«Ich bin schon wieder unter Vollgas», sagt Bruno Weibel. Der Urdorfer hat diese Woche in seinem Garagenbetrieb in Birmensdorf viel zu tun. «Ich muss die beiden Tage nachholen, die ich fürs Rennwochenende gebraucht habe», sagt er.

Ein Rennwochenende, das für Weibel mit einer Champagnerdusche endete. Denn zum Auftakt der Formula-Junior-Saison, der Rennserie mit offenen Rennwagen aus den 60er-Jahren, gewann der Urdorfer in Hockenheim gleich beide Rennen. Jeweils 2 Sekunden Vorsprung konnte der amtierende Europameister auf seinen ärgsten Verfolger, den Italiener Pierre Tonetti, herausfahren. Und das, nachdem Weibel im Qualifying sich noch auf Rang 4 und Tonetti sich auf der Poleposition klassiert hatte.

«Im Qualifying war ich mit meinen Rundenzeiten nicht zufrieden», sagt Weibel. Dafür lief es ihm in den beiden Rennen dann umso besser. Im ersten konnte er bereits ein paar Runden vor Schluss an Tonetti vorbeiziehen, im zweiten schaffte er das in der vorletzten Runde. «Das Ziel war es, aufs Podest zu fahren», sagt Weibel. «Aber mit den beiden Siegen hatte ich nicht gerechnet.»

Neu in der Topklasse

Weibels totaler Triumph in Hockenheim ist umso bemerkenswerter, als der Urdorfer in dieser Saison nicht mehr in der Klasse D2, sondern neu in der Topklasse E1 unterwegs ist – und das erst noch in einem anderen Rennwagen: dem Lotus 22. Für Weibel ist mit dem neuen Wagen ein Traum in Erfüllung gegangen. «Ich hatte lange versucht, ein solches Auto zu bekommen, um in der Topklasse zu fahren», sagt der Urdorfer. «Ich habe den Wagen dann von einem guten Freund überlassen bekommen, der das Auto nach Europa gebracht hatte.»

An diesem Auto hat Weibel in den letzten Wochen hart gearbeitet. Er baute unter anderem den Motor ein und überarbeitete die Elektronik. Auch die Sitzposition musste für seine Körpergrösse angepasst werden. Dann folgte noch die Fahrwerksabstimmung. «Es ist alles sehr knapp geworden bis zum Rennwochenende», sagt Weibel. Doch sein Zeitplan ist aufgegangen. Und für seinen Aufwand wurde Weibel nun mit zwei Siegen belohnt. Dem Urdorfer kam dabei entgegen, dass er sich rasch an den neuen Wagen gewöhnen konnte: «Ich fühlte mich eigentlich ziemlich schnell wohl im neuen Auto.»

Schneller als der Lotus 20

Doch worin unterscheidet sich der Lotus 22 im Vergleich zu Weibels früherem Auto, dem Lotus 20, mit dem er in der vergangenen Saison Europameister wurde? «Sportlich ist er eine dramatische Steigerung», sagt Weibel. «Der Lotus 22 hat ein stärkeres Getriebe mit fünf Gängen, die einzeln von Strecke zu Strecke angepasst werden können. Ausserdem verfügt er über Scheibenbremsen, wodurch die Bremsleistung deutlich besser ist. Und auch die Reifen sind breiter.»

Das Wichtigste aber ist die Geschwindigkeit. Der Lotus 22, der äusserlich kaum vom Lotus 20 zu unterscheiden ist, fährt deutlich zügiger durch die Kurven: «Die Rundenzeiten sind vier Sekunden schneller», sagt Weibel. «Das tönt nach wenig, ist aber auf zwei Minuten ziemlich viel, vor allem, wenn man die Distanz in Metern misst.»

Zolder als nächste Station

Weibels Auto ist zwar schneller, dafür ist aber auch die Konkurrenz grösser geworden. «Das Fahrerfeld ist viel stärker als noch in der D2-Klasse», sagt Weibel. «Es ist alles deutlich enger.»

Dennoch konnte Weibel in Hockenheim mit seinem beiden Erfolgen voll überzeugen. Ende Mai stehen dann die nächsten Rennen im holländischen Zolder an. Dort will der Urdorfer wieder mindestens aufs Podest fahren. «Ich fuhr dort vor zehn Jahren zum letzten Mal», sagt Weibel. «Das Streckenlayout habe ich noch im Kopf.» Ein gutes Omen für einen Platz unter den ersten Drei.