Wissenschaft
Salzsee unter 700 Meter dicken Eisschicht: Zürcher Geophysikerin entdeckt Weltsensation

Anja Rutishauser aus dem Kanton Zürich hat im arktischen Norden von Kanada zwei Salzseen unter der dicken Eiskappe der Insel Devon entdeckt. Diese Weltsensation könnte auch neue Erkenntnisse über Leben im All ermöglichen.

Cyprian Schnoz
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Anja Rutishauser entdeckte auf der kanadischen Insel Devon die Salzseen unter dem Eis.

Anja Rutishauser entdeckte auf der kanadischen Insel Devon die Salzseen unter dem Eis.

zvg

Anja Rutishausers Entdeckung ist kürzlich im Magazin «Science Advances» publiziert worden und hat umgehend für Aufregung unter Wissenschaftlern gesorgt. Die Geophysikerin aus Steinmaur im Kanton Zürich hatte den Untergrund der 500 bis 750 Meter dicken Eiskappe auf der Insel Devon im hohen Norden von Kanada untersucht. Die Radarmessungen ergaben, dass sich da unten zwei je fünf bis sieben Quadratkilometer grosse Seen befinden. Da das Wasser in einem flüssigen Zustand ist, muss es extrem salzhaltig sein. Rutishauser geht von einer Salzkonzentration aus, die vier- bis fünfmal höher ist als jene von Meerwasser.

Es sind dies die weltweit ersten sogenannten hypersalinen Seen, die unter einer Eiskappe gefunden wurden. «Diese Seen sind absolut einzigartig, weltweit, und das ist sehr aufregend», sagte die 30-Jährige gegenüber CBC News. Die Salzseen liegen weit über Meereshöhe und haben auch keinen Kontakt zum Ozean.

Belagerung durch Medien

Derzeit wird die Wissenschaftlerin, die an der Universität von Alberta ihren Abschluss macht, von den Medien förmlich belagert: «Seit letzter Woche bin ich am Interviews-Geben, habe mittlerweile aufgehört zu zählen...», schrieb sie vor wenigen Tagen ihren Eltern Brigitte und Erich Rutishauser in Steinmaur.

Zwar sind rund 400 Seen unter Gletschern bekannt, vor allem in der Antarktis und in Grönland, doch gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich dabei ausschliesslich um Süsswasserseen handelt. Wie die Salzseen unter Devon Island entstanden sind, steht noch nicht fest. Sie könnten durch Salzablagerungen aus dem Gestein unterhalb des Gletschers gebildet worden sein. Durch den hohen Salzgehalt dürfte das Wasser auch bei extrem tiefen Temperaturen immer flüssig bleiben. Zudem dürften die Seen seit Jahrmillionen in absoluter Dunkelheit, in grosser Kälte und ohne Kontakt zur Atmosphäre existieren. Mit Tiefenbohrungen sollen Wasserproben entnommen und auf das Vorhandensein von Leben in Form von Mikroben untersucht werden.

Leben im All?

Bis die weiteren Untersuchungen zu klaren Resultaten führen werden, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Bereits diesen Frühling soll ein detaillierterer geophysikalischer Überblick über die Situation gewonnen werden. Die nötige Finanzierung soll auf gutem Weg sein.

Sollte mikrobisches Leben in diesen total isolierten Salzseen gefunden werden, könnten Rückschlüsse auf mögliches Leben im All gezogen werden. «Die Erforschung dieser Seen kann uns vielleicht helfen, die Möglichkeiten und Grenzen von Leben in solchen extremen Umgebungen auf der Erde zu verstehen, aber auch auf anderen Himmelskörpern», sagte Rutishauser. So zum Beispiel auf «Europa», einem der eisbedeckten Monde, die den Planet Jupiter umkreisen. Unter seiner ewigen Eisschicht wird flüssiges Salzwasser vermutet.