Reisebericht

Zwei Urdorfer fahren in die Vergangenheit von Laos

Romy Müller und Miro Slezak tauchen auf ihrem Weg von Urdorf nach Australien in die Vergangenheit von Laos ein – und begegnen auf ihrer Reise tragischen Geschichten.

Bei Pakxe verlassen wir den Mekong für eine Weile und begeben uns ins Hinterland. Und hier wird uns die tragische Vergangenheit Laos’ vor Augen geführt. Wir begegnen einer Gruppe von Minensuchern bei der Arbeit. Während des Vietnamkrieges verlief hier der berühmte Ho-Chi-Minh-Pfad, über den die Nordvietnamesen den Nachschub für ihren Kampf gegen die Amerikaner transportierten. Aus diesem Grund bombardierten die Amerikaner die Gegend von 1966 bis 1973 flächendeckend.

Mehr als 200 Millionen Tonnen Sprengstoff warfen sie ab. Und bis heute leidet die laotische Bevölkerung darunter. Jährlich gibt es noch immer Hunderte von Unfällen. Vor allem Kinder und Bauern sind die Opfer. Man schätzt, dass noch rund 78 Millionen Blindgänger herumliegen.

«Ich sah etwas Rostiges liegen»

In Vientiane, der Hauptstadt von Laos, besuchen wir die Organisation COPE, welche die Minenopfer mit Prothesen, Gehilfen und Rehabilitation unterstützt. Hier begegnen wir einem Jugendlichen, der uns seine Geschichte erzählt. «Ich war mit zwei Freunden auf dem Heimweg von der Schule und da sah ich neben dem kleinen Pfad etwas Rostiges liegen, ungefähr in der Grösse eines Tennisballes.

Es interessierte mich, was es sein könnte und ich hob es auf. Das ist das Letzte, woran ich mich erinnern kann.» Seine Freunde trugen ihn nach Hause und die Eltern brachten ihn ins nächste Spital. Die Ärzte konnten sein Leben retten, doch er verlor beide Hände und das Augenlicht.

Die Ebene der Tonkrüge ist einer der Höhepunkte in Laos. Die Krüge, die auf verschiedenen Feldern zu Hunderten in der Landschaft stehen, sind hohl, bis 2,7 Meter hoch und haben etwa einen Meter Durchmesser. Wer sie angefertigt hat und zu welchem Zweck, ist umstritten. Die Palette reicht von Aufbewahrungsgefässen für Wein oder Getreide über Graburnen eines unbekannten Volkes bis hin zum Werk von Ausserirdischen. Auch diese Gegend ist noch nicht komplett von den nicht explodierten Sprengkörpern geräumt. Deshalb darf man sich nur auf einem schmalen, markierten Weg bewegen.

Eigentlich möchte die Regierung von Laos die Ebene der Tonkrüge zum Unesco-Weltkulturerbe erklären lassen. Aber solange das Gebiet nicht sicher ist, wird die Anerkennung abgelehnt. So sehen wir auch hier Expertenteams am Werk, die Meter für Meter nach nicht explodierten Streubomben absuchen. In der Mitte unserer Besichtigung werden wir plötzlich mit grosser Bestimmtheit aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Aus sicherer Entfernung können wir dann beobachten, wie fünf gefundene Bomben zur Explosion gebracht werden. Die Erschütterungen sind gewaltig.

Männer mit Gewehren

Am Abend wollen wir auf einem der Parkplätze in der Nähe der Tonkrüge im Auto übernachten. Nebenan steht eine Bambushütte, die als Restaurant dient, wir bekommen von der Besitzerin die Erlaubnis. Später aber kommt ein Mann, der uns wild gestikulierend klar macht, dass wir nicht bleiben können. Bis in die nächste Stadt sind es 30 Kilometer. Inzwischen ist es dunkel, die Piste dorthin ist schwierig zu befahren.

Als er geht, parkieren wir deshalb nur kurz um. Bald darauf kommt der Dorfvorsteher, der wenig Englisch spricht und uns sagt, dass wir hier nicht stehen können. «Weil noch nie ein Ausländer hier übernachtet hat», sagt er. Wir räumen das Feld und fahren zwei Kilometer weiter zum Parkplatz der nächsten Fundstelle.

Weit und breit ist kein Haus zu sehen, und wir löschen sofort alle Lichter. Doch rund zwei Stunden später klopft jemand ans Auto. Draussen stehen vier Männer, einer davon mit einem Gewehr bewaffnet, und sie fordern uns auf, in die nächste Stadt zu fahren. Wir weigern uns, worauf sie telefonieren. Bald kommt ein Mopedfahrer und erklärt uns: «Ich bin von der Polizei, bitte folgt mir.» Er hat weder einen Ausweis noch eine Uniform, aber das ist hier normal. Uns bleibt keine Wahl. Wir werden zu einer drei Kilometer entfernten Polizeistation gebracht und hier dürfen wir nun endlich unter Polizeischutz schlafen. Es ist das erste Mal, dass man uns verjagt hat.

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