Schwertkampf

Sechs Limmattaler wollen gut abschneiden

Leo Wildermuth wird beim Training von Ralf Sommerfeld (hinten) beobachtet. msu

Leo Wildermuth wird beim Training von Ralf Sommerfeld (hinten) beobachtet. msu

In der Halle Shim Sang Dojang in Dietikon bereiten sich sechs Limmattaler auf die Kampfkunst-Olympiade vor. Insgesamt werden sich 40 Kämpferinnen und Kämpfer aus der Schweiz an der Mulimpiade in Köln messen.

«Hana! Dul! Set! Net! Desot! Yeseot!», zählt Ralf Sommerfeld laut auf Koreanisch. Seine Schüler, drei Männer und ein Mädchen, absolvieren dazu diverse Aufwärmübungen: Sie springen, sie machen Liegestütze, Sit-ups, beugen sich auf dem Bauch mit Armen und Beinen nach oben.

Die Schüler und ihr Lehrer sind in der Halle des Shim Sang Dojang in Dietikon. An dieser Schule wird Haidong Gumdo unterrichtet, die koreanische Kunst des Schwertkampfes. Sie umfasst Disziplinen wie den Papierschnitt, bei dem ein aufgehängtes Blatt Papier mit dem Schwert gedrittelt wird. Oder die Schwertformen, eine Abfolge von Angriff und Verteidigung.

In beiden Disziplinen werden die vier Schüler, die an diesem Abend trainieren, zusammen mit einem weiteren Kämpfer und ihrem Lehrer am Samstag in Köln antreten, wo die Kampfkunst-Olympiade stattfindet. Diese wird zum ersten Mal in Europa ausgetragen und umfasst neben Haidong Gumdo auch andere Kampfsportarten wie Karate und Taekwondo.

Insgesamt 40 Kämpferinnen und Kämpfer aus der Schweiz nehmen an der Kampfkunst-Olympiade, der sogenannten Mulimpiade, teil – darunter eben die fünf von der Dietiker Schule plus Ralf Sommerfeld.

Der 36-Jährige hat in seiner zwölfjährigen Karriere als Schwertkämpfer schon bei diversen internationalen Wettkämpfen mitgemacht. Bei den Gruppendisziplinen konnte er einmal Gold und einmal Bronze ergattern, zudem gewann er einmal Gold im Einzelwettkampf bei einer Europameisterschaft. Bei Weltmeisterschaften stand er zweimal im Halbfinal. Besonders die Weltmeisterschaften, die fast immer in Korea stattfinden, seien sehr eindrucksvoll. «Da sind mehrere tausend Zuschauer dabei», schwärmt Sommerfeld.

Allerdings können solche Wettkämpfe auch an den Nerven zehren. Sommerfeld erinnert sich, als er zum ersten Mal an einem internationalen Kräftemessen dabei war. «Man ist den ganzen Tag dort und verbringt die meiste Zeit damit, auf seinen Einsatz zu warten», verrät Sommerfeld. «Aber dafür muss man dann auf den Punkt bereit sein. Das kann gerade für Neulinge sehr anstrengend sein.»

Daher legt Sommerfeld Wert darauf, seine Schüler und seine Schülerin auch mental auf die Mulimpiade in Köln vorzubereiten. Einer von ihnen ist Leo Wildermuth. Der 19-Jährige aus Schlieren trainiert Haidong Gumdo seit einem Jahr. «Ich habe damals im Zug eine Werbung mit Schwertkämpfern gesehen, das gefiel mir», erzählt er. Zuvor hatte er Karate trainiert, aber in seiner Karateschule habe es sehr viele Schüler gegeben. Die Atmosphäre im Haidong Gumdo sei familiärer.

Faszination fürs Schwert

Karate hat einst auch Maurizio Cochetti gemacht. Doch seit drei Jahren ist der 53-jährige Dietiker begeisterter Haidong-Gumdo-Anhänger. «Das Schwert hat mich immer fasziniert, schon als Kind, wenn ich Samuraifilme guckte», sagt Cochetti. «Besonders fasziniert mich das Handling des Schwertes, also wie man damit umgeht.» Auch den grossen Respekt unter den Schwertkämpfern schätzt Cochetti, der 2015 an der Schweizermeisterschaft im Papierschneiden die Bronzemedaille gewann. «Das machte mich sehr stolz», gibt er zu, «vor allem, weil ich es nie erwartet hätte.» Nun freut er sich auf Köln. «Der Wettkampf dort hat für mich eine grosse Bedeutung.» Ist er deswegen schon nervös? «Momentan spüre ich noch nichts», sagt er.

Vier Männer und ein Kind

Ganz im Gegensatz zur neunjährigen Lia Umiker aus Oetwil an der Limmat. «Ich bin jetzt schon aufgeregt», sagt sie. «Ich frage mich, ob es mit dem Zeitungsschnitt klappen wird, das ist eine Disziplin, bei der ich teilnehme.

Aber ich freue mich auch.» Lia ist durch ihren Bruder Dino, der an derselben Schule trainiert, zum Haidong Gumdo gekommen. Sie ist an diesem Montagabend das einzige Kind im Training, aber das stört sie nicht. «Ich finde das sogar gut, denn von den Erwachsenen kann man mehr lernen», meint sie. Lernen möchte sie viel – und auch einiges davon weitergeben: «Ich will eines Tages vielleicht sogar mein eigenes Dojang eröffnen.»

Doch bis es so weit ist, steht erst einmal die Mulimpiade in Köln an. Dort rechnet sich Sommerfeld für sein Team gute Chancen aus. «Ich würde es meinen Schülern sehr gönnen, wenn sie die eine oder andere Medaille holen könnten», sagt er. «Wichtiger aber ist, dass die Schüler den Anlass geniessen und Spass haben.»

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