Während die Besucher vor der Kirchentür auf Einlass warten, ordnet Gerhard Eichinger, Präsident des Ökumenischen Singkreises Birmensdorf Aesch, in der Sakristei ein letztes Mal seine Blätter. Nach den Sommerferien begannen die Proben, im Herbst stiessen noch gut zehn Zuzügerinnen und Zuzüger zum Chor. Am Sonntagabend war es dann endlich so weit: Der Singkreis trat in der reformierten Kirche Birmensdorf auf.

«Nach Monaten des Vorbereitens ist das Konzert das Dessert», wirft Sopran-Sängerin Brigitte Graf ein und streicht sich eine Falte aus dem Kleid. Emotional werde sie, wenn das Publikum in den Gesang einstimme. Dann müsse sie sich auf die Dirigentin konzentrieren, um nicht loszuweinen. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: «Das ist der Geist von Weihnachten.»

In Begleitung einer einzelnen Klarinette ziehen die Sänger in die Kirche ein. Der Blick schweift nach oben zur Dekoration der Empore: Mit Glitzer bedeckte Edelweisse aus Pappe, eher ungewöhnlich für die Jahreszeit. Doch der Gedanke dahinter wird bald klar. Das Programm kombiniert weihnachtliche Klassiker mit der – wie Graf sagt – «ländlichen» Toggenburger Messe des Schweizer Komponisten Peter Roth. So folgt auf «O du fröhliche» etwa Roths Himmel jauchzendes Stück «Sanctus».

Peter Roths Toggenburger Messe (Sanctus), gesungen vom Ökumenischen Singkreis Birmensdorf Aesch, 10.12.17

Peter Roths Toggenburger Messe (Sanctus), gesungen vom Ökumenischen Singkreis Birmensdorf Aesch, 10.12.17

 

Schaurig schön

Die Stücke reihen sich wie Kerzen, die aufeinanderfolgend angezündet werden. Zum «Engelschor» – dem Leitmotiv des Konzerts – interpretieren der Chor und das Streicher-Ensemble Schätze aus der Feder Felix Mendelssohn Bartholdys. Wie sie den sphärischen Kolorit in «Morgengebet» und «Wirf dein Anliegen auf den Herrn» zum Klingen bringen, ist grosse Kunst. Besonders schön: Die instrumentale Hauptperson des Stücks ist oftmals das Hackbrett, dessen Stimme Rainer Walker meisterhaft aufleben lässt. Für die Zuhörer hat sich der Aufwand gelohnt, die 81 Stufen hoch zur reformierten Kirche im vor dem Konzert herrschenden Schneegestöber zu erklimmen.

Die Solisten Ronja Bosshard und Tobias Schmid laufen zur Höchstleistung auf. Mal verkörpern sie sehr irdische Engel, die sich mit dem Chor verbünden, mal lösen sie sich von ihm, um den Sprung in eine verklärte, jenseitige Welt zu schaffen. Dirigentin Rosetta Roth Bieder lädt das Publikum immer wieder beherzt zum Mitsingen ein. Etwa zu «Stille Nacht» oder «Es ist ein Ros entsprungen». Aus 42 Stimmen werden plötzlich Hunderte. Kein Wunder läuft einem, obwohl es warm ist in der Kirche, gelegentlich ein Schauer über den Rücken.

Nach dem letzten Klang wird die Darbietung mit anhaltendem Applaus honoriert. Als «magisch» beschreibt Anne Ferrari aus Birmensdorf hernach das Erlebnis. Auch Roth Bieder zeigt sich zufrieden: «Alle haben ihr Bestes gegeben.» Draussen hat mittlerweile der Regen eingesetzt. Es scheint, als hätten die vereinten Stimmen den Schnee zum Schmelzen gebracht.