sinne des Urdorfer Gemeinderats.

Die Exekutive sammelte Ideen und definierte elf spezielle Projekte. «230'000 Franken fliessen in diese Massnahmen. Die restlichen rund 70'000 Franken kommen dem allgemeinen Steuerertrag zugute», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf, auf Anfrage. Der Gemeinderat aktualisiert derzeit seine Jugendstrategie auf Basis des neuen Leitbilds «Urdorf 2030», das er Anfang dieses Jahres vorstellte. «Für konkrete Massnahmen zur Realisierung der Jugendstrategie plant der Gemeinderat, 50'000 Franken einzusetzen», sagt Müller. Wie diese genau aussehen, sei aber noch nicht definiert.

Hilfesuchende und Helfer verbinden

Konkretere Vorstellungen existieren bereits für das Projekt «Urdorfer helfen Urdorfern». Damit gemeint ist eine digitale Dienstleistungs-Plattform auf nachbarschaftlicher Basis. «Wenn jemand beispielsweise Unterstützung beim Rasenmähen braucht, kann er sich auf der Plattform Hilfe suchen. Gleichzeitig können Freiwillige ihre Dienste anbieten», erklärt Müller. Die Plattform, die man auf der Website der Gemeinde Urdorf aufschalten werde, solle Helfer und Hilfesuchende verbinden. Eine Austauschmöglichkeit zwischen Unternehmen und der Gemeinde will der Gemeinderat ebenso schaffen. Dies soll mithilfe eines Chatbots, eines textbasierten Dialogsystems, auf der Gemeindewebsite erfolgen, das rund 5000 Franken kosten soll.

Geplant ist zudem ein virtueller Dorfrundgang für 20'000 Franken. «Wir denken etwa an eine digitale Plattform oder alternativ an einen Rundgang im Dorf, bei dem Neuzuziehende und Interessierte an einigen Posten und Orten mehr von Urdorf entdecken können», sagt Müller. Auch das Hallen- und das Freibad sollen von der Dividende profitieren. «Für je 12'000 Franken sollen behindertengerechte Pool-Lifts eingebaut werden», so Müller. Das Freibad erhält überdies ein neues Grossspielgerät für 15'000 Franken. Bedacht wird die Badi Weihermatt auch mit einer Lounge mit speziellen Möbeln und Stehtischen für 10'000 Franken. «Dort könnte man dann weiterhin Neuzuzüger-Anlässe veranstalten», sagt Müller.

In Dietikon liegen auch schon Pläne vor

Parlament Nicht nur die Gemeinde Urdorf überlegte sich, wie sie die Jubiläumsdividende der ZKB nutzen kann, auch in Dietikon hegt man Ideen. Die Stadt erhält rund 900 000 Franken. Hierzu gingen bereits Vorschläge von Politikern ein. So regt CVP-Gemeinderätin Maya Ritschard in einer Kleinen Anfrage an, dass der Stadtrat und der Gemeinderat je über die Hälfte der Dividende von rund 450'000 Franken verfügen sollen. «Im Gemeinderat wird der Betrag durch die Anzahl der Gemeinderatsmitglieder geteilt. Jede Partei verfügt dann über einen Beitrag in Abhängigkeit zur Parteistärke und kann selbst entscheiden, wie dieser Betrag für die Bevölkerung eingesetzt werden soll», schrieb Ritschard. Nun erhielt sie Antwort vom Stadtrat. Dieser zeigt sich gegenüber dem Vorschlag offen. Ob und wie eine Aufteilung des Betrages auf die Parteien erfolgen solle, sei Sache des Parlaments, heisst es. Der Stadtrat weist darauf hin, dass alle Ausgaben ordentlich budgetiert werden müssen. Zusätzlich sei auch eine Ausgabenbewilligung erforderlich. Die Finanzabteilung und Stadtkanzlei würden den Gemeinderat dabei fachlich und organisatorisch unterstützen.

In eine andere Richtung zielt das Postulat von SP-Gemeinderat Johannes Küng. Er macht beliebt, dass die Bevölkerung in einem partizipativen Prozess über die Verwendung der Dividende entscheiden soll. «An solchen Projekten können idealerweise alle Bewohnerinnen und Bewohner einer Politischen Gemeinde teilnehmen, auch jene ohne Stimmrecht und jene unter 18 Jahren», so Küng. Die FDP-Gemeinderatsfraktion macht sich indessen für eine einmalige Steuersenkung um ein Prozent für natürliche wie auch juristische Personen stark. Die Antworten des Stadtrats stehen noch aus. (sib)

Grillstellen und Spielplätze aufwerten

Der ›Gemeinderat beabsichtigt, mit der Dividende auch die Spielplätze Weihermatt und Tyslimatt aufzuwerten und neue Spielgeräte anzuschaffen. Dafür will er 30'000 Franken ausgeben. Neue Grillstellen sind auch geplant. Die bestehenden sollen zudem verschönert werden. Dafür ist ein Betrag von 10'000 Franken vorgesehen.

Alle diese Projekte sollen 2020 umgesetzt werden. Einzig eine Massnahme wird die Gemeinde erst im Jahr 2023 in Angriff nehmen können. Es handelt sich dabei um eine Zwischennutzung eines Landstücks in der Luberzen neben der Kantonsschule Limmattal, die gerade saniert und erweitert wird. «Wir möchten das Landstück, das wir vom Kanton gemietet haben, bezüglich Aufenthalts- und Verpflegungsqualität aufwerten und damit auch den Wirtschaftsraum Urdorf-Nord für die Bevölkerung, die Arbeitnehmer und Firmen attraktiver machen», verrät Müller. Da das Erweiterungs- und Sanierungsprojekt voraussichtlich 2023 abgeschlossen sei, werde man dieses Vorhaben deshalb erst dann angehen können.