Ob in Schlieren erst ein Kinderwagen vom Luftzug eines vorbeifahrenden Zuges erfasst werden müsse, bevor gehandelt werde, fragte der Schlieremer Gemeinderat Rolf Wegmüller (CVP) provokativ in seiner kleinen Anfrage bezüglich der Sicherheit auf Perron 3/4.

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In ihrer kürzlich erschienenen Antwort verwies die Exekutive jedoch mehrheitlich auf Stellungnahmen der SBB, die bereits zur Beantwortung eines älteren Vorstosses zur Sicherheit auf selbigem Perron veröffentlicht wurden. Neu wird jedoch bekannt, dass sich gar die ETH Zürich bereits der Sicherheitsfragen am Schlieremer Bahnhof angenommen hat.

Wegmüller konstatiert in seinem Vorstoss, dass sich die Lage seit dem Fahrplanwechsel vom vergangenen November noch verschlechtert habe. So würden seither nicht nur Güterzüge an den Wartenden vorbeidonnern, sondern auch Personenzüge.

Die weisse Sicherheitsmarkierung sei ein Alibi: «Schon etliche Male konnte ich gefährliche Situationen miterleben», schreibt er. Als Vergleich zieht der CVP-Gemeinderat den Bahnhof Zürich-Oerlikon herbei. Dort seien nicht nur die Perrons breiter, auch würden ihn Züge in geringerem Tempo passieren, die mittels Lautsprecherdurchsage angekündigt würden.

Keine neue Lagebeurteilung

In seiner Antwort verweist der Schlieremer Stadtrat darauf, dass es bei den SBB seit Jahren nicht zu einer Veränderung der Lagebeurteilung gekommen sei. Auszüge aus einem Schriftwechsel mit den SBB bestätigen dies: So seien die Platzverhältnisse auf besagtem Perron zwar nicht komfortabel, würden aber für einen sicheren Betrieb ausreichen.

Die SBB unterstreichen gegenüber dem Stadtrat, dass auch die Durchfahrtswarnungen in Oerlikon bis zum Ende der Bauarbeiten am Bahnhof im Herbst 2016 eingestellt würden.

Zudem sei der Sicherheitsbereich in Schlieren grösser als in Oerlikon. Denn: «Die entsprechenden Markierungen sind vom Bundesamt für Verkehr (BAV) vorgegeben und unter anderem von der maximal erlaubten Durchfahrtsgeschwindigkeit abhängig», zitiert der Stadtrat die SBB. So sei der Sicherheitsbereich in Schlieren grösser, weil auch die Geschwindigkeit der Züge höher sei.

Die SBB wendeten das System der Durchfahrtsinformationen sehr restriktiv und eher als Übergangsmassnahme an. «Gemeinsam mit dem BAV und der ETH Zürich rissen die SBB eine Studie zur Personensicherheit an.»

Das Vorprojekt dazu wurde in Schlieren vollzogen. «Aus dem Studienbericht gibt es keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen lassen, dass in Schlieren sofortige Massnahmen nötig wären», schreiben die SBB weiter.

Wechsel spielt keine Rolle

Aus der Optik der SBB hat der Fahrplanwechsel zudem keine Verschärfung der Situation herbeigeführt. Denn die neu eingeführte S19, die nicht in Schlieren hält, verkehre in Richtung Dietikon zwar auf diesem Perron, in der Gegenrichtung jedoch auf dem 5/6er.

Eine im Jahr 2009 im Auftrag der Stadt durchgeführte Studie zur Sicherheit am Bahnhof ergab, dass bis ins Jahr 2013 die Passagierströme von täglich 6340 auf 9670 ansteigen werden. Die Experten verwiesen weiter darauf, dass das Empfinden von Unsicherheit bei den Passagieren wohl darauf zurückzuführen sei, dass S-Bahnen und Güterzüge den Bahnhof befahren.

2014 reichte Gemeinderat Niklaus Wyss (GLP) ein Postulat ein, das vom Stadtrat verlangte, zu prüfen, wie die Sicherheit verbessert werden könne. Daraufhin verlangte der Stadtrat eine Sicherheitsprüfung von den SBB. Diese verwiesen darauf, dass es aufgrund des dichten Fahrplans nicht möglich sei, die Güterzüge über andere Gleise zu leiten.

Doch setzten die SBB die Höchstgeschwindigkeiten der vorbeifahrenden Züge hinunter. Deswegen konnte der mit weissen Linien gekennzeichnete Sicherheitsbereich auf beiden Seiten des Perrons um 20 Zentimeter verkürzt werden.