Urdorf
Sie unterrichtet Kinder in Nepal: Auf Jeanine Eberles eigene Schule folgt bald ein Kinderheim

Seit knapp einem Monat ist die Primarlehrerin in Nepal. Dort hat sie mit ihrem Freund Amit Bidhyarthi die Schule Junkiri Planet eröffnet, die auch unterprivilegierten Kindern eine Chance gibt.

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Seit knapp einem Monat ist Jeanine Eberle in Nepal.
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Zurzeit besuchen 70 Kinder vom Spielgruppenalter bis zur 6. Primarklasse die Schule Junkiri Planet.
Am 22. November hat die Schule mit einer Kapazität von 200 Kindern eröffnet.
Eberles Strassenhündchen, das erst zwei Monate alt ist, braucht noch viel Aufmerksamkeit.
In Nepal lernen die Kinder schon im Kindergarten lesen und schreiben.
Gemeinsam mit ihrem Freund Amit Bidhyarthi hat Eberle die Schule und das Kinderheim auf die Beine gestellt.
Auf die Schule soll nun schon bald das Kinderheim Sano Prakash folgen. Bis zu 50 Kinder wollen Eberle und Bidhyarthi aufnehmen.
Die Kinder seien sich andere Unterrichtsformen gewohnt, sagt Eberle. So sei ihnen das Aufstrecken und Stillsein noch fremd.
Bereits jetzt leben zwei Kinder mit Eberle und Bidhyarthi. Nachmittags unternehmen sie mit den Jungen etwas oder machen Hausaufgaben mit ihnen.
Wegen Corona dürfen die Kinder in Nepal momentan nur zu 50 Prozent zur Schule gehen.
Momentan stehen noch einige Renovationsarbeiten an der Schule an.
Ihr Nepalesisch ist Jeanine Eberle fleissig am Üben, um bald fliessend sprechen zu können.
Einige Kinder, die sich die Schulgebühr nicht leisten können, besuchen den Unterricht kostenlos. Eberles Schweizer Verein, ebenfalls mit Namen Sano Prakash, unterstützt die Schule finanziell, bis sie sich selber tragen kann.
Das nepalesische neue Jahr und auch das neue Schuljahr beginnen erst im April. Bis dahin sollen die Klassen der Schule nicht allzu gross sein, damit sich alle an den Unterricht gewöhnen können.
Auch in Fächern, die nicht im nepalesischen Lehrplan stehen, erhalten die Kinder Unterricht, zum Beispiel in der Kunst und im Sport.

Seit knapp einem Monat ist Jeanine Eberle in Nepal.

Zur Verfügung gestellt

Die Auswanderung der Urdorferin Jeanine Eberle hat endlich geklappt: Seit dem 13. Dezember befindet sich die 26-jährige Primarlehrerin in Nepal. Dort hat sie mit ihrem nepalesischen Freund Amit Bidhyarthi die Schule Junkiri Planet in Tilottama nahe der Stadt Butwal eröffnet (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Das Kinderheim Sano Prakash soll bald folgen. «Ich lebe mich langsam hier ein», sagt sie.

Zurzeit besuchen 70 Kinder vom Spielgruppenalter bis zur 6. Primarklasse die Schule. Zudem leben bereits jetzt zwei Kinder mit Eberle und Bidhyarthi. Ursprünglich ist geplant gewesen, im Verlaufe dieses Jahres einige Strassen- oder Waisenkinder aufzunehmen. Dass dies nun schon früher geklappt hat, habe sich so ergeben. «Bei beiden handelt es sich nicht um Waisenkinder», sagt Eberle. «Die Familie des einen Jungen lebt in der Stadt und hat wegen seiner Schüchternheit gefunden, es sei besser, wenn er in der Schule lebe.» Bei dem anderen Jungen lebt gleich die ganze Familie in der Schule: Da sie vorher kein Zuhause hatten, haben Eberle und Bidhyarthi der Familie Arbeit und Unterkunft angeboten.

