Tennis
Sandro Ehrat ist die letzte Schweizer Hoffnung in Schlieren

Die Viertelfinals der Pro Open in Schlieren mit Vorjahresfinalist Sandro Ehrat bieten hochklassiges Tennis. Am Wochenende stehen die Halbfinals und die Finalspiele im Einzel und Doppel an.

Florian Schmitz
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Tennis Pro Open in Schlieren
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Als würde er in der Luft stehen bleiben: eine wuchtige Rückhand von Paul.
Ehrat ist so schwungvoll unterwegs, dass der Sand beim Auftreten wegspritzt.
Paul erreicht den Ball rutschend. Im Hintergrund lockt die Aussicht auf den Gubrist und die Villa Sparrenberg am Waldrand.
Einige Zuschauer verfolgen das Duell zwischen Ehrat und Paul von der Tribüne aus.
Keine Chance: Beim Vorrücken ans Netz ist Paul zu spät und wird passiert.
Beim Seitenwechsel sind die Spieler voll auf sich selber fokussiert.
Mit voller Kraft zieht Ehrat die Vorhand durch.
Jakub Paul (rechts) gratuliert Sandro Ehrat zum Sieg
Interessierte Zuschauer verfolgen den Auftritt der Taylor-Brüder. Schon letztes Jahr spielten Jason (vorne) und Adam in Schlieren.
Die Taylor-Brüder auf der Bank beim Seitenwechsel.
Souverän verwertet Petr Nouza am Netz den Volley.
Beste Sicht auf den Nebenplatz, wo die Doppel ausgetragen werden.
Auf dem Gelände können auch Schläger bespannt werden und das OK hat sogar einen kleinen Shop aufgebaut.
Zwischen den Sätzen wischen Helfer die Plätze und putzen die Linien.

Tennis Pro Open in Schlieren

Florian Schmitz

Passender hätte das Spiel zwischen dem topgesetzten Vorjahresfinalisten Sandro Ehrat und Jakub Paul nicht enden können. Mit viel Einsatz wehrt Paul zwei Matchbälle ab, lässt aber anschliessend zwei Breakbälle verstreichen und verliert das Game und damit den Satz gleich mit 0:6. Das Resultat wird dem Spielverlauf nicht gerecht: Nach dem 2:6 im ersten Satz führt Paul bei eigenem Aufschlag gleich zwei Mal mit 40 zu 15, nur um jeweils doch noch gebreakt zu werden. «Er hat gut retourniert. Aber ich war von der Grundlinie aus sehr solide und hatte das Gefühl, immer die Oberhand zu haben», sagt Ehrat – die Nummer 289 der Welt und der viertbeste Schweizer hinter Roger Federer, Stan Wawrinka und Henri Laaksonen – nach dem Sieg. Das habe ihm in den Ballwechseln Sicherheit gegeben.

Das hochkarätige Schweizer Duell am Freitagvormittag ist der Auftakt zu den Viertelfinals am Pro-Open-Turnier in Schlieren. Zum zweiten Mal findet das mit 25 000 Franken dotierte Turnier der International Tennis Federation auf der Anlage des TC Schlieren statt. Trotz nassem Start ist OK-Chef Klaus Strehler vom TC Schlieren mit dem bisherigen Turnierverlauf sehr zufrieden. Wegen Dauerregen mussten alle Dienstagsspiele abgesagt werden. Doch weil die Organisatoren am Mittwoch auf zusätzlichen Plätzen spielen liessen, war das Turnier am Donnerstag wieder zurück im Zeitplan.

Viele Schweizer im Haupttableau
Die Arbeit der rund 50 im Einsatz stehenden Helfer und OK-Mitglieder sei hervorragend, lobt Strehler. Bei der Organisation konnte der TC Schlieren auf die Erfahrung aus dem letzten Jahr zurückgreifen. Das habe vieles vereinfacht, so Strehler, der auch sportlich vom bisher Gebotenen angetan ist. Es sei schön, dass sich gleich acht Schweizer für des Haupttableau qualifizieren konnten und deshalb in der 1. Runde 15 von 32 Spielern aus der Schweiz stammten. «Diese Turniere dienen ja auch dazu, jungen Schweizer Talenten eine Plattform zu bieten», so Strehler.

Nicht nutzen konnte diese Chance Jérôme Kym, die derzeit grösste Nachwuchshoffnung im Schweizer Männertennis. Der 16-Jährige erreichte bei den Schweizer Meisterschaften überraschend den Final gegen Henri Laaksonen und kam im Februar als bisher jüngster Schweizer zu seinem ersten Einsatz im Davis-Cup. Ausgestattet mit einer Wildcard, musste sich der fast zwei Meter grosse Aargauer in der 2. Runde dem deutschen Mitfavoriten Daniel Masur (Weltnummer 318) 0:6, 2:6 geschlagen geben.

Bei den Spielern kommt das Turnier in Schlieren gut an. Die australischen Brüder Adam und Jason Taylor, die letztes Jahr in Schlieren im Doppel den Halbfinal erreicht hatten, lobten vor ihrem Einsatz gegen die Tschechen Petr Nouza und David Skoch die guten Sandplätze. Auch von anderen Spielern habe er viel positives Feedback erhalten, sagt Strehler. «Dass die Spieler dieses Jahr auf der Anlage einmal täglich gratis essen können, hat viele gefreut.» Das ist bei Turnieren auf dieser Stufe unüblich und für die Spieler besonders wertvoll, weil viele von ihnen mit Tennis nicht allzu viel Geld verdienen und auf jeden Franken achten müssen.

Beim Mittagessen mit den Spielern plaudern
Dass hier zwar hochklassige Tennisspieler, aber keine Stars am Werk sind, zeigt sich an der ungezwungenen Atmosphäre auf der Anlage. Abgesehen von einem Rückzugsort mischen sich die Spieler ganz selbstverständlich unter die Besucher. Während Jakub Paul seine Niederlage im Klub-Restaurant beim Warten auf seine Pizza verdaut, nähert sich ihm eine ältere Frau: «Du hast viel besser gespielt als das Resultat. Mach weiter so», gibt sie dem 20-Jährigen mit auf den Weg.

Während Ehrat im Doppel zusammen mit Damien Wenger auf dem Nebenplatz knapp gegen die Johnson-Zwillinge unterliegt, sichert sich Benjamin Bonzi mit einem 7:6, 6:3- Sieg gegen Julian Ocleppo das Halbfinal-Duell gegen Ehrat. In den weiteren Viertelfinals gewann Laurynas Grigelis mit 6:4, 7:6 gegen Ronald Slobodchikov und Daniel Masur besiegte den Schweizer Qualifikanten Mirko Martinez mit 6:0, 6:3. Am Samstag und Sonntag stehen die Halbfinals und die Finalspiele im Einzel und Doppel an.