Mobilität
Self-e: Die VBZ testen den selbstfahrenden Elektro-Bus

Die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) testen die Zukunft: Nach verschiedenen anderen Schweizer Städten startet nun auch Zürich einen Versuch mit einem selbstfahrenden Bus. Der Shuttle Self-e wird in den kommenden zwei Wochen auf dem VBZ-Areal in Zürich-Altstetten unterwegs sein und könnte schon in wenigen Jahren als Quartierbus anrollen.

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Der Self-e während einer Probefahrt auf dem Areal der VBZ-Zentralwerkstatt in Zürich-Altstetten.

Der Self-e während einer Probefahrt auf dem Areal der VBZ-Zentralwerkstatt in Zürich-Altstetten.

Matthias Scharrer

Was die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) als «Zukunft der Mobilität» anpreisen, rollt mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Stundenkilometern aus der VBZ-Zentralwerkstatt in Zürich-Altstetten. Es ist ein Kleinbus mit zwölf Sitzplätzen, der sich selber steuern kann. Während zweier Wochen führen die VBZ damit ab dem 12. Februar Testfahrten auf dem Areal der Zentralwerkstatt durch. Gestern präsentierten sie das Zukunftsmobil den Medien. Sein Name sei Self-e, erklärte VBZ-Direktor Guido Schoch.

Self-e ist mit Sensoren ausgestattet, die es ihm ermöglichen, selbstständig zu lenken und zu bremsen. Er fährt auf einem vorprogrammierten Kurs mit fünf Haltestellen auf dem VBZ-Areal. Sicherheitshalber ist noch ein VBZler an Bord, der den Self-e notfalls per Joystick stoppen kann. Was Self-e nicht kann: mit Passanten kommunizieren. Das müsste dereinst wohl über eine App funktionieren, erklärt der VBZler.

«Sharing» als Zukunftstrend

Die Industrie sei punkto selbstfahrende Fahrzeuge noch am Üben, sagt Andreas Uhl, Leiter Innovationsmanagement bei den VBZ. Doch er gibt sich überzeugt: 2021 werde das autonome Fahrzeug da sein, das ohne Eingriff des Fahrers fährt. Laut VBZ-Direktor Guido Schoch könnte es dereinst als Quartierbus auf wenig frequentierten Strecken nach dem Rufbus-Prinzip zum Einsatz kommen. Oder in ländlichen Gegenden, wo heute alle zwei Stunden ein fast leerer Bus herumkurve.

«On demand» – zu deutsch: auf Nachfrage – ist das Zauberwort. Und: «Sharing», also teilend zu fahren. «Sharing und selbstfahrende Fahrzeuge werden ein Trend der Zukunft sein», sagt Schoch. «Die Grenze zwischen öffentlichen und privatem Verkehr verwischt sich damit.»

Uhl rechnet damit dass schon in «fünf, zwei, vielleicht auch zehn Jahren» Fahrzeuge nach Self-e-Art auf Zürichs Strassen unterwegs sein werden. In Sitten (VS) läuft seit Sommer 2016 ein Versuch mit einem selbstfahrenden Postauto-Shuttle. Und die Schaffhauser Verkehrsbetriebe starten im März Fahrten mit Self-e auf der letzten Meile von Neuhausen zum Rheinfall.

Die VBZ haben sich Self-e, der neu inklusive Software-Updates 400'000 Franken kostet, vorher noch rasch ausgeliehen für ihre Testfahrten. Bei diesem zukunftsträchtigen Thema wolle man dran bleiben, so Uhl. 20 Arbeitsgruppen der VBZ seien rund um die Testfahrten gruppiert.

Unterwegs zur «Smart City»

Auch Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sagt bei der Präsentation von Self-e in der Zentralwerkstatt ein paar Worte. «Unser kleiner, herziger Self-e», nennt sie das Fahrzeug. Es sei Teil der Entwicklung hin zur Smart City, die Zürich anstrebe. Mauch nennt weitere Beispiele dafür: Die Stadt führte den E-Umzug ein, der beim Zügeln den Meldegang aufs Kreisbüro ersetzt. Zudem könne man an den Parkuhren bald mit dem Smartphone bezahlen. Und sie verspricht: «Bis Ende Jahr erarbeiten wir eine Smart-City-Strategie.»