Auch dass bereits 70 Kinder die Schule besuchen, übertrifft Eberles Erwartungen. Seit dem 22. November ist die Schule offen. Und der grosse Anmeldemonat kommt erst noch: Das nepalesische neue Jahr und somit auch das neue Schuljahr beginnen nämlich erst im April. «Die Kinder sind sich unsere Unterrichtsformen nicht gewöhnt, zum Beispiel, dass man aufstrecken und still sein muss», sagt Eberle. «Weil der Unterricht so für alle anstrengend ist, wollen wir im Moment keine zu grossen Klassen machen.» Bis das neue Schuljahr beginnt, will Eberle den Lehrpersonen Vorbereitungszeit geben, bevor die Kapazität der Schule von 200 Kindern langsam erreicht werden soll.

Die Einreise klappte mit einem Trekking-Visum

«Die Reise nach Nepal war relativ kompliziert», sagt Eberle. Wegen Corona sei es momentan schwierig, ein Visum zu bekommen. Eine Ausnahme gelte für Teilnehmer von Trekkingtouren. «Also habe ich einfach ein Trekking-Visum beantragt», sagt sie. Lange habe sie dann nichts gehört, bevor das Visum bewilligt wurde und es hiess, sie müsse innerhalb der nächsten zwei Wochen einreisen. «Es war sehr stressig und mühsam, so schnell noch alles für die Abreise vorbereiten zu müssen», sagt sie.

In Nepal unterrichtet Eberle nicht nur Englisch in den Primarklassen der Schule, sie hat auch ein kleines Strassenhündchen adoptiert. «Es ist erst zwei Monate alt und braucht darum noch viel Aufmerksamkeit», sagt sie. Wegen Corona dürfen Kinder in Nepal zurzeit nur zu 50 Prozent zur Schule gehen. «Am Nachmittag sind wir mit Arbeiten an der Schule beschäftigt, zum Beispiel mit der Aushebung eines Badminton-Feldes oder dem Bau eines Sandkastens», sagt sie. Zudem unternehmen Eberle und Bidhyarthi Aktivitäten mit den beiden Jungen, die bei ihnen wohnen. Von Corona merke man in Tilottama nicht viel: «In der Hauptstadt tragen alle Leute eine Maske. Kaum befindet man sich ein paar Kilometer ausserhalb, interessiert sich aber niemand mehr für Verhaltens- oder Hygieneregeln», sagt Eberle.

«Dass die Nepalesen vieles einfach gemütlicher nehmen, ist teilweise sehr toll, manchmal aber auch störend», sagt Eberle, die momentan fleissig Nepalesisch übt. «Der Alltag ist viel gemütlicher. Man nimmt alles einfach so hin, wie es ist.» Dadurch dauere es viel länger als in der Schweiz, bis Dinge erledigt sind. «Wenn man einen Handwerker bestellt, weiss man nie, wann er erscheint. Ich telefoniere ihnen teils zwei Wochen lang nach», sagt sie. Mit dem Festigen der Sprache will Eberle sich besser integrieren. Die Kinder sprechen mit ihr einfach nepalesisch, was ihr helfe, schnell fliessend reden zu lernen.

Momentan kann sich die Schule noch nicht ganz selber tragen, weil die Kinder nur 50 Prozent der Schulgelder zahlen, die Löhne aber zu 100 Prozent ausbezahlt werden. Einige Kinder besuchen die Schule zudem kostenlos, weil sie sich die Schulgebühr nicht leisten können. «Wahrscheinlich werden wir, sobald die Schule richtig eröffnen kann, die Kosten selber tragen können», sagt Eberle. Bis dahin unterstützt Eberles Schweizer Verein Sano Prakash, für den man unter www.sanoprakash.org spenden kann, die Schule. In Zukunft soll dieser aber hauptsächlich die Kosten der Strassen- und Waisenkinder und der Kinder, die kein Schulgeld bezahlen, decken.

Dass wegen Corona einige Kinder zehn Monate nicht in der Schule waren und keinen Ersatz in Form von Home-Schooling erhielten, bereitet Eberle Sorge. «Das Schuljahr wird nicht repetiert», sagt sie. «Das ist fatal.» Dafür freut sie sich, dass das Zusammenleben in der Schule schon gut funktioniert. Auch die Lehrpersonen und ein Koch wohnen gemeinsam mit Eberle und Bidhyarthi. «Ich hoffe ausserdem, dass schon bald bis zu 50 Strassenkinder mit uns leben werden.»

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