Birmensdorf
Schlingnattern schlängeln sich zwischen Autoschlangen hindurch

Das Naturschutzgebiet Fildern zwischen den Autobahnen wird immer artenreicher. Die Schlingnatter konnte wieder angesiedelt werden und im Gebiet sind immer mehr Zugvögel zu sehen. Dies zeigte sich auf einer Exkursion von Natur- und Vogelschützern.

Daniel Andrés Egli
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Exkursion ins Naturschutzgebiet Fildern in Birmensdorf
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 Ausflug ins neue Naturschutzgebiet Fildern
 Ausflug ins neue Naturschutzgebiet Fildern
 Ausflug ins neue Naturschutzgebiet Fildern
 Ausflug ins neue Naturschutzgebiet Fildern
 Ausflug ins neue Naturschutzgebiet Fildern

Exkursion ins Naturschutzgebiet Fildern in Birmensdorf

Als «einen grossen Kompromiss» bezeichnete alt Bundesrat Moritz Leuenberger die Zürcher Westumfahrung bei ihrer feierlichen Eröffnung im Jahr 2009. Und mit unzähligen Kompromissen sei der Bau einer neuen Autobahn immer verbunden.

Es gebe wohl keinen grossflächigeren Eingriff in die Natur als eine neue Bundesstrasse, pflichtete Leuenberger im Jahr 2009 auch der Zürcher Baudirektor Markus Kägi bei. Dabei müsse man Landwirtschaftszonen verlegen, ganze Bäche umleiten und tonnenweise Erdreich verschieben. Eingriffe, die schon für den Menschen nicht einfach seien und welche die Natur vor schier unlösbare Probleme stellten, sagte Kägi vor zwei Jahren. In Birmensdorf aber versuchte man bereits vor drei Jahren, der Natur bei der Problembewältigung «Umfahrung Zürich West» auf die Sprünge zu helfen.

Natur pur erleben

Die Augustsonne scheint bereits heiss auf die fünfzigköpfige Gruppe von Natur- und Vogelfreunden aus dem ganzen Kanton herab, als sich der lange Zug, bewaffnet mit Feldstechern, Trinkflaschen und Sonnenhut, in Richtung Naturschutzgebiet Fildern bewegt. Unter der Leitung von Andrin Gross, Regionalkommissionsleiter bei Bird Life Zürich und Vorstandsmitglied im Naturschutzverein Birmensdorf, ist die Devise: drei Stunden lang Natur pur.

«Es ist ein spezielles Gefühl, wenn man während des Beobachtens der Vögel im Hintergrund immer das Summen der Autobahn hört», sagt Gross zwischen zwei Blicken durch seinen High-Tech-Feldstecher. Genau dies sei aber die Idee des Naturschutzgebietes in der Fildern gewesen. Man wollte sozusagen zwischen der A4 in Richtung Luzern/Gotthard und der Nationalstrasse durch den neuen Üetlibergtunnel einen Ausgleich für Flora und Fauna schaffen.

Die Fläche gleich neben dem Autobahnkleeblatt Fildern, zwischen Wettswil und Birmensdorf, wurde vor drei Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Besondere daran ist, dass es sich beim geschützten Gebiet vor allem um Trockenwiesen handelt. Diese Umgebung, die unter anderem Zauneidechsen, Ringelnattern und Schlingnattern ein Zuhause bieten, gibt es sonst in der Schweiz praktisch nicht mehr.

Der Erfolg kommt schnell

«Es ist wichtig für die Artenvielfalt, solche geschützten Zonen zu erhalten», sagt Gross. Vor allem, weil man den Erfolg sofort sehe. Die Schlingnatter konnte erfolgreich wieder angesiedelt werden, und bereits haben diverse Zugvögel das Gebiet als Nahrungs- und Brutplatz in Beschlag genommen. In der Gruppe der naturbegeisterten Vogelfreunde fällt eine Person besonders auf: An einem Rollator gehend, beobachtet Klara Niedermann aus Wettswil die Natur und ihre Naturschutzverein-Kollegen aufmerksam und fast ein wenig wachsam. Langsam, aber konstant geht sie mit ihrer Gehhilfe der Gruppe entweder voraus oder sie kommt ihr langsam nach. «Das ist die beste Therapie, die es gibt. Bewegung, Natur und viel Sonne», sagt Niedermann strahlend, während sie auf ihrem Rollator sitzend allen, die es hören wollen, alle Pflanzen erklärt, welche sich gerade in ihrem Blickfeld befinden.

Offiziell wird das Projekt Naturschutzgebiet Fildern noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Dann überlassen die Menschen das von Menschen geschaffene Gebiet ganz der Natur. Auf das, was diese dann aus dem Gebiet neben Autobahnkleeblatt und S-Bahn machen wird, darf man sich freuen. Nicht nur wenn man aktiver Natur- und Vogelfreund ist.