Es ist noch dunkel, windig, kalt und nass. Roger Bartholdi ist trotzdem mit dem Velo unterwegs. Er ist sportlich und wetterfest. 2017 war er Finisher als Single-Athlet am Zürcher Gigathlon. Sein Ziel ist der Bahnhof Altstetten – Flyer und Giveaways verteilen. CVP-Stadtratskandidat Markus Hungerbühler ist schon dort. Dieser verteilt täglich frühmorgens Flyer irgendwo in der Stadt, Bartholdi gesellt sich so oft wie möglich dazu. Man begrüsst sich und scherzt über dieses und jenes. Wenn ganz Top 5, das bürgerliche Bündnis für die Zürcher Stadtratswahl, so harmoniert wie die zwei, dann solle ja nichts mehr schiefgehen können, denkt man.

Dennoch wäre Bartholdis Wahl natürlich eine Überraschung, wäre er doch seit 1990 wieder der erste SVPler im Stadtrat. Und man würde dann wohl sagen: Gewählt wurde er, weil er eben so gar nicht SVP ist. Das liesse sich unter anderem damit belegen, dass er bei seiner Arbeitgeberin UBS als Arbeitnehmervertreter tätig ist und sich im Bankpersonalverband an führender Stelle engagiert. Dies hat ihm sogar Wahlempfehlungen des Gewerkschaftsbundes und des kaufmännischen Verbandes eingebracht.

Gesundheit das Wichtigste

Indes wäre seine Wahl auch folgerichtig. «Ich lasse mich gerne für etwas einspannen und ende dort nicht selten in führender Position», sagt er. So ist er mittlerweile zum Beispiel Triathlon-Ober-Schiedsrichter. Ein solcher führt bis zu 20 Leute. Er entscheidet vor Ort, ob die äusseren Bedingungen für die Durchführung eines Wettkampfs den Athleten zumutbar sind – falls nicht, sagt er ihn ab. «Die Gesundheit ist das Wichtigste», betont Bartholdi. Auch sein arbeitnehmerisches Engagement hat er mittlerweile auf die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz fokussiert.

Olympia-Schiedsrichter im Triathlon könnte noch ein Ziel sein, fügt er hinzu, aber dafür sei er nun ja fast zu alt. Mit dem Käppi, das an diesem Morgen seine grauen Haare verdeckt, wirkt der 49-Jährige allerdings sehr jugendlich.

Anfang in der Autolackiererei

Seine Lehre hat er als Autolackierer gemacht; der Vater hatte eine Autolackiererei. Während der Lehre besuchte er fast jeden Abend und samstags die Volkshochschule. Den Weg in die UBS, wo er im Bereich Compliance und Risk Controlling tätig ist, ebneten ihm eine Informatik-Ausbildung an der Volkshochschule und Abendkurse in Fremdsprachen.

1994 wurde er Schulpfleger, seit 2002 politisiert er im Gemeinderat, den er 2016/2017 präsidierte. Als Mitglied unter anderem der Geschäftsprüfungskommission weiss er, wie die Zürcher Behörden ticken. Hinzu kommen Mitgliedschaften im Stiftungsrat des BVG-Sicherheitsfonds, im Vorstand der TCS-Gruppe Zürich, in der Regionalen Verkehrskonferenz Zürich und der Stifterversammlung Wildnispark Zürich.

In seinen Ansichten ist er durchaus auf SVP-Linie. Er findet, Zürich soll bei Rekordsteuereinnahmen keine Defizite ausweisen. Steuern, Gebühren und Abgaben seien zu senken. Und er freut sich über die Absicherung des Bankkundengeheimnisses im Inland.
Angefangen hat er in der Auto-/Freiheitspartei. Heute besitzt er nur noch ein Auto wegen der zwei Landseer-Hunde, die zum Haushalt der Eheleute Bartholdi gehören. Sie engagieren sich auch im Landseer-Verein.