Dietikon
Social-Kafi: Der Sharing-Gedanke wird auch im Café gelebt

Morgenstund hat Gold im Mund: Beim Social-Kafi des Bureau D erweitern Selbstständige nicht nur das Beziehungsnetz. Die Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, um Wissen auszutauschen.

Christian Tschümperlin
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Social-Kafi
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Andrea Diaz, Spreitenbach, Sprachlehrerin Englisch und Spanisch «Seit Oktober leite ich einen Englischkurs für Senioren im Bureau D. Nächste Woche starten zwei Sprachkurse für Kinder. Ich finde die Coworking-Idee toll. Beim Büro D kann ich stundenweise Räume mieten. Zudem haben mir Mona Sorcelli und Thomas Wickart geholfen, die Sprachschule zu promoten. Mit Mirko Ganarin habe ich bereits über gehirngerechtes Lernen gesprochen.»
Sabine Billeter (52), Bergdietikon, Projekt-Managerin «Ich bin Projekt-Managerin bei der Vereinigung Zentrum Dietikon, die sich für die Standortförderung starkmacht. Beim Social-Kafi treffen sich viele Kleinunternehmer. Ich bin hier, um zu schauen, was die Leute bewegt. Und weil ich sie bewegen will. Unsere Vereinigung setzt sich dafür ein, Dietikon emotional aufzuwerten. So organisieren wir den Feierabendmarkt und den Frischmarkt.»
Suzanne Raimondi, Dietikon, Kinesiologin «Ich bin heute zum ersten Mal dabei. Das Social-Kafi habe ich über die App Meetup entdeckt. Mir geht es darum, zu netzwerken und mich auszutauschen. Mona Sorcelli hat mir gerade von der Freiwilligenarbeit im Chrüzacher erzählt. Da ich auch Erfahrungen habe im Bereich Gastronomie, dachte ich, das könnte etwas sein, was mir gefallen würde. Den Vorteil von Coworking sehe ich darin, als Selbstständige rauszukommen und neue Menschen kennen zu lernen.»
Mirko Ganarin (46), Wetzwil, Lerncoach «Coworking eignet sich für alle, die mobil unterwegs sind. Sprich für alle, die nicht mehr als einen Laptop, ein Telefon und zwei, drei Akten brauchen, um zu arbeiten. Ich unterstütze das kreative Umfeld im Bureau D mit Tipps zum gehirngerechten Lernen. Beispielsweise kann es hilfreich sein, Ideen in einem Brainstorming zu visualisieren.»
Mona Sorcelli (35), Dietikon, Technology Manager «Im Social-Kafi und im Bureau D treffen sich Gleichgesinnte. Was wir alle gemeinsam haben, ist der Sharing-Gedanke. Wenn wir Zeit teilen, können neue Ideen entstehen. Wenn wir den Raum teilen, können wir Miete sparen. Und wenn wir das Know-how teilen, können wir unsere Geschäfte gegenseitig vorantreiben. Ich persönlich helfe Kleinunternehmern, den Weg ins Internet zu finden.»
Gudrun Kofler (60), Bergdietikon, Marketing-Fachfrau «Für mich ist es interessant zu sehen, wie andere ihr digitales Leben organisieren. Das Digitale wird in meinem Beruf, in der Kommunikation, immer wichtiger. Hier kann ich das Know-how abholen. Beim Social-Kafi bin ich aber selten dabei, weil es bereits um 7.15 Uhr beginnt. Das sind wirklich Early Birds hier.»

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Christian Tschümperlin

Alle zwei Monate treffen sich digitale Nomaden und solche, die es werden möchten, zu einem nicht digitalen Kaffee im Spettacolo am Dietiker Bahnhof. Was die bunte Truppe aus Freiberuflern, Kreativen und Studenten zusammenbringt, ist eine neue Arbeitsform namens Coworking. Dabei mieten sich Menschen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern in denselben Büroräumen ein. Wie es sich für digitale Nomaden gehört, genügen Laptop und Netzanschluss, um ihrer Tätigkeit nachgehen zu können.

Organisiert wird der Anlass vom Coworking-Anbieter Bureau D. Ob das «D» für «Dietikon» oder für «Digitalisierung» stehe, sei der Fantasie des Einzelnen überlassen, sagt Bureau-D-Präsident Thomas Wickart. Für ihn ist aber klar: Coworking schafft ein kreatives Umfeld.

Wissen austauschen

Bei den Gesprächen am Tisch geht es darum, zu Netzwerken und Wissen auszutauschen. Auf die Frage, ob das klassische Büro ausgedient hat, reagieren die Teilnehmer vorsichtig. «Es hat noch nicht ausgedient, aber das klassische Grossraumbüro ist unter Druck», sagt etwa Lerncoach Mirko Ganarin. Vizepräsidentin Mona Sorcelli geht es erst einmal darum, digitales Know-how einer breiten Masse zugänglich zu machen. «Letzte Woche veranstalteten wir einen Gratis-Twitter-Kurs. Nun planen wir einen Kurs, um Eltern über Social Media aufzuklären», sagt sie. Dort werde es beispielsweise darum gehen, dass Eltern nicht x-beliebige Bilder ihrer Kinder aufs Internet hochladen.

Dass das Bureau D Kurse kostengünstig oder gar gratis anbieten kann, liegt laut Sorcelli daran, dass die Lokalitäten eher kleinräumig sind und dadurch niedrige Mietkosten anfallen. «Wir sind aber offen für Inputs für grössere Locations», sag sie.