Der 48-jährige Tierpfleger aus dem Bezirk Bülach geriet bereits öfters mit dem Gesetz in Konflikt. Er weist drei Vorstrafen auf: zwei wegen Diebstahls und eine wegen Tierquälerei. Er befindet sich nun schon seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung. «Jetzt passiert nichts mehr», sagte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Bülach. Wiederum wegen Tierquälerei sowie wegen eines Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere und Vögel.

Laut Anklage hat der Beschuldigte einem wilden Sperberweibchen am rechten Flügel die Federn mit einer Schere abgeschnitten. Dies hatte zur Folge, dass der Vogel nicht mehr fliegen und damit auch nicht mehr jagen konnte. Wäre das Sperberweibchen nicht durch Passanten gefunden und eingefangen worden, hätte es nicht überlebt.

Der Beschuldigte zeigte sich einsichtig. «Ja, das habe ich getan. Es war eine Kurzschlusshandlung.» Er habe geglaubt, dass der Sperber seinen Vögeln gefährlich werden könnte. «Ich war wütend.» Der Vogel sei nach der Tat benommen gewesen. Er habe ihn auf dem Boden abgesetzt, geflogen sei das Sperberweibchen aber nicht mehr.

Behandlung bezahlt

Dem Tierpfleger war sogleich bewusst, dass er falsch gehandelt hatte. «Es tut mir wahnsinnig leid.» Er übernahm dann auch die Kosten für die Behandlung des Vogels in der Höhe von 8000 Franken. Der Beschuldigte hielt in seiner Voliere zudem einen Wildvogel gefangen, konkret ein Rohrammerweibchen, ohne über eine entsprechende Bewilligung zu verfügen. «Der Verkäufer sagte mir, dass es sich um einen Kanarienmischling handle. Es waren kaum Unterschiede zu meinen anderen Kanarienvögeln zu erkennen», sagte der Tierpfleger. Er habe aber gewusst, dass er für die Haltung von Wildvögeln eine Bewilligung gebraucht hätte.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine mehrmonatige, unbedingte Freiheitsstrafe sowie eine Busse von 1000 Franken für die Vergehen des Beschuldigten. Zudem sei eine bedingt ausgesprochene Geldstrafe aus dem Jahr 2017 von 120 Tagessätzen zu 150 Franken (18 000 Franken) in eine unbedingte Strafe umzuwandeln.

Der Verteidiger forderte, dass sein Mandant lediglich wegen Tierquälerei zu verurteilen sei. «Es ist nicht rechtsgültig erstellbar, dass er einen Wildvogel gehalten hat.» Deshalb sei der Beschuldigte in diesem Punkt freizusprechen.

Richter: «Es war geringschätzig»

Der Richter sprach den Tierpfleger wegen Tierquälerei und der fahrlässigen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere und Vögel schuldig. Bestraft wird der 48-Jährige mit einer unbedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 150 Franken, dazu kommt eine Busse von 200 Franken. Das Gericht verzichtete hingegen auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der Geldstrafe aus dem Jahr 2017. «Es war geringschätzig, dem Vogel die Federn abzuschneiden. Es wäre ohne weiteres vermeidbar gewesen», begründete der Richter das Urteil. Bei der illegalen Haltung eines Wildtiers lasse sich hingegen kein Vorsatz erstellen. «Der Unterschied zwischen den Vogelarten war nicht offensichtlich.»