Wirtschaftsstandort Schlieren
Zwei wachstumsstarke Firmen zügeln in die Stadt

Zwei der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Schweiz haben neu ihren Sitz in der Stadt.

Alex Rudolf
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Dank VirtaMed kann eine komplexe Knieoperation geübt werden. Ohne, dass der Patient dabei leiden muss. Sandro Zimmerli

Dank VirtaMed kann eine komplexe Knieoperation geübt werden. Ohne, dass der Patient dabei leiden muss. Sandro Zimmerli

Sandro Zimmerli

Erfreuliche Nachrichten vom Wirtschaftsstandort Schlieren. Mit VirtaMed und HeiQ haben gleich zwei Unternehmen, die schweizweit das grösste Wachstum verzeichnen, ihren Sitz in der Stadt. Dies kam bei einer diese Woche veröffentlichten Erhebung der «Handelszeitung» und «Le Temps» zutage.

Gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Statista wurden erstmals die wachstumsstärksten Firmen eruiert. Dabei rangiert VirtaMed mit einem jährlichen Umsatzwachstum von knapp 42 Prozent in den Jahren 2012 bis 2015 auf dem 25. Platz. Im selben Zeitraum verzeichnete HeiQ einen Wert von knapp 35 Prozent pro Jahr und erreichte damit den 29. Rang. «Wir fühlen uns geehrte gleich zwei Wachstumschampions bei uns an der Rütistrasse beheimaten zu dürfen», sagt der Schlieremer Standortförderer Albert Schweizer auf Anfrage.

Bei VirtaMed an der Rütistrasse 12 ist man vom guten Abschneiden positiv überrascht, wie Raimundo Sierra, Co-CEO und Mitbegründer, auf Anfrage sagt. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 als ETH-Spin-off in Zürich gegründet und verlegte seinen Hauptsitz 2013 nach Schlieren. Es stellt Virtual-Reality-Chirurgiesimulatoren her, die Ärzten das Üben von komplexen Eingriffen ermöglicht.

Zu den Kunden gehören Ausbildungsspitäler, Trainingszentren aber auch Medizinaltechnikhersteller. Bereits im Jahr 2013 erhielt das Unternehmen den Swiss Economic Award in der Sparte Hightech/ Biotech. Bis zum damaligen Zeitpunkt verkaufte das Unternehmen 150 Systeme, an denen rund Tausend Ärzte geschult wurden. «Heute verkaufen wir jährlich rund 150 Systeme mit denen x Tausend Ärzte üben können», sagt Sierra.

Marktführung angestrebt

Während im Jahr 2013 der Umsatz von VirtaMed noch bei rund 5,8 Millionen Franken lag, wurde im Jahr 2015 die 10-Millionen-Marke durchbrochen. Dies schlägt sich auch in der Anzahl Mitarbeiter nieder. Bei der Gründung waren es fünf Mitarbeiter, heute beschäftigt das Unternehmen 66 in Schlieren und 5 in den USA. Damit ist jedoch längst nicht Schluss. «Wir sind stets auf der Suche nach qualifiziertem Personal», sagt Sierra. Mehrheitlich würden Software-Entwickler gesucht.

Erst im vergangenen Sommer brachte das Unternehmen sein jüngstes Produkt auf den Markt. Dabei handelt es sich um das Modell einer Hüfte, womit Eingriffe am Gelenk geübt werden können. Was als Nächstes zu welchem Zeitpunkt auf den Markt kommt, kann Sierra noch nicht sagen. «Wir haben derzeit mehrere Produkte in der Pipeline.» Er ist jedoch zuversichtlich, dass das Unternehmen die Wachstumszahlen weiterhin halten kann. «Wir sind derzeit auf der Suche nach Investoren für eine nächste Finanzierungsrunde, es wird unsere zweite sein.» Das Ziel ist bekannt. So sei sein Unternehmen derzeit bezüglich der Technologie führend im Markt – «Doch wollen wir auch Marktführer werden.»

Auch HeiQ Materials AG blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Das Unternehmen wurde im Jahr 2005 als ETH-Spin-off gegründet und verlegte seinen Hauptsitz im vergangenen Jahr von Bad Zurzach nach Schlieren. Es hat sich auf die chemische Bearbeitung von Textilien spezielisiert. So hat HeiQ derzeit verschiedene Produkte im Sortiment, etwa Stoffe, die temperaturregulierend wirken, über einen UV-Schutz verfügen oder einen umweltfreundlichen Wasserschutz garantieren.

International für Aufsehen sorgte HeiQ im Nachzug der Ölkatastrophe um das Leck der Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Um der Zerstörung des Meers und der Strände entgegenzuwirken, entwickelte das Unternehmen innert weniger Wochen Vliesmatten, die Öl ansaugten und Wasser abstiessen.

Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt gegeben, dass HeiQ mit der kalifornischen Kleidermarke Patagonia eine Forschungspartnerschaft eingegangen ist. So sollen ohne den Einsatz von umweltschädlichen Chemikalien atmungsaktive, wasserabweisende Textilien entwickelt werden. Die Chefetage von HeiQ war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.