Weiningen
So emotional war der Gubrist-Durchstich für die Tunnelpatin Maya Grossmann

«Linde»-Wirtin Maya Grossmann feierte mit den beteiligten Mitarbeitenden und Mineuren den Durchschlag der dritten Gurbist-Tunnelröhre in Weiningen.

Sibylle Egloff, David Egger
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Tunnelpatin Maya Grossmann war beim Durchstich in Weiningen mit dabei. Sie ist die irdische Vertreterin der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure.

Tunnelpatin Maya Grossmann war beim Durchstich in Weiningen mit dabei. Sie ist die irdische Vertreterin der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure.

zvg

Mineure durchbrechen gestern Mittag die dritte Gubrist-Röhre. Der bedeutende Meilenstein des Ausbaus der Nordumfahrung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Aufgrund der Corona-Situation feierten nur die direkt am Projekt beteiligten Unternehmer, Planer und Bauherren. Einzig die Weininger «Linde»-Wirtin Maya Grossmann war an vorderster Front mit dabei. Der Tunnelpatin und damit irdischen Vertreterin der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, wurde die Ehre zuteil, dem Durchschlag beizuwohnen.

«Es war ein sehr emotionaler Moment, als ich auf der Weininger Seite stand und gehört habe, wie die Maschinen immer näher und näher kamen, bis dann irgendwann der Sand aus der Wand herausbröselte und die Maschine zum Vorschein kam», erzählt Grossmann. Neben Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), und Baustellenchef Rolf Dubach hatte Grossmann ebenso die Gelegenheit, eine kurze Ansprache zu halten. «Ich habe mich bei allen bedankt für die vielen wunderschönen Momente, spannenden Führungen im Tunnel und die interessanten Begegnungen mit allen Mineuren und Mitarbeitenden.» Das Amt der Tunnelpatin sei auch immer wieder Thema in ihrem Restaurant gewesen. Dies auch, weil einige Bergleute bei ihr in der «Linde» eingekehrt seien.

Es war ein sehr emotionaler Moment, als ich auf der Weininger Seite stand und gehört habe, wie die Maschinen immer näher und näher kamen, bis dann irgendwann der Sand aus der Wand herausbröselte und die Maschine zum Vorschein kam.

(Quelle: Maya Grossmann, Gubrist-Tunnelpatin aus Weiningen)

Anfang 2018 taufte Grossmann als Zeichen der Verbundenheit das «Metzgerstübli» im Gasthaus in «Gubrist-Stübli» um. «Der Name Gubrist steht normalerweise für Stau und nun aber auch für feines Essen und Gastfreundschaft», sagt Grossmann. Passend also, dass die Gastronomin den Hauptgang für die Feier des Durchstichs lieferte. «Es war wirklich ein toller Anlass», sagt Grossmann. Sie hätte sich nie erträumen lassen, dass sie sich einmal für Tunnelbau interessieren würde. Doch sie habe es vom
ersten Moment an gepackt, sagt die Tunnelpatin. «Seit meinem Amtsantritt fahre ich mit Stolz, Freude
und einem Lächeln durch den Gubrist.»

Erleichterung macht sich in Weiningen breit

Für den Weininger Gemeindepräsidenten Mario Okle (parteilos) ist der Durchschlag der dritten Gubrist-Röhre eine äusserst erfreuliche Nachricht. «Dieser Durchstich ist aufgrund seiner Symbolik für das ganze Nordumfahrungs-Projekt ein kaum zu übertreffender Moment», sagt Okle. Er freue sich wahnsinnig darüber. «Dies auch, weil wir jeden Zwischenschritt, der hinter uns liegt, nicht mehr vor uns haben.» Es sei eine Erleichterung für die Weiningerinnen und Weininger, ist der Gemeindepräsident sich sicher. «Wir können nun etwas durchschnaufen und weiter hoffen, dass wir auf gutem Weg sind, die Zeitpläne eingehalten werden und nichts mehr dazwischen kommt.»

Der Gubrist-Ausbau hält unsere Gemeinde seit rund 20 Jahren auf Trab, seit fünf Jahren wird aktiv gebaut. Für Weiningen hat die Fertigstellung des Projekts und aller flankierenden Massnahmen noch eine viel grössere Bedeutung als der Durchstich selbst.

(Quelle: Mario Okle (parteilos), Weininger Gemeindepräsident)

Im Rebbaudorf sehnt man sich nach dem Ende der Grossbaustelle. «Der Gubrist-Ausbau hält unsere Gemeinde seit rund 20 Jahren auf Trab, seit fünf Jahren wird aktiv gebaut. Für Weiningen hat die Fertigstellung des Projekts und aller flankierenden Massnahmen noch eine viel grössere Bedeutung als der Durchstich selbst», betont Okle. «Irgendwann müssen wir im Dorf wieder zur Ruhe kommen.»

