13 Jahre lang sass er für die SVP im Dietiker Parlament, 2014 wurde er in die Exekutive gewählt, wo er seither neben seiner Arbeit als Abteilungsleiter Finanzen in der Gemeinde Dällikon als Sozialvorstand wirkt. Nun setzt er an zum nächsten Sprung auf der politischen Karriereleiter. Roger Bachmann (47) möchte der nächste Stadtpräsident von Dietikon werden und damit Otto Müller (FDP), der nicht mehr antritt, beerben. Die FDP unterstützt Bachmanns Kandidatur. Nach dessen Nominierung bezeichnete sie ihn als den «logischen Kandidaten». Beim Interview zeigt sich Bachmann dossiersicher und entspannt, aber mit einem starken Willen, das Amt zu übernehmen.

Herr Bachmann, erwarten Sie einen harten Wahlkampf?

Roger Bachmann: Mit hart im Sinne von unfair rechne ich nicht. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es keine Dreckeleien gibt und sich alles auf der Sachebene abspielt.

Welches übergeordnete Thema ist Ihnen besonders wichtig?

Ich möchte die Identifikation der Dietiker mit ihrer Stadt fördern. Manchmal leiden wir unter Minderwertigkeitskomplexen, die wir nicht nötig haben. Dietikon ist eine lässige, vielseitige Stadt. Wir dürfen uns nicht auf gewisse Themen wie die hohe Ausländerrate und die vielen Sozialhilfebezüger reduzieren lassen.

Nichtsdestotrotz sind diese Probleme real, genauso wie die mit dem zunehmenden Verkehr.

Wir waren im Stadtrat nicht untätig, was den Verkehr anbelangt. So gibt es ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept mit vielen guten Ideen. Jetzt muss es in die Tat umgesetzt werden. Vor allem in der Steinmürlistrasse und im Zentrum gibt es Handlungsbedarf.

Wie stehen Sie zur Limmattalbahn?

Man muss den Bau als Teil des Gesamtverkehrskonzepts sehen, in dem die flankierenden Massnahmen für den Strassenverkehr ein wichtiger Bestandteil sind. Die Ängste und Befürchtungen der Bahngegner sind aber ernst zu nehmen. Und wie auch immer dereinst über die zweite Etappe entschieden wird, gilt es, die Gräben, die entstanden sind, so rasch als möglich zu überwinden.

Auch wer nicht dagegen ist, hegt Befürchtungen. Etwa das Gewerbe.

Bevölkerung wie Gewerbe dürfen nicht übermässig unter der Bautätigkeit leiden. Sollte die Bahn allerdings ab Schlieren nicht weiter gebaut werden, würde Dietikon vom kantonalen Gesamtverkehrskonzept abgehängt. Das wäre verheerend für die Stadtentwicklung.

Warum?

Der Bau der Bahn hängt eng mit dem Wohnbau zusammen. Ohne die Bahn würden mögliche Investoren das Interesse verlieren.

Sie sind bekannt als Kritiker der Dietiker Bevölkerungsstruktur.

Die Bevölkerungsstruktur hat Auswirkungen auf die wichtigen Themen Soziales, Finanzen und Bildung. Dietikon hat viele sozial schwache Bewohner, die nur wenig Steuerkraft generieren und das Sozialsystem belasten. Die Ursache dafür sehe ich in der umfangreichen alten Bausubstanz. Hier muss man ansetzen.

Was hat das mit der Limmattalbahn zu tun?

Mithilfe einer guten Infrastruktur gilt es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Stadt für private Investoren und für Grundeigentümer attraktiv wird. Denn es ist nicht primär die Aufgabe der Stadt, Geld in die Hand zu nehmen; sie hat eine unterstützende Funktion. Sie muss zwischen den Partnern vermitteln und gleichzeitig für die Stadt und die Bevölkerung das Optimale herausholen.

Und wie verändert das die Bevölkerungsstruktur?

Wenn neuer, moderner Wohnraum entsteht, wird verhindert, dass immer noch mehr sozial schwache Menschen vor allem aus Zürich nach Dietikon ziehen. Andernfalls würden die sozialen Lasten immer noch höher steigen.

Ein grosser Teil der Dietiker Bevölkerung darf nicht wählen. Ist das nicht fatal für die Stadtentwicklung?

Sie meinen die Ausländer. Auch diese Dietiker kann man nicht ausklammern. Wogegen ich mich aber wehre, ist, dass im Zusammenhang mit der Integration immer Forderungen an die Stadt herangetragen werden, ohne dass eine Gegenleistung kommt. Oft wird gar nicht versucht, sich an die schweizerische Kultur anzupassen. Integration beruht aber auf Gegenseitigkeit.

Das Thema scheint Ihnen sehr wichtig zu sein.

Das sage ich knallhart: Wer nicht bereit ist, sich anzupassen, der hat hier keine Chancen. Aber natürlich gibt es auch viele Leute, die sich bemühen.

Sind Sie eigentlich gläubig?

Ich bin zwar keiner, der jeden Sonntag in die Kirche geht. Aber man muss wissen, dass unser Staats- und Gesellschaftssystem auf unserer christlichen Kultur fusst. Gegenüber solcher Art Aktionen wie die des muslimischen Vaters aus Dietikon, der seine Kinder keine Weihnachtslieder in der Kirche singen lassen wollte, vertrete ich eine Null-Toleranz-Politik.

Wie würden Sie Ihre politische «Handschrift» beschreiben?

Sie ist geprägt von meiner langen Berufs- und Führungserfahrung. Für Entscheidungen brauche ich nicht lange. Das kann manchmal riskant sein, aber auf jeden Fall gibt es keinen Stillstand. Meinen Mitarbeitern setze ich klare Zielvorgaben, lasse ihnen dann aber viele Freiheiten.

In einem Interview mit der Limmattaler Zeitung kurz nach Ihrer Nominierung äusserten Sie sich zum Klima zwischen Parlament und Exekutive.

Als Stadtpräsident werde ich die Fronten etwas aufweichen und für einen besseren und vor allem frühzeitigeren Austausch sorgen. Bei grösseren Projekten könnte man auf diese Weise viel Luft rausnehmen aus dem zeitlichen Druck, unter dem ein Projekt manchmal in der letzten Phase leidet. Das verhindert Missmut aufseiten des Gemeinderats.

Wenn wir Ihre Stadtratskollegen fragen würden, wie sie Sie einschätzen – was würden die wohl sagen?

Dass ich ein Macher bin mit dem Ziel vor Augen, einer, der umgänglich ist, aber auch mal auf den Tisch klopfen kann. Grundsätzlich haben wir eine gute Kultur im Stadtrat. Ich hoffe, dass das auch in der neuen Zusammensetzung so bleibt.