Dietikon
Zweiter Anlauf für Schulsozialarbeit in Dietikon

Zweieinhalb Jahre nachdem das Dietiker Stimmvolk die definitive Einführung der Schulsozialarbeit verhinderte, kommt das Thema wieder aufs Tapet und schliesslich auch vors Volk.

Bettina Hamilton-Irvine
Merken
Drucken
Teilen
Schulsozialdienst

Schulsozialdienst

Limmattaler Zeitung

Diesmal jedoch nicht auf Initiative der Schulpflege, sondern weil ein gesetzlicher Auftrag besteht: Anfang 2012 wurde das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz in Kraft gesetzt, das die Schulsozialarbeit erstmals zur gesetzlich verankerten Aufgabe macht. Seither sind alle Gemeinden im Kanton verpflichtet, ein «bedarfsgerechtes Angebot» zu schaffen.

Streit um Stellenprozente

Dietikon gerät damit unter Zugzwang - und in eine Situation, die politisch für Zündstoff sorgen dürfte. Denn im November 2009 sprachen sich 52 Prozent der Stimmenden gegen die definitive Einführung der Schulsozialarbeit aus. Die Schulpflege war schockiert - und sah sich gezwungen, das Angebot einzustellen und vier Schulsozialarbeiter zu entlassen.

Der Abstimmung vorangegangen war ein Seilziehen um Stellenprozente: Die Schulpflege hätte sich eine Aufstockung der versuchsweise eingeführten 200 auf 380 Stellenprozente gewünscht. SVP und FDP boten im Parlament an, 250 Stellenprozente zu bewilligen. Der Antrag lautete schliesslich auf 290 Prozent.

Der Rest ist Geschichte. Doch obwohl die Schulsozialarbeit seither «an allen Ecken und Ende fehlt», wie der Stadtrat im Sommer 2011 in einer Interpellationsantwort schrieb, hätte die Schule das Thema vorläufig nicht mehr von sich aus in Angriff genommen, wie Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) gegenüber der az Limmattaler Zeitung sagt. «Das hätte leicht als Zwängerei aufgefasst werden können.» Doch aufgrund der neuen gesetzlichen Situation sehe die Lage nun anders aus, so Balbiani: «Wir haben einen klaren Auftrag, den wir erfüllen müssen.»

Schulpflege will kein Risiko

Seither hat sich eine Arbeitsgruppe, der zwei Schulpfleger, zwei Lehrer, zwei Schulleiter, der Schulpräsident und der Leiter der Schulabteilung angehören, während mehrerer Sitzungen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und eine umfassende Auslegeordnung gemacht. Die Arbeit sei «aufwändig, aber sehr konstruktiv» gewesen, sagt Balbiani.
Die Arbeitsgruppe hat der Schulpflege schliesslich zwei Varianten unterbreitet. Profil A beinhalte das Minimum, das nötig sei für Schulsozialarbeit, so Balbiani, während Profil B wünschenswert wäre, wolle man nicht nur auf Intervention, sondern auch auf Prävention setzen.

Dass die Schulpflege dem Stadtrat dennoch Profil A empfiehlt, ist vor allem ein strategischer Entscheid. Man erachte die Umsetzbarkeit als realistischer, sagt Balbiani, der sich der politischen Situation bewusst ist. Die Schulpflege wolle nun kein Risiko eingehen: «Wenn diese Vorlage bachab geht, haben wir nichts. Das darf auf keinen Fall passieren.»

Dass das Profil A mit 290 Stellenprozenten - Profil B umfasst noch 60 mehr - nun dem früher vom Volk abgelehnten Umfang entspricht, sei «reiner Zufall», sagt der Schulpräsident. «Damals war es ein Feilschen und Verhandeln. Der heutige Vorschlag basiert auf einer fundierten Analyse.» Man habe minuziös abgeklärt, ob man Prozente einsparen könne. Dies sei nicht möglich: «Sonst fehlt uns irgendwo ein Steinchen.»

«Sonst haben wir ein Problem»

Zu den 290 Stellenprozenten kommen noch 25 Prozente für eine Leitungsfunktion, die früher extern ausgelagert wurde. Heute will man diese integrieren, um mehr Kontrolle zu haben. Die Kosten für das Profil A betragen einmalig 73 000 Franken plus wiederkehrend 429 000 Franken.

Für Balbiani eine zwingende Investition: «Ich bin hundert Prozent überzeugt, dass dies der minimal nötige Aufwand ist. Wenn wir die Schulsozialarbeit nicht einführen, haben wir ein Problem, das uns langfristig ein Vielfaches davon kostet.» Zudem kenne er keine mit Dietikon vergleichbare Gemeinde, die keine Schulsozialarbeit habe, sagt er.

Nun wird die Vorlage zuerst von einer vorberatenden Kommission, dann vom Parlament behandelt, bevor sie an die Urne kommt. Eingeführt werden soll die Schulsozialarbeit spätestens Mitte 2013.