Gut möglich, dass sich einige Schülerinnen und Schüler der Dietiker Steinmürlischule in den nächsten Tagen nur ungern duschen. Verständlich, denn wann trägt man schon das Autogramm eines Königs auf dem Arm? Schwingerkönig Matthias Glarner aus dem bernischen Heimberg gab sich am Montag die Ehre in Dietikon und bot der Jugend nicht nur die Autogrammstunde, sondern vor allem ein besonderes Schnupperschwingtraining.

Königlicher Schulunterricht in Dietikon

Königlicher Schulunterricht in Dietikon

Die Schülerinnen und Schüler des Schulhaus Steinmürli schwingen zusammen mit Matthias Glarner in der Turnhalle. Der traditionsreiche Sport soll vermitteln, wie Energie positiv genutzt werden kann.


Fünf Klassen à 20 Kinder aller Altersstufen wechselten sich alle halbe Stunde ab, um mit Glarner Schwingergriffe zu üben. Dabei stand der Spass im Vordergrund. Die Jüngsten waren vier Jahre alt, und ihre Herausforderung begann schon beim Anziehen der Hosen. Der Schwingklub Glatt- und Limmattal (SKGL) hatte zwar Jungschwingerhosen bereitgestellt, aber die waren immer noch viel zu gross für die Zwerge. Das tat ihrem Eifer aber keinen Abbruch. Sie packten sich kräftig am Zwilch und versuchten, Glarners Tipps umzusetzen. «Die Hose hat hinten einen Schlitz, dort kannst du anpacken, und wenn du das rechte Bein etwas weiter vornimmst, dann hast du einen guten Ausgangspunkt, um deinen Gegner auf den Rücken zu legen.»


Jungschwinger als Co-Trainer


Glarners souveräne, ruhige Art liess die Kinder jegliche Scheu vergessen. Vom «Bösen» war bei Glarner keine Spur. Er hätte auch ein ganz normaler Schwingtrainer sein können, so wie er sich auf den Turnmatten knieend um das Jungvolk kümmerte.


Jürg Hässig, Mitglied der Schulpflege, war es gelungen, den sympathischen Schwinger, der 2016 beim Eidgenössischen in Estavayer-le-Lac triumphiert hatte, nach Dietikon zu locken. Über den SKGL konnten noch zwei Co-Trainer für Glarner gefunden werden. Oliver Bachmann (13), Schüler des Schulhauses Zentral, und Manuel Guthauser (12) von der Schule Wolfsmatt. Die beiden Dietiker trainieren seit vier Jahren beziehungsweise seit einem Jahr beim SKGL als Jungschwinger. Sie hatten die Aufgabe, nach Glarners Anweisungen gewisse Griffe zu demonstrieren und genossen ihre Aufgabe. «Es war eine neue Erfahrung», meinte Oliver. Glarner sei nett und für sie ein Vorbild, ergänzte Manuel. Dass sie für die Schwingstunden mit Glarner den Französisch-Unterricht «verpassten», war ein willkommener Nebeneffekt.

SKGL-Präsident Stefan Tresch aus Schlieren und Nachwuchsschwingerleiter Adrian Gübeli aus Schöfflisdorf begleiteten ihre beiden Jungschwinger. «Schnuppertage oder Projektwochen machen wir häufiger, aber dieser Anlass mit Matthias ist schon etwas Besonderes», meinte Gübeli. Insgeheim hofft er auch auf weiteren Nachwuchs. Derzeit trainieren zehn Kinder und Jugendliche aus dem Bezirk Dietikon im Klub. Jeden Montagabend treffen sich die jungen Schwinger im Schlieremer Schulhaus Moos.


Wunschessen Cordon bleu


Nach dem Training schwärmte Glarner von dem «fantastischen» Vormittag und dass einige Talente unter den Kindern wären. Die Jugend liege ihm sehr am Herzen. «Wenn der eine oder andere Jugendliche anschliessend ein Schwingtraining besucht, war der Anlass bereits ein voller Erfolg.» Auch Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani und Gemeinderatspräsident Martin Romer liessen sich den Anlass nicht entgehen. Romer hatte sogar als ranghöchster Dietiker die Ehre, gemeinsam mit Schulleiter Iso Kalchofner den «König» in der Stadt zu begrüssen. Romer: «Glarner kann für alle Kinder und Jugendlichen ein Vorbild sein, nicht nur, was seinen Sport, sondern auch, was Härte, Durchhaltevermögen und Leidenschaft anbelangt.»


Durchhaltevermögen musste in den letzten Monaten auch Glarner verstärkt mobilisieren. Nach seinem Zwölf-Meter-Horrorsturz im Juni von einer Bergbahngondel während eines Fotoshootings im Oberhasli war es aufgrund der Verletzungen zunächst zweifelhaft, ob er je wieder würde schwingen können. Am Montag meinte er: «Es geht mir gut, aber es liegt noch viel Arbeit vor mir.» Demnächst stehe wieder ein Reha-Aufenthalt an. Kräfte sammeln konnte Glarner nach Training und Autogrammstunde beim Mittagessen im Restaurant Sommerau. Es gab sein Lieblingsessen: Cordon bleu mit Pommes frites und als Dessert Coupe Dänemark.