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Schlieremer Chind reloaded: Sek-Lehrer dreht witzige Hommage auf den Kinderchor

Sam National - Gömmer Zoo?

Sam National - Gömmer Zoo?

Der Walliseller Lehrer Sammy Frey, bekannt unter dem Alias Sam National, holt die Kinderlieder mit einem Video-Sketch ins Jahr 2017.

Wer kennt sie nicht, die Schlieremer Chind? Eine ihrer bekanntesten Platten beginnt mit einer Szene im lärmigen Klassenzimmer. Der Lehrer belohnt die Kinder mit einem Ausflug in den Zoo. Das Lied, das darauf folgt, können viele auswendig mitsingen: «Mir Chinde jubled ali luut, mir Chinde sind so froh, hüt lömmer Rächne Rächne sii und gönd defür in Zoo. Det wämmer ali Tierli gseh, obs gross sind oder chlii. Da chund scho s’Trämli um de Rank, mir stiiged weidli ii.»

Mit den Liedern auf der Platte «D’Schlieremer Chind – Mir gönd in Zoo» aus dem Jahr 1972 sind Generationen von Schweizer Kindern aufgewachsen. So auch Sammy Frey, 39-jähriger Musiker und Lehrer aus Schwerzenbach, der in Wallisellen Sek-BC-Klassen unterrichtet und unter dem Namen Sam National Musik produziert. Er begann, sich auszumalen, wie wohl seine Oberstufenschüler auf den Vorschlag eines Ausflugs in den Zoo reagieren würden. Bereits vor einem Jahr inspirierte ihn dies, ein Drehbuch zu schreiben.

D Schlierener Chind - "Mir gönd in Zoo"

Das Original von 1972: D Schlieremer Chind mit «Mir gönd in Zoo»

Nach eintägigem Dreh war der Kurzfilm am Pfingstmontag im Kasten. Entstanden ist eine witzige Persiflage des heutigen Schulalltags – und zugleich eine Hommage an die Schlieremer Chind, wie Frey sagt: Man bekommt Szenen zu sehen, wie sie sich überall in Schweizer Klassenzimmern abspielen könnten. Auf das euphorische «Mir gönd hüt in Zoo!» des Lehrers folgt ein entnervtes «Wiesoo?», gefolgt von: «Hat’s dort WLAN?» Schliesslich lassen sich die Schüler überzeugen – mit der Aussicht, Selfies mit den Zootieren zu schiessen. Dann stimmen alle den Schlieremer Klassiker an – natürlich mit abgewandeltem Text. «Mir Schüeler, mir sind happy und mir findets alli cool. Jetzt lömmer Rächne Rächne sii – Hauptsach s’isch kei Schuel. Det chömmer Selfies mache mit de Leu und allne Tier. De Lehrer hockt im Kafi, und mir trinked heimlich Bier.»

12 000 Klicks auf YouTube

Seit seiner Publikation am Samstag zählt Sam Nationals Video auf YouTube bereits über 12 000 Klicks, auf Facebook sind es knapp 20 000 Aufrufe (Stand Montag). Bisher hat Frey nur positive Reaktionen erhalten. «Die Schüler waren begeistert, obwohl sie das Original nicht kannten», so Frey. Seine unterschwellige Botschaft: Man muss die Jungen dort abholen, wo sie sind. Mit «Kopf, Herz und Handy – und mit mehr Dreck», wie es im Abspann des Videos augenzwinkernd heisst.

Amüsiert über die zeitgenössische Adaption zeigt sich auch Martin von Aesch, der die künstlerische Leitung des Schlieremer Chors innehat: «Ich finde es wunderbar, dass Lehrer immer noch mit den Schlieremer-Chind-Klassikern arbeiten und sie so am Leben erhalten.»

60 Jahre ist es her, seit unter der Leitung von Werner von Aesch, Lehrer aus Schlieren und Mitglied des legendären Cabaret Rotstift, der erste Tonträger der Schlieremer Chind aufgenommen wurde. Nach seiner Pensionierung übergab von Aesch das Projekt 1985 seinem Sohn Martin. Heute sind die ältesten Schlieremer Chind schon über 65 Jahre alt, die jüngsten etwa zwölf. Letztere machten vor sechs Jahren bei der letzten CD mit – «Schaurig schöni Liedli». Den Chor von damals gibt es nicht mehr. Nach der letzten Aufführung im November 2011 wurde er aufgelöst.

Für jedes Projekt suchen die Produzenten jeweils neue Kinder, die mitmachen wollen. Wann es das nächste Mal so weit sein wird, ist noch ungewiss. Momentan arbeite er an einem neuen Bühnenprogramm, so von Aesch. Der Arbeitstitel: «Chinderlieder für Erwachsene». Doch sei die Begeisterung für die Klassiker vor allem bei jüngeren Kindern auch heute ungebrochen: «Wenn ich in einem Kindergarten ein Konzert gebe, singen die Kinder immer freudig mit.»

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