Zwischenbilanz
«Mit dem gelben Abfallsack hat die Stadt den Vogel ab­geschossen»: Dietiker Frühlingsputzete ist erfolgreich, kommt aber nicht bei allen gut an

Im Mai verteilte die Stadt Dietikon gelbe Abfallsäcke an das Volk, damit dieses beim Mülleinsammeln hilft. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Merken
Drucken
Teilen
Seit Beginn der Kampagne sind rund 200 Kilogramm Müll zusammengekommen.

Seit Beginn der Kampagne sind rund 200 Kilogramm Müll zusammengekommen.

Bild: zvg/Stadt Dietikon

Anfang Mai startete die Stadt Dietikon eine Kampagne mit dem Titel «Frühlingsputzete». Damit wurde die Bevölkerung aufgerufen, beim Mülleinsammeln mitzuhelfen. Nun hat die Stadt Dietikon eine «erfreuliche» Zwischenbilanz gezogen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Es seien bereits über 100 Abfallsäcke mit Sammelgut abgegeben worden.

Zum Start der Aktion hatten alle Haushalte in Dietikon in ihrem Briefkasten ein Kuvert mit einem Flyer und einem gelben Abfallsack «Für ein sauberes Dietikon» vorgefunden (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Die städtische Infrastrukturabteilung wollte damit ­engagierten Personen die Möglichkeit bieten, in ihrem Aktionsradius etwas für eine saubere Stadt zu unternehmen. Dahinter steckt die Idee, dass jede und jeder etwas für ein lebenswertes Dietikon und die Umwelt machen kann.

Es gab auch Kritik an der Aktion

Die Aktion mit den gelben Abfallsäcken hat der Stadt Dietikon auch Kritik eingebracht. «Und nun verschickt die Stadt Dietikon gelbe Abfallsäcke an die Bewohner, damit sie doch den Abfall sammeln, der in der Stadt rumliegt! Ich glaub es nicht. Wir sollen dem unerzogenen, unreifen Pack hinterherlaufen und ihren Abfall einsammeln!? So eine (blöde) Idee kann wohl nur aus dem Stadthaus kommen», ärgerte sich ein Dietiker Leserbriefschreiber. «Stellt doch endlich an den neuralgischen Punkten Kameras auf und verteilt saftige Bussen.» Eine andere Leserin pflichtete ihm bei:

«Mit dem gelben Abfallsack hat die Stadt den Vogel ab­geschossen.»

Mit ihrer Pressemitteilung vom Donnerstag will die Stadt nun aufzeigen, dass die Aktion auch positive Reaktionen hervorgerufen hat. So schreibt sie: «Seit Beginn der Kampagne wurden über 100 Abfallsäcke in der Sammelstelle Zelgli abgegeben mit einem Gesamtgewicht von rund 200 Kilogramm. Stichproben zeigen, dass effektiv Sammelgut gebracht wird und die Aktion nicht für ein kostengünstiges Entsorgen von eigenem Hausmüll missbraucht wird. Die Stadt Dietikon bedankt sich bei allen engagierten Einwohnerinnen und Einwohnern herzlich für den tollen Einsatz.»

«Ein Puzzlestein für ein sauberes Dietikon»

Zudem wird der für die Infrastrukturabteilung zuständige Stadtrat Lucas Neff (Grüne) dahingehend zitiert, dass es «nebst wenigen kritischen Stimmen» durchwegs positive Rückmeldungen gegeben habe. «Jemand nutzt sogar den täglichen Abendspaziergang zum Beseitigen von Littering. Ich selber fötzele einmal die Woche um mein Büro an der Badenerstrasse. Dies mit feststellbarem Erfolg: Das Littering hat deutlich abgenommen. Das Thema ist mit der Aktion umfassend, pragmatisch und aktiv ins Rampenlicht gerückt. Ein Puzzlestein für ein sauberes Dietikon», wird Neff weiter zitiert.

Neben der Frühlingsputzete, die in einem zeitlich und räumlich nicht begrenzten Rahmen stattfindet, unternimmt Dietikon auch sonst einiges, um Littering zu bekämpfen. So veranstaltet die Stadt seit 2019 jährlich einen Clean-up-Day und lanciert immer wieder Kampagnen, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. So wurde beispielsweise 2020 ein «Flugverbot» ausgerufen, gemeint war ein Flugverbot für Zigarettenstummel. In diesem Zusammenhang verteilte die Stadt Dietikon auch Taschen-Aschenbecher.

Trotz all der Kampagnen gilt nach wie vor: Würden sich alle an die Regeln halten, wären solche Aktionen nicht nötig. Aus diesem Umstand entsprang letztlich die erwähnte Kritik in den Leserbriefspalten. (deg)