fremdenfeindlichkeit

Schweizer Pragmatismus hilft bei Integration

Bildnummer: 52982085  Datum: 21.04.2009  Copyright: imago/sepp spiegl

Basel bleibt nett zu den Ausländer n

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Migrationskonferenz in Zürich hält fest: Schweizer sind nicht fremdenfeindlicher als andere Europäer.

Die Schweizer Bevölkerung ist nicht fremdenfeindlicher als die Bevölkerung in andern europäischen Ländern. Diesen Schluss zog Andreas Wimmer, Soziologe an der University of California, an einer Migrationskonferenz der Stadt Zürich.

Positive Haltung gegenüber Zuwanderung

Schweizerinnen und Schweizer fühlten sich durch Zuwanderung nicht bedrohter als Durchschnittseuropäer, wird Wimmer in einer Mitteilung der Integrationsförderung Zürich zitiert. Die Haltung gegenüber Zuwanderung sei in der Schweiz sogar positiver, stellte der Soziologe vor über 250Personen im Volkshaus fest.

Überaus kritisch sei die Schweizer Bevölkerung bei der Frage der Gleichberechtigung. Die hohe Gemeindeautonomie und das ausgeprägte Demokratieverständnis, die Ordnungskultur sowie die direkte Demokratie bewirkten eine hohe Bereitschaft, Ausländer auszugrenzen.

Ausgeglichen werde dies jedoch durch verschiedene integrative Faktoren. Die Wirtschaftskraft und der liberale Arbeitsmarkt sorgten für eine Einbindung in die Arbeitswelt, der Republikanismus verhindere eine Ausgrenzung über die Frage der Abstammung, und der schweizerische Pragmatismus erleichtere eine Integration im Alltag.

Der Zuwanderung offen begegnen

Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch eröffnete am Freitag die Migrationskonferenz mit dem Hinweis, dass die grösseren Schweizer Städte überdurchschnittlich von Integrations- und Migrationsfragen betroffen seien. Jede zehnte aus dem Ausland in die Schweiz ziehende Person komme beispielsweise direkt nach Zürich.

Die damit verbundenen Herausforderungen würden von der Stadt angenommen und in der täglichen Arbeit konstruktiv und insgesamt erfolgreich umgesetzt, betonte Mauch. Zürich orientiere sich dabei an den Grundsätzen der Chancengleichheit, Alltagsbefähigung und Willkommenskultur.

Letztere sei wichtig, sagte Mauch. Eine von Respekt, Akzeptanz und Freundlichkeit geprägte Haltung könne den Integrationsprozess unterstützen, während Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung diesen hemmten oder gar verhinderten. Wichtig sei auch, dass die Erstinformation für Zugezogene verstärkt werde.

Patrick Kury, Historiker an der Universität Bern, zeigte auf, wie unterschiedlich die Schweizer Bevölkerung im Laufe der Zeit auf die Zuwanderung reagiert hat. Nach einer liberalen Phase bis zum Ersten Weltkrieg hin habe danach eine Phase der Abwehr eingesetzt.

Zwischen Öffnung und Abwehr

Diese Abwehr habe sich bis in die Zwischenkriegsjahre fortgesetzt und sich auch in einer restriktiven Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkrieges niedergeschlagen. Seit dem Zweiten Weltkrieg bewege sich die Haltung der Gesellschaft zwischen Öffnung und Abwehr. Dabei sei das Politisieren mit dem Thema Migration immer beliebter geworden. Laut Kury richtet sich die Konstruktion von Feindbildern oft generell gegen Ausländerinnen und Ausländer, betreffe meist hauptsächlich Minderheiten.

Der Rückblick zeige aber auch, dass die Integration in der Schweiz dank der wirtschaftlichen Prosperität und der gelebten Offenheit alles in allem eine Erfolgsgeschichte sei. (sda)

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