Das Phänomen der omnipräsenten Baustellen sei in den vergangenen Jahren im Bezirk Dietikon prägend gewesen. Sei es im Zusammenhang mit dem Gubrist-Projekt, dem Ausbau des Limeco-Fernwärmenetzes, der Limmattalbahn oder der Erneuerungen der Kantonsstrassen von Weiningen bis nach Oetwil. «Im Limmattal fährt man nur noch von Baustelle zu Baustelle», sagt Okle. Weiningen gehört zu den Gemeinden, die am meisten darunter gelitten hätten, findet der Gemeindepräsident. «Wir warten nun auf Ende 2021. Dann werden die Staatsstrassen und die flankierenden Massnahmen im Weininger Dorf beendet sein.»

Auch alt Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) freut sich über den Durchschlag. Er kämpfte jahrelang für die beste Lösung für Weiningen und erreichte nach einem Streit mit dem Astra vor dem Bundesverwaltungsgericht und dem Bundesgericht, dass das Tunnelportal eine 100 Meter lange Überdeckung erhält und der Halbanschluss 200 Meter Richtung Limmattaler Kreuz verschoben wird.

Der besondere Tag für das Dorf kommt erst noch

«Ich wäre gerne beim Durchstich im Tunnel mit dabei gewesen», sagt Haug. Dass aufgrund der Corona-Pandemie die Feier nun aber in engstem Kreise erfolgte, verstehe er selbstverständlich. «Angesichts der Pandemie war das die einzig richtige Entscheidung», findet Haug. Der besondere Tag für Weiningen stehe ja sowieso noch bevor. «Bedeutend für unser Dorf wird der Tag sein, an dem das Gesamtwerk vollendet ist», sagt Haug. Bis dann werde man hoffentlich auch das Coronavirus in den Griff bekommen haben, sodass dieser Moment gebührend gefeiert werden könne.

120'000 Fahrzeuge pro Tag: Ab Ende 2022 fährt der Verkehr durch die neue dritte Tunnelröhre

Am Dienstag kurz vor 12 Uhr erfolgte der Durchschlag der dritten Tunnelröhre im Gubrist. Der Bau der dritten Röhre ist, neben dem Ende März 2020 abgeschlossenen Ausbau auf sechs Spuren zwischen ­Zürich Affoltern und Zürich-Nord, das wichtigste Element des Gesamtprojekts Ausbau Nordumfahrung.

Der dritte Gubristtunnel ist auch für das Tunnelland Schweiz ein ausser­gewöhnliches Projekt. Denn es gibt in der Schweiz keinen zweiten Tunnel mit einem Ausbruchsdurchmesser von knapp 16 Metern, teilte das Bundesamt für Strassen (Astra) gestern mit. Zum Vergleich: Die Durchmesser der ersten und der zweiten Röhre betragen nur je 11,45 Meter. Anders gesagt: Die dritte Tunnelröhre am Gubrist ist zwar nicht die längste der Schweiz, aber die breiteste.

Fast drei Jahre lang haben bis zu 150 Tunnel-Mineure im Dreischichtbetrieb den gut drei Kilometer langen Tunnel ausgebrochen. Dabei sind sie täglich bis zu sechs Meter vorangekommen und haben weit über eine Million Tonnen Fels abtransportiert. Nach rund 1000 Tagen seit dem Anschlag konnte nun am Dienstag der Durchschlag – der Höhepunkt jedes Mineurs – gefeiert werden.

Ausruhen ist aber noch lange nicht angesagt: Erst 2022 soll die dritte ­Gubrist-Röhre eröffnet werden. Die Staus vor dem Gubristtunnel werden mit diesem Projektmeilenstein aber noch nicht behoben sein. Denn nach dem Durchbruch erfolgt bis Ende 2022 der Tunnel-Innenausbau mit der Erstellung der Fahrbahn und dem Einbau der Betriebs- und Sicherheitsausrüstung. Voraussichtlich Ende 2022 übergibt das Bundesamt für Strassen die ­dritte Röhre des Gubristtunnels dem Verkehr.

Danach ist die Kapazitäts­erweiterung von heute zwei auf drei Spuren in Fahrtrichtung Bern erreicht, während die beiden bestehenden zweispurigen Gubrist-Röhren direkt im Anschluss gestaffelt saniert werden. Der Ausbau der Nordumfahrung Zürich inklusive des Betriebes aller drei Tunnelröhren wird voraussichtlich Ende 2025 abgeschlossen sein. Spätestens dann soll der Gubrist, dieser rund 600 Meter hohe Hügel zwischen Regensdorf und Weiningen, nicht mehr das Nadelöhr der Nation sein.

Heute ist der Gubrist chronisch verstopft. Rund 120000 Fahrzeuge passieren ihn täglich. Die bestehenden beiden Tunnelröhren sind seit 1985 in Betrieb und damit bereits 35 Jahre alt.
Sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Sicherheitsanforderungen, deshalb werden sie saniert, sobald die neue dritte Tunnelröhre fertiggestellt ist. (liz)