Bauen in der Region
Sie wollen die Wohnungspreise auf einem vernünftigen Niveau halten

Eine der zahlreichen Neubauten im Limmattal ist die Stadtsiedlung Reitmen in Schlieren. Der Fokus der Verantwortlichen liegt auf Familien.

Alex Rudolf
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Unter dem Haus auf Stelzen (hier im Rohbau in der Mitte zu sehen) werden sich die Bewohner der Stadtsiedlung Reitmen dereinst treffen.

Unter dem Haus auf Stelzen (hier im Rohbau in der Mitte zu sehen) werden sich die Bewohner der Stadtsiedlung Reitmen dereinst treffen.

ZVG/Dominique Meienberg

Fehlen im Limmattal bald Wohnungen für mittelständische Familien oder alleinstehende Senioren? Fest steht: Laut Statistikern gibt es in den Neubau-Gebieten der Region weniger genossenschaftliche Wohnungen als etwa in Zürich. Dabei hätten Genossenschaften viele Vorteile: Sie verzichten auf Renditen, in ihren Wohnungen wird durchschnittlich länger gewohnt und in ihren Haushalten hat es deutlich mehr Kinder und Paare, wie es von der Stadt Schlieren auf Anfrage heisst. Eine der markantesten Eigenschaften ist jedoch eine andere. «Die gemeinnützigen Wohnbauträger investieren in die Gemeinschaft und bieten Platz für öffentliche Infrastrukturen», sagt die Schlieremer Stadträtin Manuela Stiefel (FDP).

Private und institutionelle Investoren haben das Bedürfnis potenzieller Mieter nach Gemeinschaft und erschwinglichem Wohnraum erkannt. Ein Besuch auf der Baustelle der «Stadtsiedlung Reitmen» in Schlieren zeigt, wie die Anlagestiftungen Turidomus und Adimora auf ein Rezept setzen, das Genossenschaften schon lange so anwenden.

Eines der Ziele war es, die Wohnungspreise auf einem vernünftigen Niveau zu halten. Eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit 88 Quadratmetern ist ab gut 2100 Franken zu haben. «An diesem Standort sind solche Objekte am sinnvollsten. Für Wohnungen in einem höheren Preissegment würde man wahrscheinlich keine Mieter finden», sagt Michel Schneider, stellvertretender CEO von Pensimo sowie Eigentümervertreter der Anlagestiftung Turidomus. Unmittelbar vor der Siedlung wird dereinst zwar eine Haltestelle der Limmattalbahn gebaut, die Parzelle liegt jedoch am äussersten Zipfel von Schlieren West, weitab vom Stadtzentrum.

Küche und Bad bilden Einheit

Damit bewegt man sich am unteren Ende des Preisspektrums für ähnliche Neubauwohnungen in der Region. Im Dietiker Limmatfeld kostet eine 4,5-Zimmer-Wohnung auf rund 100 Quadratmetern 2340 Franken. Eine Wohnung mit gleich vielen Zimmern auf dem Schlieremer Geistlich-Areal von knapp 100 Quadratmetern ist für zwischen 2500 und 2600 Franken zu haben. Doch es geht auch günstiger: Die Baugenossenschaft BEP, die derzeit im Dietiker Limmatfeld rund 150 Wohnungen erstellt, bietet 4 Zimmer auf 84 Quadratmetern für rund 1900 Franken an.

Über die moderaten Preise in der Reitmen-Siedlung, sagt Schneider: «Dies haben wir nicht aus Altruismus gemacht, sondern weil wir in diesem Segment die grösstmögliche Vermietbarkeit für diesen Standort sehen.»

Die Büros Steib und Geschwentner sowie Haerle Hubacher, die für das städtebauliche Konzept wie auch für die einzelnen Gebäude verantwortlich zeichneten, mussten somit nach kreativen Lösungen suchen. So wurde etwa darauf geschaut, Küche und Bad in einem Installationsschacht zu konzentrieren, da so das Verlegen von Leitungen optimiert werden konnte. Weiter wurde auf den Bau einer zweiten Nasszelle verzichtet, WC und Toilette sind durch eine Schiebetüre unterteilt, sodass WC und Dusche unabhängig voneinander benutzbar sind. «Zu den tieferen Baukosten trägt auch der Umstand bei, dass die Wohnungen bezüglich der Fläche eher bescheiden sind», sagt Schneider. Die 4,5-Zimmer-Wohnung hat zwischen 90 und 103 Quadratmeter. Eingespart wurde auch bei der Ausstattung: Die Überbauung wird über Waschküchen und einen Waschsalon verfügen, da nur die grösseren Mietwohnungen eine eigene Waschmaschine haben, erklärt Schneider weiter.

Holzhalle mit flexibler Nutzung

Neben erschwinglichen Wohnungen wollen die Macher der Reitmen-Siedlung ihren Mietern auch ein Gemeinschaftsgefühl bieten. Einerseits steht für die erste Zeit ein Siedlungscoach zur Verfügung. Dieser wird etwa mit der Organisation von Anlässen betraut sein. Andererseits sei auch die Architektur auf einen Austausch unter den Bewohnern angelegt, wie die Kommunikationsverantwortliche Andrea Schafroth erklärt. Im Zentrum der Siedlung wird beispielsweise ein Haus auf Stelzen erstellt. «Die darunterliegende Fläche ist vor der Witterung geschützt und soll zum Verweilen einladen», sagt Schafroth. Weiter wird eine Holzhalle mit flexibler Nutzung erstellt werden. Diese verfügt über sechs Meter hohe Räume und kann durch Schiebefalttüren in sechs Einheiten unterteilt werden. Laut den Machern könne darin eine Sporthalle, ein Lebensmittelladen oder ein Kurszentrum untergebracht werden. Hier befindet sich auch der Gemeinschaftsraum der Siedlung.