Wahlen 2018 in Schlieren

Sie kämpfen um sieben Sitze: Diese acht Kandidaten wollen in den Stadtrat

Acht Kandidaten machen die sieben Stadtratssitze unter sich aus. (Symbolbild)

Acht Kandidaten machen die sieben Stadtratssitze unter sich aus. (Symbolbild)

In welchen Dossiers waren die Stadtratskandidaten erfolgreich? Was ist ihnen gründlich misslungen? Hier finden Sie das wichtigste über die Leistungsausweise der Anwärter für ein Exekutivamt in der Legislaturperiode 2018 bis 2022 – am 4. März wird gewählt.

Wie bereits bei den letzten Gesamterneuerungswahlen vor vier Jahren stellen sich acht Kandidaten für sieben Sitze in der Schlieremer Exekutive zur Verfügung. Wie damals wollen die Grünliberalen auch dieses Jahr den Sprung in die Exekutive schaffen. Die anstehenden Wahlen vom 4. März jedoch als langweilig oder redundant abzutun, wäre falsch. So bieten sie doch einiges an Spannung. Denn die Wählerinnen und Wähler dürfen auch den Sitz von Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) neu besetzen. Dieser nimmt nach zwei Amtsperioden im Präsidium den Hut. Für das Amt kandidieren die aktuelle Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) und der derzeitige Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP).

Für einen Sitz im Stadtrat kandidieren neben den beiden Präsidiumsanwärtern sämtliche Bisherigen. Dies sind Pierre Dalcher (Sicherheits- und Gesundheitsvorstand/ SVP), Bea Krebs (Schulvorstand/ FDP), Stefano Kunz (Werkvorstand/ CVP), Christian Meier (Sozialvorstand/ SVP).

Neu nominierten die Sozialdemokraten den langjährigen Stadtparlamentarier Pascal Leuchtmann. Er soll den zweiten Sitz der SP verteidigen. Ebenfalls den Sprung in die Exekutive schaffen will der Präsident der GLP-Ortspartei Andreas Kriesi. Er sitzt seit einer Legislaturperiode im Schlieremer Parlament. Der Angriff der GLP gelang vor vier Jahren zwar nicht. Der damalige Kandidat Nikolaus Wyss erreichte das absolute Mehr und schied als Überzähliger aus. Damals erreichten die beiden FDP-Frauen Stiefel und Krebs die besten Resultate, gefolgt von den beiden SP-Männern Bärtschiger und Brühlmann. Kunz, Meier und Dalcher erhielten die wenigsten Stimmen unter den gewählten Exekutivmitgliedern.

Markus Bärtschiger (SP, bisher) kandidiert auch fürs Präsidium.

Markus Bärtschiger (SP, bisher) kandidiert auch fürs Präsidium.

Ressort: Bau und Planung Alter: 55 Zivilstand: Ledig Aktueller Beruf: Lic. oec. publ., Ökonom Lieblingsort in Schlieren: Überall, wo nette Menschen sind.

Markus Bärtschiger (SP/ bisher) blickt auf eine ereignisreiche Legislatur zurück. Der wohl grösste Erfolg gelang im Zentrum. Denn nach dem Parlament sagte auch das Schlieremer Stimmvolk 2016 Ja zum neuen Stadtplatz mit Flügeldach für 8 Millionen Franken. Auf mehr Gegenwind trafen seine Geschäfte in jüngster Zeit. Das Bauprojekte für den Geissweid-Platz und für die Begegnungszone am Bahnhof wurden vom Parlament entweder ganz verworfen oder gestutzt. Mithilfe einer Initiative kann die Geissweid doch noch so, wie ursprünglich von Bärtschiger vorgesehen, realisiert werden.

