Baugeno
Riesen-WG mit Privatsphäre

Ohne Spekulanten lässt sichs auch mitten in Zürich gut, günstig und ökologisch wohnen Stadtzürcher Baugenossenschaften sind auf Wachstums-kurs. Dabei wird der Gemeinschafts-Gedanke nach wie vor hochgehalten. In der Genossenschaftssiedlung Kalkbreite wird die Idee: «Wenig Platz für einen, viel Platz für alle» besonders konsequent umgesetzt.

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Limmattaler Zeitung

Andrea Trueb

Kleine Wohnungen, dafür viel Platz für die Gemeinschaft und eine hohe Umweltverträglichkeit: Dies sind die Kernpunkte der genossenschaftlichen Wohn- und Gewerbesiedlung auf dem Kalkbreiteareal an der Badenerstrasse in Zürich. Gestern Dienstag hat das Hochbauamt der Stadt Zürich und die Genossenschaft Kalkbreite das Siegerprojekt «Arpa» der Müller Sigrist Architekten AG vorgestellt, nach deren Vorgaben das Tramdepot im Stadtkreis 4 überbaut werden soll.

Wohn-Joker zum Dazumieten

85 unterschiedlich grosse Wohnungen und 4000 m2 Gewerbeflächen sollen bis 2013 nach den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft erstellt werden. Über die Wohnebenen verteilte Wohn-Joker (rund 20 m2 grosse Zimmer) können dazugemietet werden. Einen wichtigen Bestandteil der Überbauung bildet das 3200 m2 grosse Tramhallendach, das als begrünte Terrasse für die Bewohner der Siedlung und des Quartiers ausgestaltet wird.

Speziell ist auch die «Rue intérieure»: ein Gang, der durch das ganze Gebäude hindurch führt und Gemeinschaftsküchen, Kleinwohnungen, Terrasse und Innenhof verbindet. Die Entwicklung der Überbauung auf den Tram-Abstellgeleisen sei eine grosse Herausforderung gewesen auf dem Niveau Triemlispital oder Stadion Letzigrund, sagte Peter Ess, Direktor Amt für Hochbauten. Besonders knifflig sei die Einhaltung der Lärmvorschriften gewesen: «Eigentlich kann man an so einem zentralen Ort überhaupt keinen Wohnungsbau machen.»

Mehr - und noch immer zu wenig

Nebst der Siedlung auf dem Kalkbreiteareal sind auf Stadtgebiet weitere Non-Profit-Projekte geplant - oder stehen bereits in Bau. So realisieren der Schweizerische Verband für Wohnungswesen und die Stadt Zürich auf dem Leutschenbach-Areal eine gemeinnützige Siedlung mit 450 Wohnungen und Arbeitsflächen. Und die Bau- und Wohngenossenschaft Kraft-Werk 1 baut bis 2010 im Heizenholz in Zürich Höngg ihre zweite Siedlung mit einem Wohnangebot für rund 70 Personen. Ein drittes Kraft-Werk, so munkelt man, sei geplant.

Laut Statistik Stadt Zürich gehört jede vierte Wohnung in der Stadt heute der öffentlichen Hand oder einer Baugenossenschaft. Konkret zählten die Statistiker 2007 in Zürich 36 813 Wohnungen von Baugenossenschaften, das sind 2635 mehr als noch 1996. Dennoch sind Genossenschaftswohnungen laut Mieterverband der Stadt Zürich noch immer nur eine bedingte Hilfe auf dem ausgetrockneten Wohnungsmarkt. Dafür sei der Bestand

an Genossenschaftswohnungen in der Stadt noch immer zu klein beziehungsweise die Verweildauer dank Kündigungsschutz und guten Wohnbedingungen zu lang.

Einer der wichtigen Mitspieler auf dem nicht-spekulativen Wohnungsmarkt ist die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ). Laut Martina Ulmann unterhält die ABZ zurzeit rund 4700 Wohnungen - 470 wurden 2007/08 in Zürich Affoltern gebaut. Die Leute bräuchten immer mehr Wohnraum, stellt Ulmann im Rückblick über die vergangenen Jahre fest. Unverändert wichtig geblieben sei jedoch der Aspekt der Gemeinschaft.

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