Jubiläumskonzert

Singen wie zu den Anfängen: Der Frauenchor Birmensdorf wird 70

Foto um 1953: Frauen- und Töchterchor Birmensdorf (heute Frauenchor Birmensdorf) mit ihrem ersten Dirigenten Walter Iten.

Foto um 1953: Frauen- und Töchterchor Birmensdorf (heute Frauenchor Birmensdorf) mit ihrem ersten Dirigenten Walter Iten.

Der Frauenchor Birmensdorf feiert sein 70-jähriges Bestehen und blickt auf eine spannende Geschichte zurück. Am Sonntagnachmittag werden sie deshalb das Gemeindezentrum Brüelmatt mit Ohrwürmern in Stimmung versetzen.

Die Vorfreude unter den dreissig Sängerinnen des Frauenchors Birmensdorf ist gross: Am Sonntag begehen sie das 70-Jahre-Jubiläum ihres Vereins. Mit Ohrwürmern in verschiedenen Sprachen werden sie an diesem Nachmittag das Gemeindezentrum Brüelmatt in Stimmung versetzen. So singen sie etwa «Thank you for the Music» von Abba oder den Gefangenenchor aus der Oper Nabucco.

 «Wir haben das Glück, englische, französische und italienische Muttersprachlerinnen bei uns im Chor zu haben, die mit uns jeweils an der Aussprache feilen», sagt Maja Rajgl, die seit acht Jahren als Präsidentin des Chores amtet. Nach sechs Monaten der Vorbereitung blicke man im Chor dem Ereignis mit gespannter Erwartung entgegen; ein gewisses Lampenfieber sei spürbar.

Am Jubiläumskonzert will man an die Anfangszeiten anknüpfen. So hat Dirigentin Marie-Louise Wipf ein Lied aus dem ersten Konzert des Chores ausgesucht, das Lied Vaterland, sowie weitere Lieder aus der Gründerzeit. Auf vielfältigen Wunsch der Birmensdorferinnen wirken am Konzert erfahrene Gastsänger aus der Umgebung mit. «In seinen Anfängen veranstaltete der Chor oft gemeinsam mit dem Männerchor Abendunterhaltungen im inzwischen nicht mehr bestehenden Restaurant Sonne», sagt Rajgl. Dort habe man nicht nur gesungen, sondern auch Theater gespielt. Ein paar lustige Einspieler sollen auch dieses Jahr wieder dabei sein.

Es begann im Schulhaus am Bach

Der Birmensdorfer Frauenchor war schon immer ein Kind seiner Zeit. Gegründet wurde er auf Initiative von Emil Hegetschweiler, dem damaligen Präsidenten des Männerchores Birmensdorf, und dessen Dirigenten Walter Iten. Den Verein hoben sie damals unter dem Namen Frauen- und Töchterchor Birmensdorf aus der Taufe, erst später wurde er in Frauenchor Birmensdorf umbenannt.

«An einem schönen Sommerabend im Jahre 1948 fanden sich 21 singfreudige Frauen und Fräuleins im Schulhaus am Bach ein» – so steht es in der Festschrift zum 50. Jubiläum, die Ehrenpräsidentin Margrit Bucher verfasst hat. Unter der Leitung von Iten probten die Sängerinnen damals drei Vaterlandslieder. Emmy Stierli-Bänz schrieb später zum Gründungsprotokoll: «Auf Anhieb kann er bei falschen Tönen nicht schon schimpfen, denn die erste Probe sollte ja auch ein Zückerchen sein.» Eine neue Festschrift werde es erst für das 75-Jahr-Jubiläum wieder geben, sagt Rajgl.

Dirigent verzichtete auf Lohn

Die Nachkriegsjahre waren geprägt von bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Gewerbler und Bauern in Birmensdorf hatten wenig Geld, aber wieder mehr Zeit, nachdem die Männer aus dem Aktivdienst zurückgekehrt waren. Iten verzichtete anfänglich auf einen Lohn vom Frauenchor, der Männerchor übernahm seine Fahrspesen von 100 Franken im Jahr. Beim ersten Konzert zahlte man an der Abendkasse, inklusive der inzwischen abgeschafften Billettsteuer, lediglich 1.65 Franken. Später setzte der Frauenchor den Mitgliederbeitrag für Aktiv- und Passivmitglieder bei 5 Franken an.

Bis 1965 besuchte die Kassiererin noch alle Aktiv- und die bald 150 Passivmitglieder persönlich, um die Jahresbeiträge einzuziehen. War es die prekäre finanzielle Lage von damals, die den Otelfinger Freddy Till anlässlich des letzten Jubiläums zu den Worten veranlassten: «Rückblickend auf die Zeit der Chorgründung, gehörte schon ein gesunder Optimismus dazu, einen Verein dieser Gattung zu gründen?» Darüber kann die jetzige Präsidentin nur spekulieren.

Der Mut sollte sich jedoch auszahlen. Im Sommer 1971 wagte sich der Frauen- und Töchterchor zusammen mit 112 anderen Chören ans kantonale Sängerfest im Klosterdorf Einsiedeln. Prompt holte der Chor die höchste Auszeichnung, den Goldlorbeerkranz. Von dem Ereignis beflügelt, beschlossen die Birmensdorferinnen, dem Verein eine eigene Fahne zu geben: Ein grosser Notenschlüssel auf blauem Grund. Heute hängt diese im Fahnenkasten im Gemeindezentrum und wird kaum noch benutzt. «Teilnahmen an Sängerfesten sind für uns seltener geworden», sagt Rajgl. In den letzten Jahren hat es sich so eingependelt, dass abwechslungsweise ein Unterhaltungskonzert in der Brüelmatt stattfindet oder ein feierliches Konzert in der katholischen Kirche.

Nur eine Bäuerin wird vermisst

m Chor geht es nicht nur musikalisch harmonisch zu und her, sondern auch menschlich. «Die Stimmung in den Proben ist jeweils sehr freundschaftlich und fröhlich, sodass jede gerne den Weg in den Singsaal einschlägt», sagt Rajgl. Eine gesellige Atmosphäre herrscht auch bei den Vereinsausflügen und am Vereinshöck. Dass die Mitgliederzahlen seit Jahren konstant sind, führt sie nicht zuletzt auch darauf zurück. Und darauf, dass man mit der Zeit gehe, das zeige sich an der Auswahl der Lieder oder an den Outfits. «Wir sind ein typischer Dorfverein, gut verankert zwischen Tradition und Gegenwart», sagt sie. Einzig eine Bäuerin vermisse man inzwischen im Chor. Diese seien eher noch im Turnverein zu finden.

Rajgl jedenfalls kann das Mitmachen allen Frauen nur empfehlen: Wer nach einem arbeitsreichen Tag ins Singen geht, der komme erfrischt und munter nach Hause, denn: «Singen ist gesund und hält jung», sagt sie.

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