Ähnliches erhoffen sich Exponenten der SP/Grünen und der GLP für die Begegnungszone am Bahnhof. «Als Bauvorstand sucht man täglich mit vielen Akteuren nach guten Lösungen. Diese zu finden und danach zu bauen, sind immer Erfolge», sagt er. Von seiner Partei wird Bärtschiger als Urgestein der Schlieremer Politik bezeichnet. Vor seinen acht Jahren im Stadtrat, erst als Sicherheits- dann als Bauvorstand, war er rund 20 Jahre im Parlament aktiv. Er präsidierte das Gremium als höchster Schlieremer gar zwei Mal. Nach dem Rücktritt von Rolf Steiner rückte Bärtschiger im vergangenen Jahr in den Kantonsrat nach. Nebst dem präsidiert er auch den Verwaltungsrat des Spitals Limmattal.

Die Wahl in den Stadtrat dürfte für den SP-Politiker beinahe sicher sein, schwieriger wird es bei der Einschätzung einer Wahl zum Stadtpräsidenten. Nebst dem, dass Manuela Stiefel eine starke Gegnerin ist, stellt sich ihm eine weitere Dame in die Quere: die Schlieremer Buche. Zwar wurde Bärtschiger vor vier Jahren mit dem drittbesten Resultat in die Exekutive gewählt, doch kostete ihn der monatelange Kampf um eine Baumrettung wohl viele Sympathien. Dies, obwohl die Buche am Montag um 150 Meter in den Stadtpark versetzt wird und sie somit gerettet sein dürfte. Die Baumfreunde hätten es lieber gesehen, wenn die Linienführung der Limmattalbahn angepasst worden wäre. Bärtschiger erhält jedoch auch viel Zuspruch und wird als krisenerprobter Vermittler gesehen.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Zuerst: Schlieren ist eine tolle Stadt und hat tolle EinwohnerInnen. Somit müssen wir uns nicht immer dauernd schlecht reden (lassen). Verbesserungspotenzial hat man aber immer: Wir brauchen sicherere Fuss- und Velowege, mehr und besser gestaltete Grünräume, eine Kultur des Miteinander statt Gegeneinander. Und mehr Humor schadet auch nicht.»

Pierre Dalcher (SVP, bisher)

Pierre Dalcher (SVP, bisher)

Ressort: Sicherheit und Gesundheit Alter: 56 Zivilstand: Verheiratet Aktueller Beruf: Politiker Lieblingsort in Schlieren: Unser Gartensitzplatz.

Als Pierre Dalcher (SVP/ bisher) 2014 in die Exekutive gewählt wurde und im Anschluss das Sicherheits- und Gesundheitsdepartement übernommen hatte, war die Abteilung inmitten einer Krise. Die Affäre um zwei Schlieremer Polizisten, die 2011 einen Randständigen in den Schrebergärten unweit des Bahnhofs drangsaliert haben sollen, lag lange wie ein Schatten über der Sicherheitsabteilung. Bis schliesslich 2016 der Freispruch folgte. Dalcher bezeichnet die Wiederherstellung eines guten Teamgeists innerhalb des Ressorts nach der Fehlverurteilung als einen seiner grössten Erfolge der vergangenen Legislatur.

Dalcher wurde weiter auf seine Krisenresistenz getestet. Ein offener Brief der Zürcher Jungsozialisten machte die Öffentlichkeit im Sommer 2016 darauf aufmerksam, dass in Schlieren das Konzert eines umstrittenen, kroatischen Rechts-Rockers stattfinden sollte. Dem schob der Sicherheitsvorstand einen Riegel – der richtige Entscheid. Weiter entpuppte sich eine dem Parlament vorgelegte Parkkartenverordnung als Pulverfass. In einer langen Debatte mit zahlreichen Änderungsanträgen zerpflückte das Parlament Dalchers Vorlage, sodass dieser sie zurückzog, um die «Einheitlichkeit der Materie» im Nachhinein zu prüfen.

