Mit aufgesetzter Fechtmaske ist sie nur schwer zu erkennen. Doch es ist tatsächlich Fiona Hatz, die auf dem grossflächigen Plakat vor der Saalsporthalle in Zürich eine Gegnerin mit dem Degen herausfordert. Die beiden Fechterinnen bewerben die am Wochenende stattfindenden U17- und U20-Schweizer-Meisterschaft. «Jetzt habe ich es sogar auf die offizielle Werbung geschafft», sagt Hatz und lacht.

Die Aescherin freut sich aber noch viel mehr über die Tatsache, dass die Schweizer Meisterschaften dieses Jahr in der Saalsporthalle durchgeführt werden. Denn diese ist nur ein paar Schritte von dem Raum entfernt, wo Hatz und ihre Kolleginnen vom Zürcher Fechtclub jeweils trainieren. «Es ist cool, dass die Meisterschaft hier stattfindet», sagt die 19-Jährige. «Sonst sind die Turniere immer so weit weg. Jetzt können endlich auch mal meine Kolleginnen kommen und zuschauen.»

Und sie können am Sonntag dann sehen, ob sich das harte Training bezahlt gemacht hat. Sieben Mal trainiert Hatz wöchentlich, vor zwei Wochen war die Intensitätsstufe am höchsten. Zum Abschluss sei es mehr um die Qualität gegangen. Eine spezielle Vorbereitung gebe es allerdings nicht. Dazu könnte auch die Zeit womöglich nicht reichen. Hatz absolviert ein arbeitsintensives Architekturstudium. Nebenbei, wie sie sagt. «Das Fechten hat für mich Priorität.» Für Hatz bedeutet die Schweizer Meisterschaft auch der Abschluss einer Saison, die für die 19-Jährige zwiespältig verlaufen ist. Wegen eines Bruchs ihrer starken linken Hand musste sie drei von vier Weltcups aussetzen.

Beinarbeit verbessert

Dennoch konnte Hatz sich für die Welt- und Europameisterschaft qualifizieren. Und dort trumpfte sie im Teamwettkampf gross auf: An der U20-EM in Italien im März holte sie den siebten Platz, an der U20-WM in Polen gewann ihre Mannschaft im April in Polen sogar die Bronzemedaille. «Das war toll», sagt sie. «Wir haben als Team zum ersten Mal überhaupt eine Medaille gewonnen.»

Eine Medaille, die sie nicht erwartet hatte. Vor allem nicht nach dem Handbruch. «Ich habe während der Verletzung viel nachgedacht und analysiert», sagt sie. «Und ich habe trotzdem trainiert, aber stattdessen einfach viel Beinarbeit gemacht. Da habe ich Fortschritte erzielt.» Dass sie dann trotz des eingeschränkten Trainings eine Medaille gewinnen konnte, habe ihr viel Selbstvertrauen gegeben: «Ich lasse mich jetzt nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen.»

Fiona Hatz (Zweite von links) gewann mit den Schweizer U20-Frauen WM-Bronze.

Fiona Hatz (Zweite von links) gewann mit den Schweizer U20-Frauen WM-Bronze.

An der Schweizer Meisterschaft wird am Sonntag allerdings im Einzel gekämpft. Und ironischerweise könnte Hatz just gegen jene kämpfen, mit denen sie zuvor gemeinsam die Medaille gewann. «Wir sind dann Konkurrentinnen», sagt sie. «Aber das macht nichts, die Stimmung an Schweizer Meisterschaften ist meist entspannt, da sie für keine Qualifikation zählt. Man kann also befreit fechten.»

Hatz will unter die Top 3

Das bedeutet aber nicht, dass Hatz nicht gut abschneiden will: «Man ist natürlich trotzdem ehrgeizig.» Und was erwartet sie für einen Rang? «In den beiden letzten Jahren wurde ich Dritte», sagt sie. «Ich würde mich gerne steigern. Aber ich bin nicht so sehr auf ein Resultat fixiert», sagt sie. «Denn beim Fechten kann alles Mögliche passieren.» Klar ist aber, dass sie sich wieder unter den besten drei klassieren will.

Und es wäre ein schöner Abschluss für Hatz. Denn es wird ihr letzter Wettkampf auf Juniorenstufe sein. Ab nächstem Jahr startet sie bei den Senioren. Trotzdem wird dann aber nicht alles neu für sie sein. «Bei denen habe ich auch schon gefochten», sagt sie. «Es ist eine Umstellung, denn der mentale Aspekt spielt eine grosse Rolle.» Bevor sie sich dieser Herausforderung stellt, möchte sie aber nochmals bei den Juniorinnen brillieren – vor ihrem Heimpublikum.