Dietikon

Zwei Wochen nach dem Mega-Stau: Das Chaos nimmt ab, der Ärger weniger

Die Baudirektion hatte angekündigt, die Schönenwerdkreuzung im Zweischichtbetrieb zu bauen – aber daraus wurde bislang nichts.

Der Ärger war gross bei den Automobilisten, als am 2. Juli um 5 Uhr die Vollsperrung der Dietiker Schönenwerdkreuzung begann. Ein Verkehrschaos inklusive Mega-Stau war die Folge.

Nun sind die ersten zwei Wochen der Vollsperrung vorbei. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
Zuerst die Nachfrage bei S., einem Leser der Limmattaler Zeitung, der am ersten Tag der Vollsperrung für seinen Arbeitsweg vom Dietiker Glanzenberg-Quartier bis nach Zürich Altstetten über zwei Stunden benötigt hatte. «Es ist nicht mehr so schlimm wie am ersten Tag. Mein Arbeitsweg dauert inzwischen nur noch 30 Minuten länger als normal. Aber himmeltraurig ist es immer noch. Auch der Rückweg ist eine Katastrophe», sagt S.

Besonders stark sei die Vollsperrung im Abschnitt von der Dietiker Kreuzung Bremgartner-/Bernstrasse bis zum Schlieremer Kesslerplatz zu spüren. «Hier herrscht jeweils täglich Stau und man verliert allein in diesem Abschnitt bis zu 20 Minuten», sagt S. Hoffnung hat er aber, dass der Vollsperrungsstau mit dem Start der Zürcher Sommerferien nochmals kürzer wird. Will heissen: Ab Montag sollte man nochmals etwas weniger Reisezeit benötigen.

Amt für Verkehr misst Reisezeiten

Baudirektionssprecherin Isabelle Rüegg bestätigt, dass sich die Verkehrssituation verbessert hat: «Reisezeitmessungen des Amts für Verkehr haben gezeigt, dass die Reisezeit bereits am zweiten Tag der Vollsperrung deutlich abgenommen hat.» Auch das Tiefbauamt habe das so beobachtet.

Die Verbesserungen vom ersten auf den zweiten Tag sind so zu erklären, dass am ersten Tag der Vollsperrung viele Automobilisten aus Gewohnheit die übliche Strecke nahmen und so im Chaos landeten. «Das Verkehrsaufkommen war am ersten Tag der Vollsperrung vergleichbar mit der Vorwoche. Inzwischen haben viele Automobilisten auf eine andere Route, einen anderen Reisezeitpunkt oder den öffentlichen Verkehr gewechselt. Entsprechend hat sich die Verkehrssituation entspannt», sagt Rüegg. Die Verbesserung hänge daher nicht nur damit zusammen, dass vor einer Woche die Ferien im Aargau starteten, sondern eben auch mit der «funktionierenden Verkehrsumleitung».

Gleichzeitig hält Rüegg namens des Tiefbauamts fest: «Wir gehen während der ganzen Vollsperrung von Staus und längeren Reisezeiten aus, zumindest zu Spitzenzeiten.»

Das weiss auch Leser S. Er macht sich Sorgen, weil die Vollsperrung länger dauert als die Sommerferien – nämlich bis Ende August: «In der zweiten August-Woche beginnt das Chaos wieder. Das wird die Hölle.»

Die nicht mehr alltägliche Verkehrsituation liess auch Schleichverkehr entstehen. Um diesen zu unterbinden, hat das Tiefbauamt inzwischen zusätzliche Massnahmen getroffen. So sei beispielsweise von der Bernstrasse her die Urdorfer Strasse In der Luberzen als Schleichweg genutzt worden. Deshalb habe man mitunter Im Grossherweg ein Einbahnregime eingeführt.

Warum um 17 Uhr Feierabend ist

Neben dem Stau beschäftigt auch etwas anderes viele Limmattalerinnen und Limmattaler: die Arbeitszeiten auf der Baustelle, auf der in brütender Hitze Schwerstarbeit erledigt wird. So hat sich diese Woche bei der Limmattaler Zeitung Leser K. aus Urdorf gemeldet, der hin und wieder an der Baustelle vorbeikommt, insbesondere auf dem Velo – mit diesem lässt sich die Schönenwerdkreuzung nach wie vor in verschiedene Richtungen passieren. «Als ich um 17 Uhr bei der Baustelle war, war diese leer und die Strassen waren weit und breit frei. Dabei hat doch die Bauleitung versprochen, in zwei Schichten von morgens früh bis abends spät inklusive samstags zu arbeiten», sagt K.

Dies sei nun aber meistens nicht der Fall – das wird auch von anderen Beobachtern so bestätigt. Vor Ort habe ihm ein Arbeiter gesagt, dass man bisher in zwei Nächten gearbeitet hätte, doch müsse man auch Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Diese würden morgens um zwei Uhr keine Bohrhämmer ertragen.

K. hält fest, dass die Sonne im Moment vor 6 Uhr aufgeht und nach 21 Uhr untergeht. «Man könnte problemlos bei Tageslicht in zwei Schichten arbeiten. Irgendwie müsste von politischer Seite eingeschritten werden», sagt K.

Am Stadtfest wird das Ende gefeiert

In der Tat hatte das Tiefbauamt einen Zweischichtbetrieb angekündigt. «Die Bauarbeiten werden von Montag bis Samstag und im Zweischichtbetrieb, das heisst von morgens früh bis in den Abend hinein, ausgeführt», heisst es auf der Website des Tiefbauamts.

Baudirektionssprecherin Isabelle Rüegg hält fest: «Wenn immer nötig und möglich arbeiten wir im Mehrschichtbetrieb. Es gibt allerdings Arbeiten, bei denen es nicht sinnvoll ist, die Schichten zu erweitern, beispielsweise bei lärmintensiven Arbeiten.»

Auf Anfrage erklärt sie weiter, dass zurzeit 40 bis 45 Arbeiter vor Ort seien. «Zu Spitzenzeiten, beispielsweise beim Belagseinbau, werden es dann 50 bis 60 Arbeiter sein.» Mit dem bisherigen Fortschritt der Bauarbeiten ist die Baudirektion zufrieden. Man sei im Zeitplan.

Wann die Bauarbeiten enden, kann die Baudirektion derzeit noch nicht auf den Tag genau sagen. «Das Ziel ist nach wie vor, dass wir die Schönenwerdkreuzung vor dem Dietiker Stadtfest, das am 31. August beginnt, wieder dem Verkehr übergeben können», sagt Rüegg.

Ganz fertig ist die Kreuzung dann noch nicht: Bei laufendem Verkehr werden im September und im Oktober die Abschlussarbeiten erledigt, die grundsätzlich ohne Verkehrsbeeinträchtigungen vonstattengehen sollen.

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Mit 35 000 Autos pro Tag ist die Schönenwerdkreuzung die meistbefahrene Limmattaler Kreuzung. Mit dem Ausbau wird sie leistungsfähiger gemacht. Es ist eine der Massnahmen, die das Siedlungsgebiet von Schlieren und Dietikon vom Durchgangsverkehr entlasten sollen.

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