Schlieren fördert schon seit längerem die Ansiedlung von Start-ups und ausländischen Firmen. Dies hat zur Folge, dass sich immer mehr Unternehmen im Pharma-, Biotech- und Autoindustrie-Bereich in der Stadt niederlassen. Doch auch Drohnenhersteller haben ein Auge auf Schlieren geworfen. Dies zeigt das Beispiel des chinesischen Drohnenentwicklers Yuneec, der 2016 eine Dépendance in Schlieren eröffnete. Der weltweit zweitgrösste Hersteller von Drohnen mit insgesamt 1000 Angestellten in China und den USA beschäftigt an der Wiesenstrasse 5 in seinem Advanced Technology Lab ein Team von neun Mitarbeitern.

Was den Standort so attraktiv für das Unternehmen aus Hong Kong macht, erklärte die Gründerin Jiang Wenyan gestern im Rahmen der Medienkonferenz der Standortmarketing-Organisation Greater Zurich Area. «Die Dichte an gut ausgebildeten Talenten in der Region hat uns bewogen, unser Unternehmen in Schlieren anzusiedeln», sagte Wenyan, die Yuneec 1999 in Hong Kong ins Leben rief. Sie sprach dabei die Nähe zur ETH, der Universität Zürich und den Hochschulen in Winterthur und Rapperswil und ihren Technologien an.

Es gebe auch viele Talente in ihrer Heimat. «In China kann man gut entwickeln und produzieren.» Doch fehle den Chinesen das Verständnis für den Bedarf und den Forschungsmarkt der Drohnen. Wenyan empfindet es als wichtig, auch in Europa mit einer Niederlassung vertreten zu sein. «So können wir das Wissen aus Europa, den USA und China nutzen, um die Drohnen auf die rechtlichen Bestimmungen wie etwa das Gewicht oder die Grösse der einzelnen Regionen anzupassen, damit die Produkte weltweit einsetzbar sind.»

Nähe zu Partnern

Ein weiterer Grund für die Ansiedlung in Schlieren sei die Nähe zu einer aktiven Drohnenentwickler-Gemeinschaft und wichtigen Schlüssel-Partnern wie etwa Lorenz Meier, der 2008 an der ETH das PX4-Ecosystem entwickelte. Dabei handelt es sich um das weltweit meist genutzte Betriebssystem für Drohnen. Meier lieferte drei weitere Erklärungen, warum Schlieren als Standort für Drohnenhersteller so attraktiv ist. «Es gibt nur zwei Standorte in Zürich, die nicht vom Flughafen kontrolliert werden, in denen es erlaubt ist, Drohnen draussen fliegen und testen zu lassen.» Der eine sei in Schlieren, der andere in der Nähe des Sihlcity.

Entscheidend sei auch die Umgebung in Schlieren. Auf dem Geistlich-Areal neben dem Sony-Gebäude befindet sich eine Wiese. «Sie ist für die Tests hervorragend geeignet. Man kann neue Produkte nicht über einem überbauten Gebiet ausprobieren», sagt Meier. Die Rolle von Agglomerationsgebieten wie Schlieren, die aber auch über einen ländlichen Teil verfügten, sei für Drohnenherstellern daher bedeutend. Hinzu komme, dass die Standortförderung Schlieren Start-ups und Firmen sehr entgegenkomme wie etwa durch kurzfristige Mietoptionen. Meier sieht sogar noch mehr Potenzial. «Wenn die Infrastruktur in Schlieren mit modernen Bürogebäuden und Restaurants ausgebaut wird, könnte es noch mehr Unternehmen anziehen.»

Das Leben erleichtern

Simone Guscetti leitet das Advanced Technology Lab an der Wiesenstrasse. Der Ingenieur und seine acht Kollegen sind für die Entwicklung der Software der Drohnen zuständig. «Wir kümmern uns um die Flugkontrolle. Dazu gehört etwa, dass das Flugobjekt sich selbst orientieren kann, nicht in Gebäude fliegt und qualitativ gute Fotos macht.» Die Drohnen, die sie herstellen würden, zielten darauf ab, das Leben von Menschen auf privater oder beruflicher Ebene einfacher zu gestalten. «Das Model H520 könnte zum Beispiel von der Polizei genutzt werden, um Fotos aus der Vogelperspektive zu schiessen. Das könnte bei der Aufklärung von Unfällen oder Verbrechen helfen.»

Bei der Standortförderung Schlieren ist man erfreut über den Zuzug aus China. «Die Firma ist eine gute Werbung für die Stadt. Wir hoffen, dass sich noch mehr solcher Unternehmen bei uns niederlassen, um ein weiteres erfolgreiches Cluster zu starten», sagt Albert Schweizer von der Standortförderung. Derzeit sei man mit zwei weiteren Drohnenherstellern in Kontakt, die sich für eine Ansiedlung interessieren. Auch die Firma Verity Studios, die aktuell eine Drohnen-Show für das neue Programm des Circus Knie entworfen hat, residierte bis vor drei Wochen noch in Schlieren. Da die Firmenräume saniert werden mussten, sei das Unternehmen nach Oerlikon gezogen, wie Verity Studios auf Anfrage mitteilte.

Yuneec scheint in Schlieren erfolgreich zu sein. Bis Ende Jahr plant die Firma eine Vergrösserung des Teams auf 15 Personen. Ziel sei ein längerfristiges Engagement in der Schweiz, so Weynan. Der Schweizer Unternehmergeist gefalle ihr. «Es geht nicht nur um Verkaufszahlen, sondern um Qualität, Kultur und Tradition.» Sie strebe an, etwas zu entwickeln, das der Menschheit künftig helfen wird. «In Schlieren ist das möglich.»