Schlieren
Rotbuche im Schutzinventar: Stadtrat sorgt für mehr Verwirrung als Transparenz

Mit dem Erhalt der Schlieremer Stadtplatz-Buche im kommunalen Schutzinventar wollte der Stadtrat für Transparenz sorgen. Dies führte allerdings eher zu mehr Verwirrung.

Alex Rudolf
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Die Spezialisten der BNB Group sind nun dabei, den Baum nachzupflegen und ihn intensiv zu bewässern.

Die Spezialisten der BNB Group sind nun dabei, den Baum nachzupflegen und ihn intensiv zu bewässern.

SEVERIN BIGLER

Nachdem die Buche auf dem Schlieremer Stadtplatz in einer aufsehenerregenden Aktion am Montag um 150 Meter verschoben wurde, werden nun Details zum Konflikt um den Baum öffentlich. In seiner Antwort auf die kleine Anfrage von CVP-Gemeinderat Rolf Wegmüller nimmt der Stadtrat Stellung zum Baum-Dossier. Wegmüller wollte wissen, wann und in welchem Verfahren der Baum aus dem städtischen Schutzinventar entlassen wurde.

Bezüglich der Entlassung des Baums aus dem Inventar kam kein ordentliches, sondern ein Spezialverfahren zum Einsatz, schreibt die Exekutive in ihrer Antwort. «Sie erfolgte im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens, das bei Bahnen und Anlagen das Baubewilligungsverfahren ersetzt.» Die Pläne waren auf der Stadtverwaltung im November 2013 öffentlich einsehbar, woraufhin beim Bundesamt für Verkehr zahlreiche Einsprachen gegen das Bauvorhaben eingingen. «Es ging jedoch keine gegen das beabsichtigte Fällen der Buche ein.»

Eine vorgängige Entlassung aus dem Naturinventar sei bei diesem Verfahren gemäss kantonalem Recht nicht erforderlich. Die Entlassung des Baums aus dem Inventar sei zudem ein Teil eines Beschlusses des Bundesamts für Verkehr, der nicht öffentlich einsehbar ist. Er kann auch nicht nachträglich eingefordert werden, da alle jene, die im Rahmen der öffentlichen Auflagefrist kleine Einsprache eingereicht haben, vom weiteren Verfahren ausgeschlossen sind.

«Antwort ist Wischiwaschi»

Auch informierte sich Wegmüller darüber, warum der Vermerk «sehr wertvoll» auf der städtischen Website bis vergangenen November beibehalten worden sei. Der Stadtrat schreibt, er habe damit nichts verheimlichen wollen. «Das Objektblatt war aufgeschaltet, mit der Idee, transparent zu bleiben.» Aber: Selbst wenn der Vermerk «wertvoll» oder «sehr wertvoll» angebracht sei, heisse dies nicht, dass der Baum automatisch geschützt sei. «Im Nachhinein muss festgestellt werden, dass diese Massnahme zu mehr Verwirrung als Transparenz führte.»

«Die Antwort ist Wischiwaschi. Ich bin gottenfroh, dass der Baum zwischenzeitlich gerettet werden konnte», sagt Wegmüller auf Anfrage.

Weitere 80 Jahre: So geht es der Schlieremer Rotbuche

«Der Baum hat den Transport sehr gut überstanden. Die Bedingungen sind sensationell», sagt Andreas Bernauer, der als Projektverantwortlicher der BMB Group die Schlieremer Rotbuche verpflanzt hat. Am Montag wurde der Baum im Schritttempo per Lastwagen vom Stadtplatz, wo er dem Bau einer Haltestelle der Limmattalbahn im Weg stand, 150 Meter nach Westen versetzt. Dort wurde er in eine vom Teer befreite Fläche der Ringstrasse verpflanzt.

Die Buche verlangt noch intensive Nachpflege: Momentan arbeiten laut Bernauer vier Personen daran, dass die Buche optimal gedeihen kann. So wird der Baum in der nächsten Zeit mit 1000 Litern gewässert. Ausserdem bekam er eine Wellness-Behandlung mit stark mineralhaltiger Erde, damit er genug Nährstoffe erhält. Die Buche steht aber momentan wegen des Transportes noch nicht so stabil wie bisher. Deshalb sollen jetzt Stahlseile angebracht werden, die verhindern, dass der Baum von Schnee und Wind schiefgestellt wird. Die Verankerung solle fünf Jahre bestehen bleiben, bis die Wurzeln wirklich fest angewachsen sind, so
Bernauer.

Die Buche ist bereits 70 bis 80 Jahre alt. Bernauer ist für den berühmtesten Schlieremer Baum zuversichtlich: «Die Bedingungen, die sie jetzt hat, sind wirklich aussergewöhnlich gut, deshalb ist es durchaus möglich, dass sie weitere 80 Jahre überlebt.» (LEI)