Coronavirus

Schneiderin verkauft selbst gemachte Masken und kann sich so drei Monatslöhne retten

Gabriele Widmer führt seit 20 Jahren ihr Schneideratelier in Schlieren. Weil die Aufträge ausblieben, entschied sie sich, Masken zu fertigen.

Gabriele Widmer führt seit 20 Jahren ihr Schneideratelier in Schlieren. Weil die Aufträge ausblieben, entschied sie sich, Masken zu fertigen.

Die Schneiderin Gabriele Widmer bietet in Schlieren selbst gemachte Masken an. Damit konnte sie bereits drei Monatslöhne retten, nachdem sie während dem Lockdown kaum noch Aufträge hatte. Bereits über 700 Masken gingen über ihren Ladentisch.

Gabriele Widmer hält die Gesichtsmaske gegen das Fenster, sodass Lichtstrahlen durch die Baumwolle schimmern. «Sehen Sie, das ist zweilagig. Da kommt sicher kein Tropfen durch», sagt sie und legt das bunte Stück Stoff wieder auf den Arbeitstisch. Widmer hat an der Schlieremer Uitikonerstrasse ihr Schneideratelier.

Seit einigen Wochen erstellt und vertreibt sie Gesichtsmasken mit grossem Erfolg. Bis gestern gingen bereits 718 Stück über den Ladentisch. «Da ich während des Lockdowns beinahe keine Aufträge erhielt, musste ich etwas unternehmen. Diese Masken», sagt sie und nimmt erneut eine in die Hand, «haben mir drei Monatslöhne gerettet.»

«Erst hatte ich ein wenig Skrupel, mit der Angst der Leute vor dem Virus Geld zu verdienen», sagt Widmer. Weil aber immer mehr und mehr solche Masken angeboten wurden, habe sie der Sache doch mal nachgehen wollen. Sie kaufte in der Apotheke einige medizinische Masken, schnitt sie auf und analysierte sie. Die Prototypen, die sie in der Folge erstellte, waren nicht perfekt. «Ich entwickelte sie weiter, etwa indem ich in der Länge verstellbare Gummibändel anfertigte oder den oberen Bund mit einem Draht versah, damit er der Form der Nase angepasst werden kann», sagt sie. Auf diese Weise sei ein solides Produkt entstanden, das man auch zum Joggen anziehen könne, ohne dass dabei die Brille anläuft. Sie bietet die Maske in 16 verschiedenen Designs und drei unterschiedlichen Grössen an.

Plötzlich blieben die wichtigen Aufträge aus

Üblicherweise seien die Frühlingsmonate die ertragreichsten für Schneiderinnen und Schneider. Zahlreiche Menschen wollen sich dann ein neues Sommerkleid erstellen lassen oder Änderungen an alten Kleidungsstücken machen lassen. Nicht so in diesem Frühling. «Wegen der Coronamassnahmen des Bundes hatte ich von einem auf den anderen Tag keine Aufträge mehr. Am schlimmsten war der April, da hatte ich genau zwei Änderungen vorzunehmen», sagt Widmer.

Sie habe nicht viel Ahnung von den sozialen Medien, sagt sie. Doch habe sie ihr Maskenangebot auf Facebook veröffentlicht. Die Rückmeldungen und Bestellungen, die sie innert kürzester Zeit erreichten, hätten sie überwältigt. «Fortan hatte ich mehr Bestellungen, als ich jemals erwartet hätte.» Nach einigen Wochen habe sie gar eine Kollegin angefragt, ob sie ihr beim Erstellen der Masken helfen könne. «Es war der Wahnsinn. Es kam vor, dass der Stoff-Nachschub nicht rechtzeitig eintraf oder der Draht ausging, sodass ich mit der Produktion warten musste», sagt sie.

Zahlungsmoral bei Masken ist hoch

Die 44-jährige Weiningerin vertreibt die 20-Franken-Masken nicht via Onlineshop. Bestellungen nimmt sie telefonisch entgegen oder die Käufer erscheinen direkt vor ihrem Laden, wo sie die Maskenauswahl gleich im Schaufenster begutachten können. «Ich denke, die Kunden schätzen auch den persönlichen Kontakt in dieser Zeit, wo viele allein zu Hause sind», so Widmer. Angenehmer Nebeneffekt: Die Zahlungsmoral ist sehr hoch. Lediglich einen Kunden habe sie an die Begleichung des Einzahlungsscheins erinnern müssen. Alle anderen hätten überpünktlich bezahlt. Auf die Frage, welche Variante besonders beliebt ist, weiss Widmer sofort eine Antwort. «Die Rauchblaue: Sie wird mit Abstand am meisten gewünscht. Weniger beliebt sind jene mit wilden Mustern. Auch die Schwarze ist nicht sonderlich beliebt. Und auch vom gelben Stoff habe ich noch immer sehr viel übrig.»

Die Gesichtsmasken gibt es in 16 Ausführungen.

Die Gesichtsmasken gibt es in 16 Ausführungen.

Doch wie sehr schützen die selbst gemachten Masken überhaupt vor einer Infektion mit dem Coronavirus? «Sie sind nur ein Glied in der Kette von Massnahmen, die man zum Schutz vor Corona ergreifen kann», sagt Widmer. So würden das richtige An- und Ausziehen, das regelmässige Händewaschen wie auch das regelmässige Reinigen der Maske dazugehören. Nach der Benutzung müsse die Maske lediglich heiss gewaschen oder gebügelt werden und die allfälligen Viren würden absterben. «Eine befreundete Virologin hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass man die Maske mit dem Föhn erhitzen kann, um sie zu reinigen», so Widmer.

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