Die Armbrustschützenvereine kämpfen – wie viele andere Vereine – mit einem Mitgliederschwund und fehlendem Nachwuchs. Zum ersten Mal führte der Zürcher Kantonale Armbrustschützen Verband (ZKAV) deshalb einen verbandsweiten Schnuppertag durch, um sich und die Sportart zu präsentieren. Am vergangenen Samstag machten 20 Schützenhäuser mit, darunter auch jenes in Oberengstringen. Der Präsident des ZKAV, Peter Wohlgensinger, zog danach eine positive Bilanz: «Der Schnuppertag war ein Erfolg, wir werden ihn wieder durchführen.» Würde man am Schnuppertag ein Aktivmitglied mehr gewinnen, sei schon viel erreicht, so Wohlgensinger.

Ein Hightech-Sportgerät

Rund 20 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung der Oberengstringer Armbrustschützen und liessen sich von den Aktivmitgliedern des Vereins in den Sport einführen. Dabei erfuhren die Interessierten Erstaunliches. In nur einer halben Sekunde erreicht der Pfeil sein Ziel am Ende der 30-Meter-Bahn.

Seit 1950 ist die Armbrust weiter entwickelt worden. Heute ist sie ein Hightech-Sportgerät: Sie verfügt über einen elektronischen Abzug und eine Wasserwaage am Visier. Bogen und Sehne bestehen aus Kunststoff. «Die Wasserwaage hilft beim Zielen. Und der elektronische Abzug funktioniert temperaturunabhängig», erklärte Hanspeter Blaser. Der 55-Jährige, der seit 1978 im Verein dabei ist, ist das jüngste Aktivmitglied der Armbrustschützen Oberengstringen. «Zu meinen Anfangszeiten mussten wir fürs Schiessen noch anstehen, dabei hatten wir uns Witze erzählt.» Heute müsse man zwar nicht mehr warten, aber Witze mache man trotzdem noch immer, sagte Blaser.

Finanziell sei der Verein gut aufgestellt, doch sind im Moment nur 10 Aktiv- und 39 Passivmitglieder dabei, sagte Vizepräsident Peter Gloor. Gloor selbst ist seit 45 Jahren Mitglied bei den Armbrustschützen Oberengstringen. Sein Wunsch ist, dass der Verein weitergeführt werden kann, wenn er aufhöre.

Auch das älteste Aktivmitglied, Marianne Stahel, war am Schnuppertag vor Ort um ihr Wissen weiterzugeben. Die 79-Jährige verriet dabei den Anwesenden, dass sie froh darüber sei, dass die Saison wieder begonnen habe. «Der Winter ohne Armbrust ist langweilig gewesen.»

Die Schnupperer sind begeistert

Die Begeisterung für den Armbrustsport konnten die Vereinsmitglieder den Besucherinnen und Besuchern am Samstag weitergeben. Rico Maggi aus Weiningen war angetan: «Es ist eine sehr gute Übung, sich auf einen einzigen Punkt auf der Zielscheibe zu konzentrieren und alles andere im Moment zu vergessen.»

Eine bessere Laune nach dem Schiessen hatte Roberta Morgante aus Bülach. Der Erfolg beim Schiessen habe Glücksgefühle ausgelöst, sagte sie. Noch zu jung, um mitmachen zu können, waren die beiden sechsjährigen Zwillinge Benjamin und Elias aus Schlieren. Ihr Vater Guillermo Enrique Sáenz schoss dafür an ihrer Stelle und war für die beiden der Held. Zudem heisst Guillermo auf Spanisch Wilhelm. Schon in seiner Kindheit in Peru habe er von Wilhelm Tell gehört und sei entsprechend stolz auf seinen Namen gewesen. «Nun sind meine Kinder in dem Alter, wo Tell aktuell ist», sagte Sáenz und lachte.

Auch dem 27-jährigen Benedikt Strohm aus Innsbruck machte es Spass. «Ich bin von der Präzision beeindruckt und habe nun noch mehr Respekt vor den mittelalterlichen Armbrustschützen, die ohne all diese technischen Hilfen geschossen haben.» Seine Freundin Fabienne Grebnitz aus Zürich ergänzte: «Ich kannte die Armbrust bisher nur aus Filmen.» Nun habe sie eine konkrete Vorstellung: «Es war sehr meditativ», sagte sie.