Social Media
So nutzen Limmattaler Politiker Facebook und Co.

Barack Obama hat Facebook für Politiker salonfähig gemacht: Sein Wahlkampf auf dem sozialen Netzwerk soll ihm den Präsidentschaftssitz verschafft haben. Ein Blick ins Limmattal zeigt: Die Regionalpolitiker kennen sich mit Facebook und Co. nicht aus.

Katja Landolt
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2,7 Millionen Schweizer und 45 der grossen Schweizer Firmen sind auf Facebook, so auch die az Limmattaler Zeitung.Printscreen

2,7 Millionen Schweizer und 45 der grossen Schweizer Firmen sind auf Facebook, so auch die az Limmattaler Zeitung.Printscreen

Auch viele Schweizer Politiker nutzen Facebook mehr oder weniger aktiv, um die Wähler auf sich aufmerksam zu machen und mit ihnen in Dialog zu treten oder ihr Schaffen kundzutun; über 80 Prozent der Nationalräte haben einen Facebook-Account. Der Kurznachrichtendienst Twitter hingegen ist für die meisten Schweizer Politiker kein Thema: Nur knapp 20 Prozent haben einen Account.

Der Blick ins Limmattal zeigt: Die meisten hiesigen Politiker haben das Terrain der sozialen Netzwerke noch nicht betreten. Und wenn doch, werden die Profile eher stiefmütterlich behandelt. Die az Limmattaler Zeitung hat nach dem Zufallsprinzip fünf im Netz aktive Politiker ausgesucht und zu ihrem Verhalten auf Facebook und Twitter befragt.

Die Privatperson kennen lernen

Mit wehender Fahne voraus zieht CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr. Er nutzt Facebook und Twitter so intensiv wie kein zweiter Limmattaler Politiker. «Für mich als Politiker ist es sehr wichtig, mit den Wählern in Kontakt zu stehen und zu erfahren, was die Menschen bewegt», sagt Wiederkehr. Ihm gefalle es, mit vielen Leuten Inhalte zu teilen. Facebook ermögliche ihm, mit einem grossen Freundeskreis in Verbindung zu bleiben.

Seine persönliche Schmerzgrenze bezüglich privater Einträge liegt relativ hoch: «Man darf mich auf Facebook als Privatperson kennen lernen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas verstecken müsste.» Trotzdem gelte für ihn den Grundsatz, dass die Nutzung von Facebook ähnlich dem realen Leben funktionieren soll: «Auch im realen Leben teilt man nicht mit allen Leuten alles.» Schlechte Erfahrungen habe er mit Facebook bisher nicht gemacht.

Einfach und direkt

Immer sachlich bleibt Andreas Wolf, Kantonsrat Grüne. «Ich versuche, Privates nicht zu publizieren», sagt er. «Für mich ist Facebook ein wichtiges Medium, um direkten Kontakt mit an meiner politischen Arbeit interessierten Menschen zu pflegen.» Pro Woche verwendet er rund 30 Minuten Zeit für die Bewirtschaftung, eröffnet hat er das Konto vor den letzten Kantonsratswahlen im Frühling. In dieser kurzen Zeit hat er schon schlechte Erfahrungen mit Facebook gemacht: «Einmal wurde mein Konto von einer Person missbraucht und mit einschlägiger Propaganda überschwemmt.»

Rosmarie Joss, SP-Gemeinderätin aus Dietikon, wendet für Facebook täglich rund 30 Minuten auf. «So kann ich einerseits privat mit Personen den Kontakt aufrechterhalten, anderseits kann ich Leute über meine politischen Aktivitäten auf dem Laufenden halten.» Die Einfachheit und Direktheit des Mediums erachtet Joss denn auch als grössten Nutzen: «Es ermöglicht mir, ‹befreundete› Personen zu erreichen, ohne auf die klassischen Medien angewiesen zu sein.» Sie poste aber nur Sachen, die die ganze Welt wissen darf. «Grundsätzlich muss man Facebookpostings als öffentlich betrachten.»

Acht geben auf Privatsphäre

Als einen Teil des Gesamtauftrittes sieht Dominik Tiedt, FDP-Präsident Bezirk Dietikon und Gemeinderat in Geroldswil, sein Facebook-Konto: «Der Nutzen ist gross, da man schnell Feedback und Reaktionen auf Themen erhält.» Tiedt nutzt Facebook, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben und um auf politische Themen aufmerksam zu machen beziehungsweise um über seine politischen Aktivitäten zu informieren. Als Vorteile betrachte er die Schnelligkeit und Einfachheit sowie die Möglichkeit, viele Personen zu erreichen. «Als Nachteil sehe ich die Informationsflut; Aussagen können ausserdem schnell falsch verstanden werden.»

Auf seine Privatsphäre bedacht ist Rochus Burtscher, SVP-Kantonsrat und Gemeinderat der Stadt Dietikon: «Ich achte darauf, dass nur Informationen auf meinem Profil zu finden sind, die man so oder so auf dem Netz finden kann.» Den Nutzen von Facebook macht er von der investierten Zeit abhängig: «Professionell aufgebaut, kann es durchaus etwas bringen. Das bedingt aber auch, dass man viel Zeit investieren muss.»

Twitter – nein, danke

Überhaupt keinen Gefallen finden die Limmattaler Politiker an Twitter. Einziger regelmässiger Nutzer ist Josef Wiederkehr. «In der Regel lese ich jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen die Schlagzeilen über Twitter. Danach kann ich in den Zeitungen gezielt nach bestimmten Artikeln suchen.» Ausserdem füttere er via Twitter seine Homepage. Nur selten nutzt Dominik Tiedt den Dienst: «Aus zeitlichen Gründen und weil ich keinen allzu grossen Nutzen sehe.»

Rosmarie Joss glaubt, dass Twitter nur funktioniere, wenn man genügend Followers hat. «Dies bedingt wiederum eine sehr regelmässige Twitteraktivität, die ich zurzeit nicht bereit bin, auf mich zu nehmen.» Er nutze Twitter nicht, weil es ihm nichts sage, so Rochus Burtscher. «Ich informiere mich über andere Quellen.» Aus technischen Gründen verzichtet Andreas Wolf auf Twitter: «Ich habe noch immer ein Natel einer früheren Generation. Ausserdem reicht mir Facebook im Moment, in Twitter sehe ich keinen Mehrwert.»

Egloff noch Social-Media-resistent

Weder über ein Facebook- noch ein Twitter-Konto verfügt der frisch gewählte Limmattaler Nationalrat Hans Egloff. Die Frage, ob er solche eröffnen solle, habe er sich wiederholt gestellt. «Gerade im Wahlkampf haben mich Berater immer wieder auf dieses ‹Manko› hingewiesen», sagt er. Über Facebook komme man plötzlich – auch ungewollt – zu vielen «neuen Freunden». «Ich behalte diesbezüglich gerne den Überblick. Trotzdem will ich nicht ausschliessen, mich bei Gelegenheit neuen Foren zu öffnen.»