Es gibt nicht den typischen Dartsspieler. An der 25. Schweizer Meisterschaft im Electronic Darts sah man eine grosse Bandbreite unter den 500 Wettkämpfern und Wettkämpferinnen. Ob gross oder klein, muskulös, normal oder korpulent, tätowiert oder nicht, sie alle kamen am Wochenende in die Stadthalle, um sich zu messen. Das Turnier fand zum ersten Mal in Dietikon statt. Der Verband zur Förderung der Compactsportarten (VFC) stellte rund 60 elektronische Dartskästen zur Verfügung. «Mein Team und ich sind für den Turnierplan und den reibungslosen Ablauf zuständig», sagte Thomas Weber, Turnierspielleiter und Verbandspräsident, während er seinem Team über die Schulter schaute, das die Spiele übers Mikrofon durchgab.

Für Halle, Gastronomie und Unterkunft waren drei Dartslokale verantwortlich: die Black Jack Dart Lounge aus Dietikon, der Dart Club K11 aus Oerlikon und die Dart Louunge Regensdorf. «Als Organisator ist es wichtig, für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen», sagte Davide Patisso von der Black Jack Dart Lounge. Ein offenes Ohr für die Spieler zu haben, sei zudem hilfreich. Denn Konzentration sei entscheidend für den Erfolg.

Training in Dietikon

Als Dart-Lounge-Inhaber weiss Patisso, wovon er spricht. In nur zwei Jahren ist die Anzahl Mannschaften, die in seinem Lokal spielen, von einer auf zehn angewachsen. «Bei uns trainieren rund 40 aktive Spieler, darunter sind 10 Prozent Frauen», so Patisso. Seit einem Jahr trainiert der Schweizer Meister in Steel Darts, Andy Bless, in Dietikon. «Ich spiele in der Black Jack Dart Lounge wegen den Leuten», sagte der 30-Jährige, der in Winterthur lebt. Damit meint Bless unter anderem Giuseppe Iorio, Trainer der Schweizer Nationalmannschaft im Electronic Darts. Die beiden kennen sich seit langem. «Wenn ich gegen dich spielen müsste, wäre es tragisch für dich», sagte Bless. «Früher gewann ich häufiger gegen dich», relativierte Iorio.

Gleich zu Beginn des Turniers am Freitagabend ereignete sich der Höhepunkt: Der Einzelwettkampf der Top-150-Spieler und Top-80-Spielerinnen der Schweiz wurde ausgetragen. Jeweils zwei Spieler traten gegeneinander an. Wer zwei Runden für sich entschied, kam weiter. Zum Glück mussten Bless und Iorio nicht gegeneinander spielen. Und auch sein Kollege Marko Rajic gehörte nicht zu Bless’ Gegnern. «Darts ist wie eine grosse Familie. Andy kenne ich seit über zehn Jahren», sagte Rajic und fügte an: «Dartsspieler sind wie Zugvögel, einmal spielen sie in diesem Club, ein anderes Mal in einem anderen.»

Teueres Electronic Darts

Auf das Talent alleine kann sich keiner verlassen. Training und Routine seien wichtig im Sport, so Bless. «Ideal wäre, wenn ich täglich ein bis zwei Stunden trainieren würde», sagte er. Zuhause übt der gelernte Maurer vor allem Steel Darts, bei dem die eisernen Pfeile schwerer wiegen und man auf eine Zielscheibe aus Sisal und nicht auf einen elektronischen Kasten wirft. Electronic Darts übt Bless nur ein Mal in der Woche in Dietikon. Es kostet mehr als Steel Darts, weil der Dartsautomat pro Spiel ein bis zwei Franken einkassiert, auch beim Wettkampf, weshalb Bless den Onlineshop Dart and More als Sponsor hat, der in der Stadthalle mit einigem Zubehör präsent war.

Angefeuert wurde Bless von seiner Freundin Pia Güntensberger. «Andy weiss, dass ich da bin. Das soll ihn mental unterstützen», sagte sie. Was am Anfang auch half. Gegen die zwei ersten Gegner konnte sich Bless durchsetzen. Doch je weiter er kam, desto stärker waren die Kontrahenten. Bless schaffte es schliesslich auf den 33. Rang von 79 Spielern der Top 150. Bless, der im Alter von 14 Jahren den Dartssport für sich im Pub seines Vaters im Tösstal entdeckte, war zwar enttäuscht, blieb aber zuversichtlich: «Ich habe nicht mein volles Potenzial ausgeschöpft.»

Spannung überträgt sich

Schweizer Meister im Electronic Darts wurde Sven Geiger aus Stein am Rhein. Der Limmattaler Marcel Hirzel holte sich den neunten Rang. Schweizer Meisterin ist die Winterthurerin Fiona Gaylor, die sich gegen 40 Spielerinnen der Top 80 durchsetzen konnte. Am Samstag fanden Wettkämpfe der Ligen A, B und C statt. Die Junioren traten gestern Sonntag gegeneinander an.

«Ein schöner Anlass. Es ist toll, dass Menschen mit so viel Engagement und Herzblut einen Wettkampf organisieren. Die Spannung überträgt sich auf die Zuschauer», sagte Besucherin Andra Silaghi aus Uri. Ebenfalls begeistert war Corinne Michel: «Es ist faszinierend. Wer Ruhe bewahrt, gewinnt.»