Birmensdorf
Rekruten ermöglichen Neustart: Das Restaurant Igel in der Kaserne ist wieder offen

Das Restaurant in der Kaserne Reppischtal feiert kürzlich die Wiedereröffnung nach langer Schliessung. Die Chancen für einen erfolgreichen Betrieb stehen auch dank der Rekrutenschule vor Ort gut.

Christian Tschümperlin
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Der neue Pächter Michael Künzle (links) im Gespräch mit Peter Hotz (rechts), Kommunikationsbeauftragter beim Amt für Militär und Zivilschutz.

Der neue Pächter Michael Künzle (links) im Gespräch mit Peter Hotz (rechts), Kommunikationsbeauftragter beim Amt für Militär und Zivilschutz.

Claudio Thoma

In den letzten Jahren war es still geworden um das Restaurant Grüner Igel in Birmensdorf. Acht Jahre lang blieb das Lokal in der Kaserne Reppischtal leer, nachdem der damalige Pächter in die roten Zahlen gerutscht war und den Betrieb einstellen musste. Pünktlich zur Wiederaufnahme der Rekrutenschule am 15. Januar füllt sich der «Igel», wie er neu heisst, wieder mit Leben. Der Kanton Zürich, dem die Kaserne inklusive Restaurant gehört, wagt mit Michael Künzle und seiner Your Catering GmbH als frischem Pächter den Neuanfang.

Der 46-Jährige ist seit 28 Jahren in der Gastronomie tätig. Künzle begann als Kellner und Barkeeper und mauserte sich zum Unternehmer, als er vor 14 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und Your Catering gründete. «Diesen Schritt bereue ich keine Sekunde», sagt er bei einem Besuch vor Ort. Er ist guter Dinge, dass es diesmal in der Kaserne klappen wird. Denn: Mit der erstmals seit 15 Jahren wieder aufgenommenen Rekrutenschule stehen plötzlich 300 Militärs mehr auf dem Platz.

Armeeangehörige und Zivilisten

Im Restaurant sitzen Armeeangehörige und Zivilisten Tisch an Tisch. Die weissen Tischtücher sind verschwunden. Die Atmosphäre ist unkompliziert. «Mit dem neuen Pächter haben wir auch das Konzept angepasst», sagt der ebenfalls anwesende Peter Hotz, Kommunikationsbeauftragter beim Amt für Militär und Zivilschutz. Als Eigentümer lege der Kanton Wert auf ein günstiges und gesundes Angebot, das den Bedürfnissen der Kundschaft entspreche. «Mit Michael Künzle haben wir jemanden gefunden, der das kann», sagt er.

Von der Sonnenterrasse des Restaurants blickt man direkt auf einen roten Fussballplatz, auf dem gerade ein Spiel läuft. «Wir bieten eine rustikale und einfache Schweizer Küche», sagt Künzle. Auf der Speisekarte stehen leichte Salate und Fitnessteller für Sportler. Den währschaften Fleischkäse mit Pommes frites gönnen sich vor allem die Handwerker, die sich über den Mittag auf der Terrasse niederlassen. Insgesamt bietet Künzle täglich fünf Mittagmenüs an, darunter ein Vegetarisches. «Die Menüs wechseln ständig ab, damit unseren Stammgästen nicht langweilig wird», sagt er.

Pächter hilft beim Abwasch

Die Rekruten scheinen es ebenfalls zu schätzen, dem militärischen Alltag ein wenig entfliehen zu können. Tagsüber kommen sie gerne auf einen Kaffee vorbei, der 2.50 Franken kostet. «Besonders beliebt bei den Rekruten sind zudem Panini-Brote», sagt Künzle. In der sogenannten Soldatenstube stehen neu ein Töggelikasten und eine Dartscheibe. Mit Blick auf die vielen Rekruten auf dem Areal sagt Künzle: «Wenn eine ganze Kompanie zum Kaffee oder am Abend zum Bier kommt, wird es schon etwas hektisch.»

Der gebürtige St. Galler führt den Ganzjahresbetrieb zusammen mit zwei festangestellten Mitarbeitern – einem Koch und einem Kassier. «Weil wir so ein kleines Team sind, muss bei uns jeder alles machen», so Künzle. Auch er müsse Abwaschen oder Gläser polieren. Die Öffnungszeiten am Abend variieren und richten sich nach dem Ausgang der Rekruten.

Der Igel ist nicht mehr grün

An der Wand in der Soldatenstube hängt das Bild von einem grünen Igel, der sich ein Streitgespräch mit einem Fuchs liefert. «Der Igel auf dem Bild ist zwar noch grün», so Hotz, «doch wir haben das Restaurant umbenannt von grüner Igel zu Igel». Die Umbenennung solle den Neuanfang markieren. Nicht geändert hat sich hingegen die Tatsache, dass man im Igel den Reppischtaler bestellen kann. Der Wein entstammt den Reben auf dem Waffenplatz. Beim Weingut handelt es sich um das einzige in der Schweiz, das auf dem Gebiet eines Waffenplatzes bewirtschaftet wird.

Momentan befindet das Projekt noch in der Testphase. Ende April ziehen Eigentümer und Betreiber dann eine erste Zwischenbilanz. Die Zeichen stehen gut, dass Künzle den Betrieb weiterführen kann. «Vor allem die Gästezahlen am Mittag steigern sich jeden Tag ein bisschen», so Künzle. Der neue Pächter hat noch einiges vor: So will er in Hinblick auf die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland einen grossen Fernseher im Restaurant aufstellen. Künzle hofft auf eine langfristige Zusammenarbeit und sagt: «Es würde mich freuen, wenn noch mehr Leute aus Birmensdorf und Umgebung den Weg in die Kaserne finden würden.»