Bratwürste, Lampions, Schweizerkreuze, Rivella, Bier und Schweisstropfen: An den Feiern zu Ehren der Schweiz ging es am 1. August bunt und fröhlich zu und her. 

Traditionsgemäss machte Dietikon den Anfang. Dort trafen die ersten Gäste schon am Morgen ein. Die Rede zum Bundesfeiertag hielt im Bezirkshauptort dieses Jahr für einmal kein Vertreter aus der Politik, sondern zwei Bewohner des neuen Stadtteils Limmatfeld. Das Ehepaar Ruth Meier und Andrea Kopp erzählte, was für sie Heimat bedeutet und warum sie diese in Dietikon finden. Moderiert wurde der Morgen von Stadtpräsident Otto Müller.

Im Anschluss an die beiden Reden sangen die Gäste auf dem Kirchplatz gemeinsam in Begleitung der Stadtmusik Dietikon die Schweizer Nationalhymne.

Die Unterengstringer singen die erste Strophe der Nationalhymne.

Die Unterengstringer singen die erste Strophe der Nationalhymne.

Heisser Schinken und Gätterewy in Uitikon

Gleichzeitig mit Dietikon startete auch in Uitikon um 11 Uhr die Bundesfeier. Dort hielt der Zürcher FDP-Stadtrat Andres Türler die Rede: ein Plädoyer für das Schweizer Milizsystem. Für die Musik sorgte traditionsgemäss der Musikverein Harmonie Birmensdorf, mit dessen Begleitung die vielen Gäste dann auch den Schweizerpsalm sangen. Danach gab es wie immer an der Uitiker Bundesfeier die gewohnte Verpflegung: Heisser Schinken mit Kartoffelsalat, dazu mindestens ein Gläschen vom Üdiker Gätterewy, dem heimischen Riesling-Sylvaner. Begrüsst auf dem Hof der Familie Bosshard an der Zopfstrasse im Ortsteil Ringlikon wurde die Festgesellschaft vom Uitiker Tiefbauvorstand Markus Stäheli (SVP). Der Musikverein Harmonie Birmensdorf hat heute ein dichtes Programm: Er spielt heute Abend auch noch in Birmensdorf und in Aesch. Ach ja: zum Dessert gabs in Uitikon feine Meringues.

Die Trachtentanzgruppe Schlieren kommt gut an

Die Trachtentanzgruppe Schlieren kommt in Unterengstringen gut an.

Unterengstringen: «Sind liäb mitenand»

Um halb zwölf Uhr zog die Gemeinde Unterengstringen nach. Auf dem Dorfplatz vor dem Feuerwehrdepot fanden sich über 200 Festbesucher ein, viele davon in rot-weissem Tenue. Unter den in den Farben der Gemeinde (rot-weiss-gelb) geschmückten Baldachinen war es drückend heiss. Wer keinen Fächer dabei hatte, behalf sich mit einem der aufliegenden Schweizerpsalm-Blätter. Zu Beginn der Feier wurde die inoffizielle Hymne der Stadt Zürich, der Sechseläutenmarsch, abgespielt. Danach hielt Rolf Wyssling, der im März gewählte SVP-Ortspräsident, die erste 1. August-Rede seines Lebens. Er betonte die Wichtigkeit von gegenseitigem Respekt und schloss mit den durch «Stapi» Emil Landolt berühmt gewordenen Worten: «Sind liäb mitenand». Als Verpflegung gab es einen Gratisumtrunk sowie Würste vom Grill. Moderiert wurde der Morgen traditionsgemäss von Thomas Wirz, dem Präsident des Bürgerlichen Gemeindevereins (BGV). Die Trachtentanzgruppe Schlieren umrahmte das Programm mit beschwingten Tanzeinlagen. Heute Abend um 19 Uhr unterhält sie noch an einer anderen Zürcher Bundesfeier, jener der Gemeinde Bachs. Hoffentlich bei etwas milderen Temperaturen.

Geroldswil: Eigene Identität bewahren

In Geroldswil hielt der Dietiker SVP-Stadtrat Roger Bachmann am späteren Nachmittag die Ansprache zur Bundesfeier auf dem Festplatz Werd. Seine Hauptthemen waren die individuelle Eigenverantwortung und die Wichtigkeit eines angemessenen Nationalstolzes. Die eigene Identität müsse zumal in Zeiten der Globalisierung bewahrt und verteidigt werden. Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Stadtjodler von Dietikon.

Weiningen: Regen und leuchtendes Vaterland

In Weiningen wurde die Festgemeinde von einem wolkenbruchartigen Regen überrascht. Das tat der Festfreude aber keinen Abbruch. Hanspeter Haug (SVP), Weininger Gemeindepräsident, Festredner und Gastgeber in einem, verschob seine Rede kurzerhand von 18 Uhr auf 19 Uhr, später nochmals nach hinten. Man nehme das nicht so streng, sagte er. Die Gäste begrüsste er dann, als die Sonne schon wieder schien, offiziell mit den Worten: «Sie sind Patrioten, dass Sie Ihre Ferien so gelegt haben, um an unserer Bundesfeier dabei zu sein.» In der dritten 1.-August-Rede seiner Karriere plädierte Haug für Fairness in der Politik und für mehr «Grüezis» auf der Strasse. Und er bedankte sich bei der engagierten Dorfbevölkerung: «Im Kleinen muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.» 

