Schlieren

Schluss mit Motorengeheul: Tuning-Experte soll Autoposer stoppen

Die präventiven Verkehrskontrollen durch den Tuning-Sachbearbeiter erfolgen an bekannten Hotspots in Schlieren.

Die präventiven Verkehrskontrollen durch den Tuning-Sachbearbeiter erfolgen an bekannten Hotspots in Schlieren.

Um dem Autolärm in Schlieren entgegenzuwirken, setzt die Stadtpolizei auf einen Sachbearbeiter, der spezifische Kontrollen durchführt.

Aufheulende Motoren und unnötiges Umherfahren in Wohnquartieren sind ein Phänomen, das die Polizei schweizweit auf dem Radar hat. In Schlieren versucht man nun mithilfe eines Tuning-Sachbearbeiters das Problem in den Griff zu bekommen. Dies geht aus der Antwort des Stadtrats auf eine Kleine Anfrage von Gemeinderat Roger Seger (parteilos) hervor. Der Parlamentarier thematisierte Lärmemissionen und Tempoexzesse in seinem Vorstoss vom Mai 2020 und wollte vom Stadtrat wissen, ob die Stadt spezifische Massnahmen gegen die Verursacher von Lärm und gegen Raser plane.

Als Massnahme präsentiert die Stadt nun einen Tuning-Experten. Gemäss Stadtrat führt der geschulte Mitarbeiter der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf in enger Zusammenarbeit mit den Spezialisten der Kantonspolizei Zürich sowie der Motorfahrzeugkontrolle regelmässige präventive Verkehrskontrollen mit Schwerpunkt Poser/Tuning durch. Zudem unterstütze die Stadtpolizei die Kollegen der Kantonspolizei bei gezielten Verkehrskontrollen personell, heisst es in der Antwort. Bekannte Hotspots stünden dabei im Fokus. Die Kontrollen würden unter anderem aufgrund von Meldungen aus der Bevölkerung sowie Erkenntnissen im Austausch mit der Kantonspolizei Zürich erfolgen.

Über 500 Übertretungen an der Brandstrasse gemessen

«Die Stadtpolizei führt zudem regelmässig Geschwindigkeitskontrollen im Sinne der Verkehrsprävention im Gemeindegebiet durch. Dies mit einem semistationären Gerät, welches alle drei Wochen an einen erkannten neuralgischen Punkt gesetzt wird und zusätzlich anlässlich der Patrouillentätigkeit mittels eines mobilen Geräts», schreibt der Stadtrat. Er geht zudem auch auf Segers Bemerkung bezüglich der Brandstrasse als Autoposer-Hotspot ein. Der Gemeinderat erwähnte in seiner Kleinen Anfrage, dass vor allem in Wohnquartieren wie diesem nebst den Lärmemissionen die Autoposer für ausparkende Autolenker, Velofahrer und Fussgänger ein erhöhtes Risiko darstellen würden. Die Stadtpolizei führte dieses Jahr an der Brandstrasse bisher zwei Radarmessungen durch, wie der Stadtrat mitteilt. Zu Jahresbeginn wurden dort insgesamt 496 Übertretungen im Ordnungsbussenbereich und keine Verzeigung registriert. Bei der zweiten Kontrolle im Sommer sei es zu 28 Übertretungen im Ordnungsbussenbereich und zu einer Verzeigung gekommen.

Eine weitere Möglichkeit, den Autoposern Einhalt zu gebieten, sei mithilfe von Lärmblitzern, schreibt der Stadtrat. Für den Einsatz dieser Messgeräte sei jedoch eine gesetzliche Grundlage notwendig, damit Sanktionen durchgesetzt werden könnten. Entsprechende Vorstösse seien auf Bundesebene bereits hängig.

Ressourcen müssen für alle Polizei-Aufgaben reichen

Segers Frage, ob die finanziellen Mittel und genügend Personal bei der Stadtpolizei vorhanden seien, um das Problem anzugehen, bejaht der Stadtrat. «Grundsätzlich und mit personellem Vollbestand verfügt die Stadtpolizei über genügend personelle Ressourcen, um diese Kontrollen durchzuführen», heisst es. Aktuell habe sie jedoch noch einen Unterbestand von 200 Stellenprozenten. Der Stadtrat sei sich dieser Problematik bewusst. «Die vorhandenen Ressourcen müssen jedoch gezielt eingesetzt werden, um sämtliche polizeilichen Aufgaben zu erfüllen. Aus diesem Grund wird insbesondere die Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich sehr begrüsst», schreibt er.

«Ich freue mich, dass die Stadtpolizei einen Sachbearbeiter Tuning eingestellt hat. Das zeigt, dass dem Stadtrat das Problem bewusst ist und dass er es ernst nimmt.»

Gemeinderat Roger Seger stört sich an unnötigen Fahrmanövern und Motorengeheul in Schlieren

«Ich freue mich, dass die Stadtpolizei einen Sachbearbeiter Tuning eingestellt hat. Das zeigt, dass dem Stadtrat das Problem bewusst ist und dass er es ernst nimmt.»

Zusätzlich geht der Stadtrat auf den Begriff Raser ein, der von Seger in der Kleinen Anfrage benutzt wird. Er hält fest: «Der Gesetzgeber definiert den ‹Raser›, wenn ein Fahrzeuglenker die signalisierte zulässige Geschwindigkeit innerorts mindestens um 40 km/h überschreitet, oder durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht.» Im laufenden Jahr sei es auf dem Gemeindegebiet Schlieren zu keinem bekannten Raserfall gemäss dieser gesetzlichen Definition gekommen.

Installation von Lärmblitzern wird begrüsst

Gemeinderat Seger ist mehrheitlich zufrieden mit der Antwort des Stadtrats. «Ich freue mich, dass die Stadtpolizei einen Sachbearbeiter Tuning eingestellt hat. Das zeigt, dass dem Stadtrat das Problem bewusst ist und dass er es ernst nimmt», sagt Seger auf Anfrage. Die Installation von Lärmblitzern würde er begrüssen. «Das würde die Bevölkerung vor dem Autogeheul besser schützen», ist sich Seger sicher. Er sei gespannt, wann über dieses Thema auf Bundesebene entschieden werde. Ebenso nimmt es ihn wunder, ob der Sachbearbeiter Tuning mit den Kontrollen für Besserung sorgen kann. «Es braucht wohl jetzt ein paar Monate, um zu sehen, ob die Massnahme Wirkung zeigt», sagt Seger. Er werde dann gerne mit dem Sachbearbeiter das Gespräch suchen.

Ihm sei bewusst, dass die Polizei nicht überall gleichzeitig sein könne und dass sie die fehlbaren Autofahrer nicht immer erwische. Trotzdem findet er, dass es das Ziel sein müsse, die Autoposer zur Rechenschaft zu ziehen. «Ich habe nach der Einreichung meiner Kleinen Anfrage viel Zuspruch erhalten. Die Bevölkerung leidet unter dem Fehlverhalten weniger. Wenn man durch die Stadt spaziert, klöpft es immer irgendwo. Ich erschrecke selbst regelmässig.» Dabei gehe es aber nicht nur um den Lärm, sondern auch um die gefährlichen Tempoexzesse. «Es stört mich, dass der Stadtrat sagt, dass es in diesem Jahr zu keinem Raserfall in Schlieren gekommen ist. Nur weil man die Fahrzeuglenker nicht erwischt, heisst das nicht, dass es keine groben Übertretungen gibt.»

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