Haarverlust, Hautveränderungen, Übelkeit, Schwäche. Die Folgen einer Chemotherapie sind für Krebspatientinnen spür- und sichtbar. Damit sich die Frauen besser fühlen, werden im Spital Limmattal nun schon im zweiten Jahr kostenlose Beauty Workshops angeboten. Dabei erhalten die Patientinnen Anleitungen für die Hautpflege und das Make-up.

«Die Kurse haben einen äusserst positiven Einfluss auf das Wohlbefinden meiner Patientinnen. Deshalb habe ich mich vor zwei Jahren dafür eingesetzt, dass wir mit der Stiftung ‹Look Good Feel Better› zusammenarbeiten und die Kurse auch bei uns im Spital stattfinden», sagt Katharine Röthlisberger.

Sie betreut seit sieben Jahren Brustkrebspatientinnen im Brustzentrum im «Limmi» und nahm das Angebot 2018 ins Veranstaltungsprogramm auf. Zuvor mussten interessierte Patientinnen die Workshops im Triemli Spital oder im Universitätsspital in Zürich besuchen.

Die Stiftung «Look Good Feel Better» führt seit 13 Jahren an über 50 Kliniken und Spitälern in der Schweiz kostenlose Kurse für Krebsbetroffene in medizinischer Behandlung durch. «Die Therapien von Krebspatientinnen und -patienten können das Hautbild verändern und der Verlust der Haare, der Brauen und Wimpern können das Aussehen stark beeinträchtigen», sagt Erika Baumann von «Look Good Feel Better». Das könne zu grosser Verunsicherung führen.

«Unser Ziel ist, das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl der Patientinnen zu stärken und ihnen zu zeigen, wie man mit einfachen Mitteln den sichtbaren Spuren der Behandlung entgegenwirken kann», sagt Baumann. Sie engagiert sich seit 2006 ehrenamtlich für die Stiftung und ist Teamleiterin und Programm Managerin in der Deutschschweiz.

Augenbrauen nachzeichnen

Im Kurs lernen die Teilnehmerinnen wie sie etwa Augenbrauen nachzeichnen können oder wie man die durch die Therapie sehr trockene und gerötete Haut pflegen kann. Dazu erhalten die Patientinnen eine Geschenktasche mit 13 Kosmetikprodukten, die sie im Kurs benutzen und dann mit nach Hause nehmen können. «Natürlich können die Frauen auch ihre eigenen Kosmetik-Artikel mitbringen und diese im Kurs verwenden», sagt Röthlisberger.

Nicht nur die Tipps und Tricks stehen im Zentrum des zweistündigen Kurses. «Es soll die Patientinnen auch für ein paar Stunden den schwierigen Therapiealltag vergessen lassen», sagt Baumann. Der gegenseitige Austausch der Betroffenen spiele eine wichtige Rolle, ist sich Röthlisberger sicher. «Man kann etwas Schönes miteinander erleben. Das ist ein moralischer Aufsteller für viele.»

Die Atmosphäre an den Anlässen sei jeweils gelöst und heiter. Die anfängliche Skepsis verwandle sich in Begeisterung. «Am Anfang kommen die Teilnehmerinnen mit ihren Perücken zum Workshop. Irgendwann fühlen sich viele so wohl, dass sie sie ablegen», sagt die Breast Care Nurse.

Zwei Mal jährlich finden die Workshops statt. Der nächste am 21. März. Was Röthlisberger ein bisschen Sorgen bereitet, ist die Teilnehmerzahl. «Bisher haben sich nur drei Frauen angemeldet», sagt sie. Ideal wären zehn bis zwölf Teilnehmerinnen. «Den letzten Kurs besuchte nur eine Person. Wenn das so weiter geht, können wir den Anlass nächstes Jahr nicht mehr im ‹Limmi› organisieren. Der Aufwand wäre zu gross», sagt Röthlisberger. Sie hoffe aber sehr, dass sich das Blatt noch wende.

An anderen Kliniken und Spitälern seien die Kurse gut besucht, sagt Röthlisberger. Wieso das im Spital Limmattal nicht der Fall ist, kann sie sich nur schwer erklären. Einzig, dass zwei Kurse pro Jahr wohl etwas zu wenig seien, oder zeitlich zu weit auseinander liegen würden. «Wenn jemand die Therapie im Dezember beendet und der nächste Workshop erst im März stattfindet, besucht die Patientin den Kurs eher in einem anderen Spital», sagt Röthlisberger.

Deshalb überlegt sie sich, ob noch ein weiterer Termin angeboten werden soll. «Es wäre wirklich schade, wenn wir damit aufhören müssten. Der Workshop fördert die Lebensfreude und den Lebensmut der Patientinnen und leistet somit einen Beitrag zum Heilungsprozess.