Was passiert, wenn zwei Dietiker Institutionen Jubiläen feiern? Es wird zusammen jubiliert. Dieses Jahr feiert die Musikschule Dietikon ihr 40-jähriges Bestehen, die Kulturkommission ihr 25-jähriges. In der Konzertreihe «8953 Live» der Kulturkommission treten deshalb Formationen und Bands von Musiklehrern der Musikschule Dietikon im Stadtkeller auf. «Im September hatten wir Jazz, im November werden wir griechische Musik und im Dezember Klassik haben. Heute gibt es zeitgenössische Volksmusik», sagte Organisatorin Irene Brioschi von der Kulturkommission am Dienstagabend.

Quintett «Klangcombi» aus Dietikon

Quintett «Klangcombi» aus Dietikon

In folkloristischen Klängen tauchen auch mal jazzige Drums auf - alles angehaucht mit klassischen Elementen.

Als sanften Einstieg ins Konzert spielte das Quintett «Klangcombi» im Dietiker Stadtkeller fröhlich-festliche Folklore. Doch auch da mischten sich bereits jazzige Drums und subtil klassische Elemente in das Stück «Blubb» ein. «Was Sie heute von uns hören, ist eine Momentaufnahme. Kein Konzert von uns gleicht dem anderen», sagte der Violinist und Bratschist Adrian Häusler, der auch Musiklehrer an der Musikschule Dietikon ist. Klangcombi wurde von der Appenzeller Musikgrösse Noldi Alder 2004 gegründet. Alder ist Volksmusikant der vierten Generation der Appenzeller Volksmusik-Dynastie Alder Buben. Um aus der Tradition der Volksmusik auszubrechen, gründete er die Formation. 2014 verliess Alder Klangcombi. Das Quintett entwickelte sich weiter und nahm immer noch den Fundus der Volksmusik als Ausgangsmaterial, um ihn mit zeitgenössischem Jazz und Klassikelementen zu vermischen. «In der Improvisation beim Schlagzeug singe ich die Melodien und Parts für die anderen Instrumente unserer Formation, so entstehen neue Kompositionen», sagt Schlagzeuger und Geräusche-Perkussionist Markus Lauterburg, der zusammen mit Häusler die Stücke für Klangcombi komponiert.

Die Musiker von Klangcombi haben alle eine klassische Musikausbildung. Häusler hat in seiner Jugendzeit vor allem Elektrovioline in Rockbands gespielt, während Lauterburg aus der Jazz-Ecke kommt. Kürzlich zur Band hinzugestossen ist Kontrabassist Severin Barmettler. Etwas länger dabei sind Violinistin Judith Müller und Cellist Nicola Romanò.

Fast hörte man das Atmen

Mit diesem vielfältigen Hintergrund kombinierte und improvisierte das Quintett im Stadtkeller gekonnt auf hohem Niveau verschiedenste Musikelemente. Ob eine ruhige Landschaft wie im Stück «Tau» oder eine fröhlich-festliche Stimmung in «Herr Fröhlich» heraufbeschworen wurden, die Übergänge waren stets fliessend. Mal wurde es so leise, dass man beinahe das Atmen des Publikums hörte und das Niesen der Violinistin zu einem Geräuschelement wurde. Dann wiederum spielten die Musiker virtuos und laut. Wie ein roter Faden und Refrain zog sich eine bittersüsse Cellosequenz durchs ganze Konzert, als würde die Klassik darin ihre Geschichte erzählen. Und während die Violinen ihren folkloristischen Kommentar beigaben, fügten Perkussion und Kontrabass etwas Jazz bei.

Die Wand wird zum Instrument

«Sehr mutig, was das Quintett geboten hat», fand Zuhörerin Rosmarie Bühlmann. Trotz des schnellen Wechsels zwischen den Stilen habe alles gut zusammengepasst. Eine sehr spannende und überraschende Klangreise sei das gewesen, so die Dietikerin.
Auch Angela Zimmermann, eine von Häuslers Viola-Schülerinnen, war beeindruckt von der Formation ihres Lehrers: «Ich war noch nie an einem solchen Konzert, wo Musiker den Raum miteinbezogen. Es war genial, wie der Schlagzeuger die Holzverschalung des Stadtkellers zum Klangkörper umfunktionierte», sagte die Dietiker Schülerin. «Teilweise erinnerte mich das Konzert an Filme, es war wie Filmmusik», so Zimmermann.