Schlieren: Mit dem Bus in den Fluegarten

Schlieren war es gelungen, den neu gewählten Statthalter Simon Hofmann für eine Rede zu gewinnen. Hofmann, der sein Amt im Herbst antreten wird, sprach auf dem Fest im Fluegarten, wo die Schlieremer Feier traditionsgemäss stattfindet. Neu war dieses Jahr aber, dass ein Shuttlebus die Besucher zu den Feierlichkeiten brachte. Den ersten Stopp riss das Gefährt im Alterszentrum Sandbühl, sodass die dortigen Bewohner auch die Möglichkeit erhielten, an der Feier teilzunehmen. Hofmann sagte in seiner Festansprache, Schlieren sei vorne mit dabei, wenn es um die Zukunftsgestaltung der Schweiz gehe. Beispiele dafür sei die tolle Start-up-Szene oder der Bio-Technopark. 

Urdorf: Lob der Gemeinschaft

Fast gleichzeitig, etwa um 20 Uhr, fand die Festrede in Urdorf auf dem Embri-Areal statt.  Sonja Gehrig, GLP-Kantonsrätin aus der eigenen Gemeinde, sprach darin über gemeinsame Aktivitäten zur Förderung des Allgemeinwohls. Im Alleingang, so Gehrig, könne man nicht ans Ziel kommen. Die Schweiz sei angewiesen auf Freiwillige, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft einsetzen und so den Zusammenhalt und die Sicherheit des Landes garantieren. Musikalisch umrahmt wurde der Anlass vom Verein Harmonie Urdorf.

Birmensdorf: Die Schweiz ist ein Haus

Ebenfalls am Abend feierte man in Birmensdorf. Während Nachbargemeinden auf lokale Politiker als Festredner setzen, geht Birmensdorf einen exotischeren Weg. Es ist zur Tradition geworden, dass die Gemeinde zur Bundesfeier jedes Jahr einen Gastkanton einlädt. Letztjährig war etwa der Kanton Luzern dran, zuvor Appenzell Ausserrhoden. Dieses Jahr war der Kanton Schwyz in die Kränze gekommen. Für die Ansprache hatte passenderweise der Ständerat Peter Föhn (SVP) aus Muotathal gewonnen werden können. Der Möbelunternehmer verglich die Schweiz mit einem Haus. Das Fundament sei die direkte Demokratie, die Wände Freiheit, Sicherheit und Föderalismus, das Dach der Herrgott selbst. Sein Fazit: «Zu einem schönen Haus muss man Sorge tragen.» 

Oberengstringen: Gemeinsam geht es ringer

Um die Wichtigkeit von Solidarität ging es in der Rede von EVP-Stadtrat Heinz Illi aus Dietikon. Er war über den Fluss gereist, um in Oberengstringen zur Festgemeinde zu sprechen. «Wir müssen wieder mehr aufeinander zugehen, Vertrauen zueinander haben», sagte Illi. Auch müsse man Argumente prüfen und den Konsens suchen, wo immer es gehe. «Gemeinsam können wir Dinge wenden, wir bestimmen in unserer Demokratie, wo es langgehen soll.»

In Aesch singen sie die Nationalhymne.

Die Aescher singen in ihrer Waldhütte die Nationalhymne, angeführt von der Harmonie Birmensdorf.

Aesch: Nur Mut

Der Aescher Gemeinderat und Kantonsrat Diego Bonato (SVP) hielt die Festrede in der eigenen Gemeinde. Dabei wandte er sich einer Besonderheit der Schweizer Geschichte zu: den Tagsatzungen, zu denen sich die Kantone trafen, als es noch keinen Bundesrat oder dergleichen gab. 1734 lehnte die Tagsatzung einen Vertrag mit dem österreichischen Kaiser ab, um Freiheit und Neutralität zu wahren. «Von diesem Mut könnten sich der Bundesrat und die Mehrheit des Nationalrats eine Scheibe abschneiden», sagte Bonato. Die Einwanderung – «80 000 pro Jahr sind beunruhigend» – sei wieder selber zu kontrollieren und Verträge seien zu künden, wenn sie sich als Knebelverträge entpuppen. Bonatos Verweis auf die Geschichte kam nicht von ungefähr: «Um der Zukunft willen soll man die Vergangenheit hochhalten», zitierte er Jeremias Gotthelf in der Aescher Waldhütte, wo sodann Alpenflieger Rolf und der Musikverein Harmonie Birmensdorf für die Musik und der Aescher Knabenverein für die Festwirtschaft sorgten.

Oetwil: Wenn die Hymne an Ferien erinnert

Den Schluss machte Oetwil, wo die eigene FDP-Gemeinderätin Rahel von Planta erst um 21 Uhr ihren grossen Auftritt auf dem Festgelände an der Übersetzstelle an der Limmat hatte. Sie nahm in ihrer Rede diverse Nationalhymnen unter die Lupe. Der Schweizer Psalm erinnere sie mit seinem «Sternenheer und Abendglühn» mehr an stimmungsvolle Ferienszenen als an eine heldenhafte Schlacht, sagte sie. Dem «deutschen Vaterland» gestand Planta zwar zu «im Glanze seines Glücks» gedeihen zu dürfen. Doch solle in der Schweiz weiterhin «parkiert»– nicht geparkt – und «grilliert» – nicht gegrillt – werden dürfen.