Dietikon
Schmutzfinken bestreiten Konzert in der Reformierten Kirche

Über hundert Schüler und Musikanten der Stadtjugendmusik begeisterten am Samstag mit dem Konzert «Die schwarzen Brüder».

Fabienne Eisenring
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Die Schwarzen Brüder in Dietikon
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Mit Musik der Stadtjugendmusik Dietikon und dem Gesang dreier Dietiker Primarklassen waren über 100 Personen betreiligt
Oberstufenschüler Sami Ademaj (13) singt die Rolle des Tessiner Buben Giorgio.
Til (8) durfte einen Rap vortragen.
Pascal (8) freut sich aufs Singen.
Marco Nussbaumer, der Dirigent der Stadtjugendmusik Dietikon und Komponist der Konzertfassung der Schwarzen Brüder.
Der Chor war passend in Lumpen gekleidet
Die Geschichte handelt von einem Tessiner Verdingkind, das zum Kaminfeger wird.
Die Premiere des Konzerts «Die schwarzen Brüder» in der Reformierten Kirche Dietikon war ein voller Erfolg.
Klassenlehrer Rolf Bochsel spielt und singt die Rolle des Kinderhändlers Antonio Luini.
Eine ganze Schar Schwarzer Brüder und Schwestern: Die 3.- bis 5.-Klässler aus Dietikon, die im Chor singen.
Erzähler Stefan Baier bereitet sich auf seinen Auftritt vor.
Die Präsidentin der Stadtjugendmusik DIetikon, Pia Siegrist, hält eine Ansprache.

Die Schwarzen Brüder in Dietikon

Fabienne Eisenring

Ein solch schmutziger Chor ist in der Reformierten Kirche in Dietikon wohl noch nie aufgetreten. Russige Gesichter, dreckige Pullover und Halstücher, wohin man am Samstag auch blickt. Anlass dafür ist die Premiere des Konzerts «Die Schwarzen Brüder». Über 100 Jugendliche wirken an der Produktion mit: einerseits das 60-köpfige Blasorchester der Stadtjugendmusik Dietikon (SJMD), samt Zwischenkorps, und andererseits vier Dietiker Schulklassen der 3. bis 5. Primarstufe als Chorsänger.

Drittklässler Pascal (8) ist vor dem Konzert etwas nervös. «Aber ich freue mich auf das Singen. Und darauf, ganz oben zu stehen und auf die Leute runterzuschauen», sagt er und seine Zähne blitzen aus dem schwarz geschminkten Gesicht hervor.

Während die ersten Zuhörer eintrudeln, steht eine Gruppe Stadtjugendmusikanten vor der Kirche. Die meisten haben den Roman «Die Schwarzen Brüder» von Lisa Tetzner und ihrem Mann Kurt Kläber in der Schule gelesen. «Es ist eine traurige Geschichte, umso mehr, da sie auf wahren Begebenheiten beruht», meint die 19-jährige Klarinettistin Julia.

Geschichte für die Seele
Kinderarbeit als Konzertthema – ist das nicht etwas heikel? SJMD-Dirigent Marco Nussbaumer, der die Musik komponierte, meint dazu: «Realität und Fiktion halten sich in der Geschichte die Waage. Darum berührt sie und stösst nicht ab.» Was das Publikum an diesem Samstag zu hören bekommt, ist die Geschichte des Tessiner Buben Giorgio, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Verdingkind verkauft wird und in Mailand als Kaminfeger arbeiten muss. Kraft gibt ihm der Bund der «Schwarzen Brüder». Es sei eine seiner Seelengeschichten, sagt Erzähler Stefan Baier, als er sich in der nun rappelvollen Kirche, auf seinen Part vorbereitet.
Stilistische Grenzen hat sich Nussbaumer keine gesetzt.

Lob für Ademaj

Auf Balladen, inspiriert von Tessiner Volksmusikgruppen, folgen groovige Stücke. Mal ziehen alle Musiker die Luft durch die Zähne und trommeln mit den Fingerspitzen auf das Blech ihrer Instrumente. Die Töne schwellen an und man fühlt sich, als würde man selbst in einem enger werdenden Schornstein feststecken. Als Verkörperung der Angst stampft der Kinderhändler Antonio Luini auf die Empore, exzellent gesungen von Primarlehrer Rolf Bochsler. Gesanglich überzeugt ebenfalls Oberstufenschüler Sami Ademaj (13) in der Rolle des Giorgio. «Alles ist gut gegangen», wird er nach dem Konzert erleichtert sagen. Auch für seine Figur endet die Geschichte mit einer heiteren Note: Giorgio kann zu seiner Familie zurück.

Das Publikum quittiert die Leistung mit einer Standing Ovation. Nach dem Konzert fallen sich SJMD-Präsidentin Pia Siegrist und Nussbaumer in die Arme. «Orchester und Chor haben toll harmoniert», bilanziert letzterer. Siegrist pflichtet bei: «Die Begeisterung der Akteure hat sich auf das Publikum übertragen, das hat man gespürt.»