Dalcher mauserte sich seit seinem Eintritt in den Gemeinderat 1998 zu einem SVP-Schwergewicht. Denn noch vor seinem Eintritt in den Stadtrat wurde er 2011 zum Kantonsrat gewählt. Seine Politerfahrung auf Kantonsebene merkt man ihm auch im Umgang mit dem Schlieremer Parlament an. Er nimmt die Anregungen der Legislative ernst. Etwa im Rahmen der Vorstösse aus der CVP und der GLP – beide handelten von einer Verbesserung der Schulweg-Sicherheit. Dabei muss er als Vermittler zwischen den vom Kanton vorgegebenen Gesetzen und den Wünschen der lokalen Bevölkerung walten – keine einfach Aufgabe.

Bei seiner Wahl 2014 landete er auf dem letzten Platz und distanzierte den damals fast gänzlich unbekannten GLP-Kandidaten Nikolaus Wyss um 240 Stimmen. Gut möglich, dass Andreas Kriesi mit seinen publikumswirksamen Aktionen Wähler mobilisieren kann und einem bisherigen gefährlich nahe kommt.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Einerseits bei der Digitalisierung und andererseits bei der Zusammenarbeit zwischen städtischen und privaten Anliegen.»

Beatrice Krebs (FDP, bisher)

Beatrice Krebs (FDP, bisher)

Ressort: Schule Alter: 51 Zivilstand: ledig Beruf: Stadträtin, Vikariate als Sekundarlehrerin Lieblingsort in Schlieren: Gartensitzplatz an einem lauen Sommerabend.

Als 36-Jährige wurde Bea Krebs (FDP/ bisher) 2002 zur Schlieremer Stadträtin gewählt. Damals war sie jedoch keine Newcomerin, sondern konnte bereits auf zwölf Jahre im Gemeindeparlament zurückblicken. Das Politisieren liegt ihr im Blut. Seit nunmehr elf Jahren steht Krebs der Schlieremer Schule vor. Sie übernahm ein von Unstimmigkeiten geprägtes Ressort. Eines der erklärten Ziele war es, Ruhe in die Schule zu bringen. Dies ist Krebs gelungen, denn aus ihrem Ressort gibt es heute wenige Schlagzeilen. Kritiker könnten argumentieren, dass sogar eine zu grosse Ruhe herrscht.

Ihren grössten politischen Erfolg der vergangenen Legislatur ortet Krebs bei der Einführung des Waldkindergartens, der die Schule bereichere. Aber auch rund um den Bau des Schulhauses Reitmen habe es einen «riesigen Einsatz und Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt» gebraucht. Weniger erfolgreich war Krebs bei den Tagesschulen. Wie sie selber sagt, habe sie dem Parlament nicht aufzeigen können, dass es pädagogisch nicht sinnvoll sei, neben der normalen Schule eine Tagesschule mit anderem pädagogischem Konzept im selben Schulhaus zu führen.

Ihre Wahlchancen sind hervorragend. Anlässlich der Gesamterneuerungswahlen vor vier Jahren erreichte Krebs nach Stiefel das zweitbeste Resultat. Dass Krebs über die Grenzen der Stadt beliebt ist, zeigte sich zuletzt im April 2015. An den Kantonsratswahlen legte der Freisinn um 3,4 Prozent zu und Krebs schaffte den Sprung in die kantonale Legislative. «Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden», liess sie sich damals zitieren.

Nur wenige Monate später, im Dezember desselben Jahres, zeigte sich, dass die Überraschung tatsächlich sehr gross war. Krebs trat aus dem Kantonsrat aus, wegen «Nichtvereinbarkeit des aufwendigen Amtes mit ihrem Engagement als Stadträtin und Schulpräsidentin.» Neben ihrem politischen Engagement führte sie auch ihre Weiterbildung zur Oberstufenlehrerin an der Pädagogischen Hochschule Zürich als Grund für ihren Rücktritt ins Feld. Über ihr Privatleben ist nicht viel bekannt.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Schlieren verfügt über eine Vielzahl von attraktiven Wohnungen und Arbeitsplätzen. Beim lokalen Detailhandelsangebot und im Kulturbereich besteht für mich Potenzial, das man ausnutzen sollte um unsere Stadt für die Einwohner/-innen noch attraktiver zu gestalten.»

