Interview

Schlieremer SVP-Politiker Beat Kilchenmann: «Nach Aussen gibt Links die Themen vor»

Beat Kilchenmann (links) bläst kein Trübsal wegen der Lage der SVP Schlieren. Denn ihr Wähleranteil ist auf dem Niveau der SVP Schweiz und der SVP Kanton Zürich.

Beat Kilchenmann (links) bläst kein Trübsal wegen der Lage der SVP Schlieren. Denn ihr Wähleranteil ist auf dem Niveau der SVP Schweiz und der SVP Kanton Zürich.

Beat Kilchenmann übergibt die Führung der SVP-Ortspartei Schlieren an die nächste Generation und zieht Bilanz.

Vergangene Woche gaben Sie nach fünf Jahren das Präsidium der SVP-Ortspartei Schlieren ab. Warum?

Die Frage müsste eher lauten, warum habe ich das so lange gemacht (lacht). Ursprünglich wollte ich das Amt für nicht mehr als zwei Jahre übernehmen. Ich wurde von den Parteimitgliedern aber sehr gut unterstützt, sodass ich es länger machte. Im vergangenen Jahr zeigte Moritz Berlinger Interesse am Präsidium, woraufhin er mir während eines Jahrs über die Schulter schaute und nun das Ruder offiziell übernommen hat.

Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Sieht man von den Wahlen ab und fokussiert auf die Arbeit im Parlament, sind die fünf Jahre gut verlaufen. Es ist uns stets gelungen, Allianzen zu finden. Die Verluste bei den Gemeindewahlen 2018 und den Kantonsratswahlen in diesem Jahr waren eigentlich die einzigen Wermutstropfen.

2014 war die SVP mit über 30 Prozent Wähleranteil noch die stärkste Kraft in der Stadt, verlor jedoch bekanntlich an Boden. Heute liegt der Wert bei gut 24 Prozent. Was ging schief?

Davon zu sprechen, dass etwas schiefgelaufen ist, ist falsch. Aus meiner Sicht ist das Glas nämlich halb voll. Natürlich fuhren wir Verluste ein, doch bewegt sich unser Wähleranteil in Schlieren auf dem Niveau der nationalen SVP. Wir machten zwar nichts besser als andernorts, aber auch nichts schlechter.

Dennoch verloren sie sechs Prozent ihrer Wähler.

Zahlreiche Faktoren spielen hier mit. Ich denke, es hat einige SVP-Wähler, die resigniert haben und sich fragen, was ein Urnengang überhaupt noch bringt, wenn Vorlagen wie die Masseneinwanderungsinitiative nicht richtig umgesetzt werden. Diese blieben vermutlich zu Hause. Weiter zogen wohl eher Wähler linker und grüner Parteien in die Schlieremer Neubau-Gebiete. Zudem machte etwa die GLP einen guten Wahlkampf und hat sich gekonnt inszeniert. Auch konnten die Grünliberalen mobilisieren. Schweizweit und im Kanton Zürich ist die SVP aber noch immer stärkste Kraft. Daher blasen wir kein Trübsal.

Welches Zukunftsszenario sehen Sie für die Stadt Schlieren: Geht die Stärke der Links- und Umweltparteien wieder zurück oder stellt sich eine Macht von SP, Grünen und AL ein, vergleichbar mit der Stadt Zürich?

Das ist natürlich enorm schwierig zu sagen. Die Stärke von Grünen und GLP steht oftmals in Zusammenhang mit Umweltereignissen. Vier Jahre später geht der Wähleranteil dann wieder zurück. Die SVP bleibt ihren Themen aber treu und legt sich sechs Wochen vor den Wahlen kein grünes Mäntelchen an, wie das andere taten. Ich verliere lieber ein paar Wählerprozente, betreibe aber eine konstante Politik, bei welcher der Wähler verlässlich weiss, woran er ist.

Sind die Themen der SVP in Schlieren noch gefragt?

Im Moment offenbar nicht. Ich schaue dies aber nicht als Problem an. Sorgen machen muss man sich, wenn die SVP wieder starken Zulauf hat. Dann nämlich hat auch der hinterste und letzte gemerkt, dass es um die Lage der Gemeinde, des Kantons oder der Schweiz nicht gut bestellt ist.

Im Schlieremer Parlament funktioniert die Zusammenarbeit der Bürgerlichen gut, die thematischen Schwerpunkte setzen jedoch die Linken und die GLP.

Das stimmt. Gegen aussen gibt Links die Themen vor. Wir in der SVP haben auch sehr viele Ideen, wo man die Stadt verbessern könnte. Doch machen wir uns viele Gedanken über die Kosten dieser Ideen. Um die Finanzen der Stadt ist es derzeit nicht rosig bestellt. Wir von der SVP haben im Parlament derzeit eher eine Controlling-Funktion und schauen, dass die Ausgaben nicht überborden. Im Gegensatz zu andern trennen wir das Wünschenswerte vom Notwendigen und gehen mit den Steuergeldern sorgsam um. Wir wollen keine Steuererhöhungen.

Die GLP- und SP/Grüne-Fraktion haben einen tieferen Altersdurchschnitt als etwa die SVP. Stockt bei Ihnen der Generationenwechsel?

Ganz und gar nicht. Wir hatten zahlreiche jüngere SVP-Mitglieder auf unserer Gemeinderatsliste vom vergangenen Jahr. Diese wurden aber leider nicht gewählt. Warum, weiss ich nicht. Doch rutschten mit Moritz Berlinger und Manuela Hemmi junge Politiker nach.

Tut sich der Schlieremer SVP-Wähler schwer mit Frauen? Obwohl einige auf der Liste vertreten waren, waren anfangs Legislatur nur Männer in Ihrer Fraktion zu finden. Warum?

Das müssen Sie die Stimmbürger fragen. Zahlreiche Wähler befassen sich nur an Wahlen mit Politik und entscheiden aufgrund von Sympathien, wen sie wählen. Da können Kandidaten oft nichts dafür.

Was war der Höhepunkt Ihrer letzten fünf Jahre als Präsident?

Wohl, dass drei Schulpfleger ins Gremium gewählt wurden und dies nicht zulasten eines anderen Bürgerlichen. Auch dass Stanislav Gajic direkt nach seinem Eintritt ins Parlament als drittes SVP-Mitglied in die Geschäftsprüfungskommission gewählt wurde, war ein Erfolg.

Und was würden Sie anders machen?

Manchmal hätte ich klarer kommunizieren können. Ich denke da ans Podium im Vorfeld zu den Stadtratswahlen vom vergangenen Jahr. Es wurde Kritik laut, dass kein solches organisiert wurde. Heute würde ich als Präsident des Parteiverbunds BPS (Bürgerliche Parteien Schlieren) dafür sorgen, dass alle Beteiligten deutlich miteinander sprechen und daraus ein Anlass für die verschiedenen Stadtratskandidaten entsteht.

Sie haben ja eine neue Aufgabe gefasst und sind seit dieser Woche zweiter Vizepräsident des Schlieremer Stadtparlaments. Erhob auch die GLP, die seit einem Jahr über Fraktionsstärke verfügt, Anspruch darauf?

Ja, das tat sie. Dies ist aber Beweis dafür, dass das Gemeindeparlament konsensorientierte Politik macht. So gab mir die GLP den Vortritt, da ich schon sehr lange dabei bin und die SVP turnusgemäss an der Reihe ist. Im kommenden Jahr wird aber die GLP jemanden fürs zweite Vizepräsidium portieren. Unterstützung wurde ihr von der interfraktionellen Konferenz zugesichert.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1