Schlieren
Schweizer Städtebauer pilgern ins Limmattal

An der Tagung des Fachverbands Fussverkehr Schweiz in Schlieren wurde das Stadtzentrum als Vorreiterprojekt präsentiert. Als Anschauungsbeispiel eignet sich Schlieren besonders.

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Projektleiterin Stadtentwicklung, Barbara Meyer (Mitte), erklärt den Teilnehmern des Stadtrundgangs das Wohnkonzept am Rietpark.

Projektleiterin Stadtentwicklung, Barbara Meyer (Mitte), erklärt den Teilnehmern des Stadtrundgangs das Wohnkonzept am Rietpark.

fni

Schlieren wird immer mehr zum Vorzeigebeispiel für Stadtentwicklung in Agglomerationsräumen. Dies zeigte sich auch am Donnerstag, als im Salmensaal eine Tagung des Fachverbands Fussverkehr zum Thema «Schönes Flanieren braucht gutes Sanieren» stattfand. Rund 90 Vertreterinnen und Vertreter von Verkehrs-, Raumplanungs- und Architekturbüros sowie Baubehördenmitglieder aus der ganzen Schweiz pilgerten ins Limmattal. Anhand mehrerer Referate und eines Stadtrundgangs erfuhren sie, wie Stadtentwicklung in Agglomerationsräumen künftig aussehen könnte.

Thomas Schweizer, der Geschäftsleiter der Zürcher Geschäftsstelle des Fachverbands erklärte, warum gerade Schlieren als Tagungsort ihrer Jahresveranstaltung ausgewählt wurde. In Agglomerationsräumen ohne historisch gewachsenes Zentrum sei es enorm schwierig, eine hohe Fussgängerqualität zu erreichen. «Schlieren hat es sich zum Ziel gesetzt, genau das zu erreichen. Diesbezüglich ist die Stadt eine der wenigen Vorreiterinnen in der Schweiz», so Schweizer. Als Anschauungsbeispiel eigne sich Schlieren besonders, weil hier bereits erste Bausteine des Stadtentwicklungskonzepts realisiert worden seien, und diesen Umsetzungen ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt werden könne.

Den angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentierte Stadtingenieur Manuel Peer zunächst die Hauptlinien, entlang derer die Stadt umgestaltet werden soll: Die Verlagerung des Durchgangsverkehrs aus dem Stadtzentrum, die siedlungsorientierte Umgestaltung der Strassen innerorts, die Errichtung eines Stadtplatzes, auf dem der Fussverkehr Priorität hat, und die Überwindung der Bahngleise zur Verbindung der Quartiere nördlich und südlich davon wurden kurz und prägnant beschrieben.

Anhand einer Bilderstrecke erklärte er bereits umgesetzte Umgestaltungsprojekte im öffentlichen Raum, wie etwa die erste Schlieremer Begegnungszone an der Sägestrasse oder die Verkehrsberuhigung der Schulstrasse. Weiter stellte er bereits umgesetzte Neubau-Siedlungen der Liegenschafts- und Bauunternehmung Halter vor, die unter Einbezug des Stadtentwicklungskonzepts entstanden sind.

Auf das Stadtplatzprojekt ging Stephan Kuhn als Vertreter des Siegerteams im Wettbewerb um die Neugestaltung des Schlieremer Zentrums ein. Die Realisierung der öffentlichen Räume am Stadtplatz brauche seine Zeit, da sie dem politischen Prozess unterworfen sei, erklärte Kuhn: «Das in der Bevölkerung Widerstände und Zweifel erwachsen, ist verständlich.» Jedoch sei der Stadtplatz sehr wichtig für die Stadt, weil im Zentrum ein öffentliches Leben stattfinden können müsse.

Der Vizedirektor des Bundesamtes für Strassen Erwin Wieland beschrieb die Bedeutung, die Autobahnen für die Schaffung öffentlicher Räume haben. Seit 1990 sei der Verkehr auf dem Strassennetz abseits der Autobahnen relativ konstant geblieben. Den Zuwachs an Verkehr habe deshalb vor allem das Autobahnnetz schlucken müssen, erklärte Wieland. Dies biete eine grosse Chance für das Siedlungsgebiet, das so vom Mehrverkehr frei gehalten werden könne. «Durch die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Autobahnen schafft der Bund den Rahmen, in dem öffentliche Räume erschaffen werden können», sagte er.

Austausch mit anderen Städten

Barbara Anja Meyer, die Projektleiterin Stadtentwicklung in Schlieren, freute sich, dass Schlieren bei dieser Fachtagung Gastgeberin sein konnte: «Es ist wichtig, dass die Bevölkerung sieht, dass unser Entwicklungskonzept für Schlieren im Rest der Schweiz hoch angesehen ist.» Für Bauvorstand Jean-Claude Perrin (SVP) bietet der Anlass auch die Gelegenheit von anderen Agglomerationsgemeinden zu lernen: «Hier können wir uns mit Vertretern anderer Städte austauschen, und so bei eigenen Projekten von ihren Erfahrungen profitieren.»