Andreas Kriesi (GLP, neu)

Andreas Kriesi (GLP, neu)

Alter: 57 Zivilstand: verheiratet Aktueller Beruf: Geschäftsführer Lieblingsort in Schlieren: Überall dort, wo ich mit der Bevölkerung in Kontakt kommen kann.

Was vor vier Jahren mit Nikolaus Wyss nicht gelang, soll Andreas Kriesi (GLP/ neu) nun richten. Die Rede ist vom Eintritt der Grünliberalen in den Schlieremer Stadtrat. Und die Vorzeichen stehen gut, denn Kriesi arbeitet beharrlich daran, sich und seine Partei in Schlieren bekannt zu machen. Mit der Lancierung der Initiative für eine freie Geissweid vor einem Jahr konnte der 57-Jährige einen Erfolg verbuchen – denn der Ruf nach einer Bebauung mit Wohnungen ebbte im Rahmen der Parlamentsdebatte ab – Ziel erreicht.

Aufmerksamkeit war Kriesi jüngst auch mit der Gründung des Vereins «Visit Schlieren» sicher. Während er von den einen für seine Idee, in Schlieren eine Tourismus-Plattform ins Leben zu rufen, belächelt wurde, konnte er aber auch bekannte Gesichter für den Vorstand gewinnen. Es bleibt abzuwarten, was daraus wird.

Gespür für das, was die Bevölkerung bewegt, bewies er schon früher. So reichte er Ende 2016 eine kleine Anfrage ein, in welcher er vom Stadtrat wissen wollte, ob die Buche im Schlieremer Zentrum nicht in den Stadtpark versetzt werden könnte. Ein Unterfangen, das der Stadtrat damals mit Nein beantwortete, und das nun doch in die Tat umgesetzt wird.

Ein favorisiertes Ressort hat Kriesi im Fall einer Wahl nicht: «Auf jeden Fall will ich als Erstes möglichst rasch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meinem Ressort persönlich kennenlernen, mir einen guten Überblick über die laufenden Geschäfte verschaffen und dann Prioritäten setzten», sagt er auf Anfrage. Seine Prioritäten für die Stadt sind auf seiner Website jedoch umrissen. So will er mit wenig Bürokratie das lokale Gewerbe fördern und Freiräume weitestgehend erhalten.

Nach seinem Zuzug nach Schlieren 2012 habe die Stadt schnell sein Herz erobert, wie er auf seiner Website schreibt. Aktuell ist Kriesi Geschäftsführer für ein Unternehmen, das Werbedrucksachen herstellt. Doch in den 1990er- und Nuller-Jahren lebte er in China, wo er die Dependance eines Reisanbieters aufbaute.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Generell gesehen hat Schlieren das Potenzial sich zu einer Smart City zu entwickeln. Das ist noch ein Schritt weiter als Energiestadt. Smart City ist die Stadt der Zukunft, bei der mittels Technik und Vernetzung Verbesserungen von Lebensqualität und Umwelt erzielt werden. Ansonsten liegt auch im Gaswerkareal noch sehr viel Potenzial verborgen.»

Stefano Kunz (CVP, bisher)

Stefano Kunz (CVP, bisher)

Ressort: Werke, Versorgung und Anlagen Zivilstand: verheiratet Alter: 54 Aktueller Beruf: Geschäftsführer Lieblingsort in Schlieren: Sunnebänkli / Alter Reitplatz.

Die dramatische Gemeinderatssitzung vom Sommer 2016 wird Stefano Kunz (CVP/ bisher) wohl noch lange in den Knochen gesteckt haben. Weil Gegner und Befürworter eines Zusatzkredits von 230'000 Franken für den Bau einer Skateanlage im Zelgliquartier auf je 15 Stimmen kamen, hatte der damalige Parlamentspräsident Daniel Tännler den Stichentscheid zu fällen und er versetzte der Freizeitanlage mit seinem Nein den Todesstoss.

