Der Zentrumsplatz in Schlieren gibt heute ein trauriges Bild ab, findet GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss. «Er macht den Eindruck einer Festung – Passanten vermittelt er: Hier darfst du nicht hin, hier läuft nichts», wie Wyss gestern an der Gemeinderatssitzung anhand eines aktuellen Bilds des Teils des Platzes, auf dem heute die Sommerbeiz steht, erläuterte. Bis der Platz 2017 überbaut wird, wünscht er sich deshalb ein professionelles Zwischennutzungskonzept. Das heutige Platzmanagement nennt er «einer Stadt mit bald 20 000 Einwohnern unwürdig» und als «Zeichen der Hilflosigkeit und Ratlosigkeit der städtischen Verantwortlichen».

Dabei müsse im Zentrum «die Ortsseele erkennbar werden», so Wyss. Dass etwa mit dem Comedy-Herbst bereits etwas für die Belebung des Platzes getan wird, ist zwar auch dem GLP-Gemeinderat nicht entgangen. Dieses Angebot richte sich jedoch an einen «exklusiven Kreis», während der Platz alle Schlieremerinnen und Schlieremer ansprechen müsste. Wyss forderte deshalb ein Gesamtkonzept, das Angebote für die unterschiedlichsten Zielgruppen bereithält. «Das dürfen ruhig auch kommerzielle Ideen sein», sagte er.

Wyss reichte sein Anliegen in Form einer Motion ein. Auf diese wollte der Stadtrat jedoch gar nicht erst eintreten, da das Erstellen des geforderten Konzepts «voraussichtlich klar» weniger als 200 000 Franken kosten würde und damit nicht durch das Gemeindeparlament bewilligt werden muss. Die Exekutive stellte jedoch schon im Vorfeld in Aussicht, die Forderung als Postulat entgegenzunehmen. «Ich bin froh, dass mir der Stadtrat dieses goldene Brücklein baut, und würde dieses sehr gerne begehen», erklärte Wyss und gab sich damit einverstanden, die Forderung als Postulat einzureichen.

Dank Stichentscheid überwiesen

Dieses überwies das Parlament letztlich – wenn auch sehr knapp: 14 Parlamentarier waren dafür, 14 dagegen, am Schluss entschied Parlamentspräsident Rolf Wegmüller (CVP) mit einem Stichentscheid.

Für Verwirrung sorgte im Rat die Formulierung im Motionstext und in Wyss’ Präsentation. «Sie sprechen vom Kulturplatz, das Bild, das Sie uns zeigen, ist aber der Stadtplatz. Welchen meinen Sie denn nun?», fragte Jürg Naumann (Quartierverein) Wyss, bevor dieser konkretisierte, dass er «den ganzen Bereich, den die Ringstrasse umfasst» meint.

FDP und EVP liessen verlauten, dass sie die Motion nicht unterstützt hätten. «Wir hätten sie aus Kostengründen ganz klar abgelehnt», erklärte etwa Lucas Arnet (FDP). Wenn der Stadtrat im Falle einer Überweisung aber «eine sehr gute Idee für sehr wenig Geld» vorlegen könne, habe er nichts dagegen. Seine Parteikollegin Priska Randegger hingegen konnte Wyss’ Forderungen gar nichts abgewinnen: «Sie zeigen mir ein wenig zu fest auf, was Ihnen am Platz nicht gefällt und erklären mir etwas zu wenig, was man denn konkret tun sollte», sagte sie und forderte Wyss auf, das Postulat zurückzuziehen.

Als «gar nicht wirklich nötig» erklärte dann der zuständige Stadtrat Markus Bärtschiger (SP) das Postulat. Der Vorsteher des Ressorts Bau und Planung verwies darauf, dass bereits ein stadträtlicher Ausschuss mit dem Ziel einer «Beplanung des Zentrums» bestehe. Zwar räumte er ein, dass die Zwischennutzung gegenüber der langfristigen Planung nicht erste Priorität geniesse, denn letztere müsse «sauber gemacht werden». Wyss’ Vorwürfe wollte er trotzdem nicht ganz auf sich sitzen lassen: «Unsere Ressourcen sind begrenzt, und die kurzfristigen Lösungen, die wir bisher gefunden haben, sind nicht nur Zeichen der Rat- und Hilflosigkeit.»

Weiter wurde gestern über die Entschädigung für die Sozialbehörde befunden. Da sich deren Aufgaben halbierten, seit das Vormundschaftswesen der Stadt an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) in Dietikon übertragen wurde, beantragte der Stadtrat eine Halbierung der Entschädigungen von 4000 auf 2000 Franken jährlich. Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) empfahl den Antrag zur Annahme, jedoch nur, wenn zur Pauschalentschädigung noch Sitzungsgelder hinzukommen würden, und Anhörungen nach Rayon bezahlt würden. «Die Mitglieder der Sozialbehörde führen ein anspruchsvolles Amt aus, das viel Vorbereitung erfordert. Es ist deshalb nicht richtig, dass sie kein Sitzungsgeld erhalten», sagte GPK-Mitglied Rixhil Agusi-Aljili (SP). Dieser Meinung war auch das Parlament: Es überwies sowohl die stadträtliche Vorlage wie auch die Änderungsanträge der GPK einstimmig.