Es ist heiss im grossen Saal des Stürmeierhuus. Doch das hält die Schlieremer Seniorinnen und Senioren nicht davon ab, sich und ihre Altersgenossen gebührend zu feiern. Denn der erste Mittwoch im Juni gilt ihnen. Zu Ehren derer, die dieses Jahr die 80-Jahre-Marke erreichen, wird ein Fest veranstaltet.

Die Feier beinhaltet ein Vier-Gang-Zmittag, Schwyzerörgeli-Musik und eine Aufführung der Tanz- und Gymnastikschule Schlieren. Die Ortsvertretung der Pro Senectute organisiert diese Festlichkeiten jährlich im Auftrag der Stadt Schlieren und der katholischen und reformierten Kirchgemeinde.

Bruno Rüegg, Leiter der örtlichen Pro Senectute, steht am Eingang bereit, um die Jubilarinnen und Jubilare und ihre Begleitungen zu begrüssen. Während des Apéros spielt die Musik-Gruppe Buntgemischt ein paar Stücke. «Sie heissen Buntgemischt, dabei sind sie gar nicht bunt. Die sind ja alle gelb», scherzt einer der Gäste. Die Atmosphäre ist gemütlich und heiter, aber nicht laut.

«Früher gab es immer Braten»

Es wirkt wie eine Art Klassenzusammenkunft, wo sich alte Freunde wieder treffen und sich austauschen können. Die meisten setzen sich rasch an einen Tisch, wo sie das Menü erwartet. Dieses besteht aus traditionellen Schweizer Gerichten. Unter anderem wird den Jubilarinnen und Jubilaren Rindsbraten nach Grossmutterart mit Stocki und zur Nachspeise Brännti Creme aufgetischt. «Früher gab es bei uns am Sonntag immer einen Braten», sagt eine Dame. Aber wenn man nur noch zu zweit sei, lohne sich der Aufwand nicht. Ihre Tischnachbarn stimmen ihr zu.

«Wissen Sie, ich bin voll im Stress. Montag und Dienstag bin ich beim Jassen, heute hier und nächste Woche gehe ich zur Insel Mainau», erklärt Anni Brun, eine der Jubilarinnen. Sie ist ein Schlieremer Urgestein, lebt seit 56 Jahren in der Gemeinde.

Kurz bevor das Essen serviert wird, ergreift Rüegg das Wort. Er organisiert diesen Anlass seit 18 Jahren. Rüegg nimmt die Geburtstagskinder mit auf eine Zeitreise. Dabei wird viel gelacht und man lässt schöne Erinnerungen Revue passieren. Einen kurzen Moment wird es bedrückend ruhig im Saal, nämlich als ihr Geburtsjahr angesprochen wird. «Heute sind Vorkriegs- und Kriegskinder hier. Das hatten wir noch nie.» Eine eindrückliche Premiere. «Aber heute steht das Positive im Mittelpunkt.»

Zu den Feierlichkeiten erschienen 38 der 91 geladenen Gäste. «Das ist zwar weniger als in früheren Jahren, aber immer noch ein besserer Prozentsatz als bei den Wahlen und Abstimmungen», scherzt Rüegg.

Das Zmittag kommt bei den Seniorinnen und Senioren gut an. «Es ist schön, wieder einmal einen Rindsbraten zu essen. Bei uns gibt es das sehr selten», sagt eine Jubilarin. Zum Schluss gibt es noch die Ballett- und Tanzvorführung. Die 55 Jugendlichen präsentieren ihr Programm für das anstehende Schlierefäscht. «Ich finde es toll, dass diese Jugendlichen ihren freien Nachmittag opfern, um für uns aufzutreten», so Rüegg. Das wisse er zu schätzen, ausserdem finde er die Truppe klasse. Beim Kaffee spielt wieder die Gruppe Buntgemischt – und einige Seniorinnen und Senioren singen vergnügt mit.