Das 2010 an die Jugend gemachte Versprechen eines Skateparks konnte die Stadt somit nicht halten. «Das bedaure ich noch heute. Ich habe aber gelernt, dass solche Misserfolge ein Teil unseres demokratischen Systems sind und nicht als persönliche Niederlage gewertet werden dürfen», sagt Kunz heute über das von Christian Meier geerbte Dossier. Für die kommende Legislatur wünscht er sich, dass der Gemeinde- dem Stadtrat mehr Vertrauen entgegenbringt.

Als seinen grössten politischen Erfolg verbucht Kunz das Ja des Parlaments zur Neugestaltung des Spielplatzes Schönenwerd im Wert von 420'000 Franken. Dabei sei dies mehr als gut investiertes Geld, sagte er bei der Einweihung. In seiner bislang vierjährigen Amtszeit hatte er eher schlechte Nachrichten für die Parlamentarier aus den Reihen der FDP und des Quartiervereins. Nach dem Nein zum Skatepark gab es nämlich Bestrebungen auf dem Schlieremer Berg einen Seilpark oder einen Bike-Trail zu erstellen. Aussichtslose Unterfangen, wie sich herausstellte.

Einmal gab es Kritik von ausserhalb der Stadt. Sein Uitiker Amtskollege kritisierte Kunz öffentlich an einer Gemeindeversammlung für seine passive Haltung in Sachen Ortsbusverlängerung nach Schlieren. Am Schluss fand man sich. Der Ortsbus hält nun zusätzlich an der Kampstrasse, was den dortigen Einwohnern das Stadtzentrum näherbringt. 2010 trat Kunz ins Parlament ein und wurde Präsident der örtlichen CVP. Er lebt seit 2001 in Schlieren, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Schlieren pflegt aus meiner Sicht einen guten Pragmatismus und oft eine gesunde Zurückhaltung. Trotzdem dürfen / sollen die Interessen von Schlieren noch dezidierter vertreten werden. Und bezüglich der Stadtgestaltung hat Schlieren noch viel Potenzial. Mit der Neugestaltung der Ringstrasse wird ein erster grosser Schritt getan, es braucht aber noch wesentlich mehr davon.»

Pascal Leuchtmann (SP, neu)

Pascal Leuchtmann (SP, neu)

Alter: 61 Zivilstand: In fester Partnerschaft, zwei erwachsene Kinder Aktueller Beruf: ETH-Dozent und Forscher für elektromagnetische Felder Lieblingsort in Schlieren: Am Samstagvormittag das Märtkafi, bei schönem Wetter der Schlieremer Berg.

Seit 12 Jahren lebt Pascal Leuchtmann (SP/ neu) in Schlieren und ist aus der hiesigen Politik kaum mehr wegzudenken. Bereits davor war er politisch aktiv und stand der SP des Bezirks Affoltern am Albis vor. Während den vergangenen siebeneinhalb Jahren sass er für die SP im Gemeindeparlament und diente als Fraktionschef, Präsident der Geschäftsprüfungskommission und als Parlamentspräsident.

«Tritt der promovierte Elektroingenieur und ETH-Dozent im Parlament ans Rednerpult, hören auch die politischen Gegner zu», schrieb die SP Schlieren im Oktober in einer Mitteilung, als die die Kandidatur Leuchtmanns bekannt gab. Damit hat sie recht, denn Leuchtmann ist ein aktiver Teil des Schlieremer Parlaments, der die Gemeindeordnung genauso gut kennt, wie seine eigenen Geschäfte. So spielte er eine tragende Rolle bei der erfolgreichen Geissweid-Initiative, wie auch bei der Initiative für eine grosse Begegnungszone am Bahnhof Schlieren.

