Limmattaler 1.-Mai-Feier

SP-Nationalrat Daniel Frei: «Es ist für Rechts und Links einfach, mit populistischen Vereinfachungsparolen zu punkten»

Fordert einen Kampf – nicht gegen, sondern für etwas: SP-Nationalrat Daniel Frei.

Das Entweder-oder spaltet, sagt SP-Nationalrat Daniel Frei.

Auf dem Dietiker Kirchplatz war es gestern eine besondere 1.-Mai-Feier: Denn wie die Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss lachend feststellte, regnete es anders als in den vergangenen Jahren für einmal nicht. Und so liessen es sich einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch nicht nehmen, die in der Markthalle aufgestellten Tische direkt ins Sonnenlicht hinauszutragen. Der Tag der Arbeit stehe zwar für einen Kampf, doch dürfe man ihn zwischendurch durchaus auch geniessen, meinte eine Gewerkschafterin schmunzelnd.

Musikalisch umrahmt von der Klezmerband Cheibe Balagan aus Zürich wurde die traditionelle Limmattaler 1.-Mai-Feier begangen. Für eine der beiden offiziellen Ansprachen war Daniel Frei geladen. Der SP-Nationalrat aus Uster hielt dabei, wie er im Verlauf seiner Ansprache selber anmerkte, beinahe schon eine verfrühte 1.-August-Rede: «Wir alle sind Teil des Staates, der Gesellschaft und der Wirtschaft», sagte der 40-Jährige. «Wir alle können mitgestalten, wir alle tragen aber auch Mitverantwortung.»

Dabei kritisierte Frei die Schwarz-Weiss-Malerei: Diese führe in der komplexen Welt nicht vorwärts. «Es braucht einen Farbenmix.» Der SP-Politiker sprach sich deshalb gegen das Entweder-oder aus: Es sei zwar für die rechte, aber auch die linke Seite einfach, mit populistischen Vereinfachungsparolen zu punkten. «Wir leben in einer Welt, in der vieles auf den ersten Blick als Gegensatz erscheint.» Aber bei näherer Betrachtung sei es nicht so einfach. «Wir leben in einer Welt voller Verflechtungen, Abhängigkeiten und Widersprüche.»

Die Entweder-oder-Rhetorik führe zu einer Spaltung. «Diese Spaltungstendenzen sind nicht zu übersehen. Es werden Gegensätze zwischen In- und Ausländern, zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen Alt und Jung gezeichnet.» Oft gehe es jedoch vielmehr um ein Sowohl-als-auch, meinte der frühere SP-Kantonalpräsident.

In seiner Rede wies Daniel Frei auch darauf hin, dass der Tag der Arbeit historisch und politisch viel mit Kampf zu tun habe. «Nehmen wir den Kampf doch auf», sagte er. Entsprechend seiner Rede forderte er aber keinen Kampf «gegen etwas, sondern für etwas». Aus seiner Optik lohnt sich der Kampf unter anderem für Lohngleichheit, Chancengerechtigkeit und Klimaschutz.

Der zweite Festredner, der Schlieremer Stadtpräsident und SP-Kantonsrat Markus Bärtschiger, zeigte sich in seiner Rede kämpferisch – und auch verärgert. «Der 1. Mai wird immer mehr zu einem normalen Tag.» Verschiedene Verkaufsgeschäfte hätten geöffnet, es fänden Veranstaltungen wie die offenen Weinkeller statt, kritisierte er. «Dabei ist der Tag der Arbeit ein ernster Anlass.» Mit der Kraft der Worte sei viel erkämpft worden. Der 1. Mai sei kein Tag, an dem einfach nur schöne Mythen abgefeiert würden, sagte Bärtschiger. Eine 1.-Mai-Rede liesse sich deshalb auch nicht so einfach schreiben wie eine 1.-August-Rede, da es auch um Inhalte gehe. Es gehe am Tag der Arbeit um «eine soziale, ökologische und demokratische Welt».

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