Dietikon
Zwei pornografische Videos weitergeleitet: Täter erhält Landesverweis

Das Dietiker Bezirksgericht verurteilt einen 43-Jährigen wegen Pornografie zu einer bedingten Geldstrafe. Er muss jetzt das Land verlassen.

Louis Probst
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Kein Härtefall: Das Gericht verweist den verurteilten Familienvater aus der Schweiz. (Symbolbild)

Kein Härtefall: Das Gericht verweist den verurteilten Familienvater aus der Schweiz. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTOF SCHUERPF

«Krass» seien sie schon gewesen, die beiden Videos, aber «irgendwie auch lustig», hatte der Beschuldigte bei der Einvernahme gegenüber der Polizei ausgesagt. Die Videos zeigten sexuelle Handlungen zwischen einem kleinen Buben und einer erwachsenen Frau sowie pornografische Aufnahmen eines zweijährigen Buben.

Erhalten hatte sie der aus dem Kosovo stammende Familienvater via Facebook. Gemäss den Ermittlungen hatte der 43-Jährige die Videos auf Facebook weiterverschickt, kurz nachdem er sie erhalten hatte.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Pornografie. Sie beantragte, den Beschuldigten mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 70 Franken und mit einer Busse von 2100 Franken zu bestrafen. Die Staatsanwaltschaft forderte zudem die Anordnung eines Tätigkeitsverbotes gemäss Artikel 67 des Strafgesetzbuches sowie einer Landesverweisung für die Dauer von fünf Jahren.

Der Beschuldigte ist für die Befragung zu nervös

Vor Gericht schien der Beschuldigte, die ihm von Bezirksrichter Benedikt Hoffmann gestellten Fragen nicht zu verstehen. Sein Mandant sei nervös, meinte der Verteidiger. Das Problem liege nicht an der Sprache. Auf das Angebot des Vorsitzenden, die Verhandlung zu vertagen und einen Übersetzer beizuziehen, wollten der Beschuldigte und sein Anwalt nach einer kurzen Besprechung deshalb auch nicht eintreten.

Auf das Nachhaken des Richters gestand der Beschuldigte nach einigem Zögern und Winden – «ich kann mich nicht erinnern» – schliesslich ein, die Videos an seinen Bruder sowie an eine Handvoll Facebook-Freunde weitergeleitet zu haben. Die Anklageschrift listet drei verschiedene Personen auf, denen die beiden Videos innerhalb einer halben Minute zugegangen sein sollen.

Verteidiger: Verurteilung, aber keine Verweisung

Der Verteidiger beantragte, den Beschuldigten zwar der Pornografie schuldig zu sprechen und ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Franken sowie einer Busse von 1000 Franken zu verurteilen. Von der Anordnung eines Tätigkeitsverbotes und einer Landesverweisung sei aber abzusehen. «Die Taten des Beschuldigten sind nicht zu entschuldigen oder zu bagatellisieren», erklärte der Verteidiger. «Das Motiv liegt in Gedankenlosigkeit und Abgestumpftheit gegenüber Internet-Inhalten.»

Der Verteidiger versuchte, seinen Mandanten vor der Landesverweisung zu bewahren. Dieser lebe seit 18 Jahren in der Schweiz, sei mit einer Schweizerin verheiratet und dessen beide kleinen Kinder besässen das Schweizer Bürgerrecht. «Die Delikte, die dem Beschuldigten vorgeworfen werden, sind zwar Katalogdaten für eine Landesverweisung», räumte der Verteidiger ein. «Sie erreichen jedoch nicht den Schweregrad, der eine Landesverweisung rechtfertigen würde.» Das Gericht sah das anders. Es sprach den Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 70 Franken. Das Bezirksgericht Dietikon verzichtete dabei zwar auf die Anordnung eines Tätigkeitsverbots. Es sprach aber eine Landesverweisung für fünf Jahre aus.

Das Gericht habe geprüft, ob ein Härtefall vorliege, erklärte der Vorsitzende in der kurzen Begründung des Urteils. Ein Verzicht auf die obligatorische Landesverweisung erfordere einen «besonderen Härtefall». Dieser «besondere Härtefall» liege aus Sicht des Gerichtes jedoch nicht vor.

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