Der Perfektionismus, der Leuchtmann nachgesagt wird, schlug sich nicht in der Parkkartenverordnung nieder. Die Vorlage von Sicherheitsvorstand Dalcher wurde von der Geschäftsprüfungskommission – Leuchtmann als Mitglied war massgeblich beteiligt – abgeändert und schliesslich vom Stadtrat zurückgezogen. «Jetzt dürfen wir kreativ sein und die Abläufe zwischen Parlament und Stadtrat optimieren, damit so etwas nicht mehr passiert», sagt Leuchtmann.

Als Sprecher seiner Fraktion kämpft Leuchtmann im bürgerlich dominierten Gemeinderat oft gegen Windmühlen. Seine flammenden Voten für oder gegen eine Vorlage, etwa gegen die Verschärfung der Arztzeugnis-Praxis bei Sozialhilfeempfänger, bleiben zwar in Erinnerung, führen jedoch oftmals nicht zum Erfolg.

Der Zusammenarbeit zwischen dem Parlament und dem Stadtrat in den vergangenen vier Jahre würde er auf einer Schulnotenskala eine «befriedigende» 4 geben: «Der Stadtrat erhält Noten zwischen 2.5 und 5.5, je nach Differenz zwischen Wort und Tat. Die einzelnen Parlamentsmitglieder zwischen 2 und 5.8 für das teilweise überrissene Misstrauen», so Leuchtmann.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Ich denke dies ist bei den Velowegen, bei der Zentrumsgestaltung und bei den Tagesstrukturen in der Schule der Fall.»

Christian Meier (SVP, bisher)

Christian Meier (SVP, bisher)

Ressort: Alter und Soziales Zivilstand: Geschieden Alter: 56 Aktueller Beruf: Bio-Landwirt Lieblingsort in Schlieren: Zu Hause auf dem Bauernhof.

«Ich bin kein Hardliner, sondern ein Vertreter der moderaten SVP», sagte Christian Meier (bisher) im Vorfeld seiner Wahl in den Stadtrat 1998. Mit Abstand ist er der amtsälteste Magistrat Schlierens und steht dem Ressort Alter und Soziales vor. Der 56-Jährige ist ein Mann, der ohne Schnörkel auskommt. Mit wenigen Worten drückt er sich aus, verzichtet auf lange Ausführungen und auf Selbstdarstellung. Auch zielt er stets auf pragmatische Lösungen ab. Dies kommt seinem Ressort Alter und Soziales zugute, das er vor vier Jahren übernahm. Zuvor war Meier Werkvorstand und hinterliess seinem Nachfolger, Stefano Kunz, eine Kampfzone mit den Anwohnern des Zelgli-Quartiers, die sich – schliesslich – erfolgreich gegen einen Skatepark wehrten.

Sein Pragmatismus zeigte sich etwa beim vom Parlament verlangten «Sterbezimmer» im Alterszentrum Sandbühl, das er einbauen liess, oder bei den Querelen um ein gemeinsames Gebäude für Alterszentrum und Stadtsaal. Er liess sich nicht aus der Ruhe bringen. Den Wettbewerbskredit für die neue Alterseinrichtung brachte er an der Seite von Manuela Stiefel ins Trockene.

Auch die Suche nach einem Pächter für das Restaurant Mühleacker dürfte ihm Kopfzerbrechen bereitet haben – zumal dort die Mahlzeiten für die Bewohner der gleichnamigen Alterswohnungen zubereitet werden. Mit einer kreativen Zwischenlösung – die Sandbühl-Küche versorgte die Betagten – konnte die Zeit bis ein neuer Pächter gefunden war, überbrückt werden.

Seinen Kadermitarbeitern lässt Meier grossen Gestaltungsspielraum – bislang hat sich dies ausgezahlt. Da das Ressort Alter und Soziales mit kompetenten und kreativen Köpfen ins Auge sticht.

Spricht Meier, wird er gehört – auch über die Grenzen Schlierens hinaus. Zuletzt im Vorfeld der Abstimmung zur Änderung des Sozialhilfegesetztes, als sich die beiden Sozialvorstände der Städte Zürich und Winterthur mit Meier anlegten. Von ihm gemachte Aussagen seien falsch, sagten sie. Meier liess sich davon nicht beeindrucken, die Mehrheit der Zürcher Stimmbürger tat es ihm gleich und nahmen die Änderung an, die von der Linken bekämpft wurde.
Abseits seines Lebens in der Politik tut sich auch einiges. Der Bauer hatte im vergangenen Jahr seinen letzten Auftritt am Schlieremärt.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Bei den vielen Neubauprojekten könnten noch mehr Gegenleistungen der Bauherren zugunsten der Stadt ausgehandelt werden.»

Manuela Stiefel (FDP, bisher) kandidiert auch fürs Präsidium.

Manuela Stiefel (FDP, bisher) kandidiert auch fürs Präsidium.

Ressort: Finanzen und Liegenschaften Zivilstand: seit 31 Jahren verheiratet Alter: 57 Aktueller Beruf: Primarlehrerin Lieblingsort in Schlieren: je nach Stimmung ist mein Lieblingsort – mal hier, mal dort.

Dass Manuela Stiefel (FDP/ bisher) kein Mikrofon braucht, wenn sie vor Publikum spricht, ist ebenso bekannt, wie das Böckli, das sie bei ihren Voten im Schlieremer Parlament besteigt. Die Primarlehrerin ist ein Energiebündel und packt alles mit 100-prozentigem Einsatz an. Ihre Überzeugungskraft führt sie oft zum Erfolg.

Die Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin durfte der Schule Schlieren etwa das brandneue 75-Millionen-Schulhaus Reitmen übergeben. «Dass wir deutlich unter dem gesprochenen Kredit abschliessen, ist das ‹Tüpfli auf dem i›», sagt die gebürtige Birmensdorferin. Den Planungskredit für das neue Alterszentrum vertrat sie ebenso energisch wie jenen für den neuen Stadtsaal. Bei letzterem kommt es wegen eines Referendums zum Urnenentscheid am 4. März. Dann will sich Manuela Stiefel auch zur neuen Stadtpräsidentin wählen lassen. Dabei darf sie auf die Unterstützung der bürgerlichen Parteien Schlierens (BPS) zählen.

Nicht nur darum stehen ihre Chancen auf einen Sieg gut. In den vergangenen Jahren wählte Schlieren stets seinen Finanzvorstand zum Stadtpräsidenten. Zudem: Stiefel könnte als zweite Frau nach Rita Geistlich (FDP) als Stadtpräsidentin in die Geschichte eingehen. Der anstehende Wahl- und Abstimmungssonntag wird also aus zweierlei Sicht zum Schicksalstag für die 57-Jährige.

Misserfolge, die Stiefel anhaften, muss man lange suchen. Genannt werden dürfte wohl der Antrag auf Pacht des Salmen, der im Parlament zerpflückt wurde. Er wurde als schlecht verhandelt tituliert und die Stadt werde mit dieser Lösung über den Tisch gezogen. So zieht sich die Stadt aus dem Traditionslokal zurück und wird am 12. Februar die erste Gemeinderatssitzung im Schulhaus Reitmen abhalten. Aus dieser Niederlage macht Stiefel jedoch einen Erfolg: Sie zeigt, dass sie nach vorne schaut, sich von Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen lässt und treibt das Stadtsaal-Projekt voran. Zuletzt an einer Infoveranstaltung diese Woche. Gut hörbar, ohne Mikrofon.

In welchen Bereichen hat Schlieren sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

«Die grosse Herausforderung ist unsere «Innenpolitik». Das dynamische Wachstum schürt Ängste, denen wir nur mit Vertrauen in die städtische Politik begegnen können, diese Glaubwürdigkeit hat gelitten. Eine Polemik «Beton contra Grünfläche» verhindert ein Miteinander. Menschen, die gerne hier leben, erreichen zusammen Grosses. Das ist unser Potenzial.»

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